Ringen um Standards

Marktentwicklung

Die Gremien lassen sich grob in drei Bereiche mit unterschiedlichen Aufgaben unterteilen: Marktentwicklung, De-facto-Standards und offizielle Normen. Die erste Gruppe ermittelt die Anforderungen an künftige Standards, führt Markterhebungen durch und veranstaltet User-Konferenzen und Technikschulungen. Die wichtigsten Organisationen in diesem Bereich sind die Storage Network Industry Association (SNIA), die Fibre Channel Industry Association (FCIA) und die SCSI Trade Association (SCSITA).

Einige dieser Organisationen befassen sich auch mit der Entwicklung von De-facto-Standards, die maßgeblich von zwei "Motoren" angetrieben wird. Der eine wird, wie erwähnt, von speziellen Arbeitsgruppen der Marktentwicklungs-Organisationen wie SNIA oder FCIA gebildet, der andere aus lose geformten Partnerschaften der Herstellerfirmen, die als "Pressure Groups" ihre Normen durchboxen wollen. Dazu zählen im SAN-Markt vor allem Jiro (unter Führung von Sun), die Fibre Alliance (EMC) und die Open Standards Fabric Initiative (OSFI) der FC-Switch-Hersteller.

Daneben sind diverse Herstellerallianzen aktiv, in denen ein Unternehmen die Führung übernimmt mit dem Ziel, die eigene Produktpalette durch kompatible Produkte von Geschäftspartnern zu einem SAN-Gesamtangebot zu ergänzen. Dazu zählen unter anderem Ensa (Compaq), Open-SAN (Metastor), SAN Solution Provider (Tim), Tachyon (Agilent) und SAN-Ware (Data Direct). Auch die Anbieter der Backup-Tools haben Allianzen gegründet, beispielsweise das Celestra Consortium (Legato), die V3-SAN-Initiative (Veritas) und Saniti (Computer Associates).

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Diese Verbände entwickeln Definitionen für Architekturen, veröffentlichen White Papers und arrangieren technische Konferenzen. Die OSFI, ein Zusammenschluss von fünf Herstellern, hat eine Initiative angekündigt, die Standards für eine Interoperabilität der Switches zum Durchbruch verhelfen soll. Die endgültigen Normen werden von offiziellen Standardisierungs-Organisationen wie ISO oder der Internet Engineering Task Force (IETF) verabschiedet. In der Regel nutzen sie die von den ersten beiden Gruppen unterbreiteten Vorschläge, verfeinern diese und erarbeiten einen konsensfähigen Vorschlag, der schließlich als Standard definiert und veröffentlicht wird.

Die SNIA ist ein internationales Industrieforum von Entwicklern, Integratoren und Systemexperten mit dem Ziel, Speichernetze zu einer effizienten und verlässlichen IT-Lösung zu machen. Unter den mehr als 125 Mitgliedsfirmen sind praktisch alle wichtigen Server-, Speicher- und FC-Hersteller. In der SNIA ist auch eine Arbeitsgruppe für die Entwicklung von Standards für Network Attached Storage (NAS) aktiv.

Die Fibre Channel Industry Association (FCIA) entstand im Herbst 1999 aus dem Zusammenschluß der Fibre Channel Association (FCA) mit der Fibre Channel Loop Community (FCC). Darin sind derzeit über 150 Firmen vertreten. Ihr Ziel ist es, durch geschicktes Marketing eine hohe Akzeptanz für FC-Produkte zu schaffen, sowie entsprechende Standards durchzusetzen, die eine Interoperabilität zwischen den Produkten der Mitgliedsfirmen ermöglichen.

Zu diesem Zweck hat die FCIA beispielsweise kürzlich das "Sanmark"-Programm angekündigt. Das entsprechende Logo auf FC-Produkten soll dem Käufer bescheinigen, dass das Gerät sich in Tests als standardkonform erwiesen hat. Auf diese Weise hoffen die Hersteller, nicht nur heterogene SAN-Ressourcen gemeinsam nutzbar zu machen, sondern auch ein Management-Framework für den SAN-Einsatz über WAN-Verbindungen zu schaffen.

In den USA haben sich mehr als 50 Konzerne, Universitäten und Forschungseinrichtungen zum National Storage Industry Consortium (NSIC) zusammengeschlossen. Die IETF entwickelt beispielsweise die für das SAN-Management bedeutsamen formalen Standards für die Management Information Blocks (MIB) und das zugehörige Simple Network Management Protocol (SNMP).