Sicherheit und Cloud Computing

Ratgeber - kritische Funktionen in die Cloud auslagern

01.08.2012 (aktualisiert) | von Martin Schweinoch und Thomas  Störtkuhl
Foto: Fotolia, H. Almeida
Foto: Fotolia, H. Almeida
Immer mehr Unternehmen nutzen die Services einer Private, Public oder Hybrid Cloud. Dabei müssen IT-Verantwortliche Risiken in Bezug auf Datensicherheit oder Compliance abschätzen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche Gefahren das Cloud Computing birgt und wie Sie diesen entgegenwirken können.
Cloud Computing wirft ein neues Licht auf bekannte Themen. Ein zentraler Aspekt ist die IT-Sicherheit. Das gilt gerade für allgemein zugängliche Public Clouds, deren Anbieter oft sehr einfache Verfahren für den Vertragsabschluss und die Leistungserbringung einschließlich der Migration von Daten in die Cloud vorsehen. Dadurch sinken die Sicherheitsbedürfnisse und -anforderungen der Kunden allerdings nicht. Schon der Schutz personenbezogener Daten in der Cloud verlangt angemessene technische und organisatorische Maßnahmen auch für die IT-Sicherheit (Paragraf 9 Bundesdatenschutzgesetz).
Compliance-Anforderungen des Kunden und gesetzliche Regelungen für spezifische Daten setzen zusätzliche Kriterien für die IT-Sicherheit. Die Umsetzung erfordert nicht nur die Analyse und Bewertung der Sicherheitsmaßnahmen des Providers durch den Kunden. Notwendige Maßnahmen sind vor Beginn der Nutzung der Cloud-Lösung zu vereinbaren und zu realisieren.
Details: Verfahren für die Auslagerung von Funktionen in eine Public oder Hybrid Cloud.
Details: Verfahren für die Auslagerung von Funktionen in eine Public oder Hybrid Cloud.
Details: Verfahren für die Auslagerung von Funktionen in eine Public oder Hybrid Cloud.
Foto: Schweinoch+Störtkuhl
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Auslagerung von kritischen Funktionen (Applikationen, Plattformen, Infrastruktur) in eine Public Cloud oder Hybrid Cloud (mit Public Cloud-Anteil). Die Auslagerung in allgemein zugängliche Public-Cloud-Ressourcen weist eine typische Besonderheit auf: Die Provider und die "Standorte" einer Public Cloud sind anonym über die Welt verteilt. Gerade diese Besonderheit führt aber zu neuen Risiken.
Bei der Auslagerung sensitiver Daten ist eine fest definierte Vorgehensweise notwendig. Insoweit wird das "klassische" Paradigma der Public Cloud verlassen, was zu höheren Kosten für die Auslagerung von Funktionen führen kann.

Die zehn größten Security-Risiken in der Cloud

Allgemein sind folgende Risiken beim Einsatz von Leistungen aus einer Public oder Hybrid Cloud zu beachten:
  • Verletzung der Vertraulichkeit und Integrität der Daten: Eine Lokalisierung der Daten ist in einer Public oder Hybrid Cloud für den Dateneigentümer nicht mehr so leicht möglich. Daher ist der Schutz der Daten auf der Infrastruktur-, Plattform und Applikationsebene häufig nicht mehr mit üblichen Mitteln zu gewährleisten. Gerade für sensitive Daten kann eine ausreichende Zugriffskontrolle nur schwer realisiert werden. Auch die Infrastruktur der Cloud selbst kann angegriffen oder missbraucht werden.
  • Löschung von Daten: Daten müssen in vielen Fällen (etwa aufgrund gesetzlicher Bestimmungen) gelöscht werden. Auch hier besteht das Risiko einer nur unzureichenden oder unvollständigen Löschung auf allen Plattformen und Datenbanken der Cloud, da die Lokalisierung der Daten nur schwer möglich ist. Auch nach Beendigung des Auftrags müssen die verarbeiteten Daten und alle Zwischenergebnisse in der Public Cloud gelöscht werden.
  • Ungenügende Mandantentrennung: Bei nicht ausreichend abgesicherter Mandantentrennung besteht die Gefahr, dass Dritte unautorisiert Daten einsehen oder manipulieren können. Dieses Risiko ist in einer Public Cloud erhöht, da durch Virtualisierung und Grid Computing keine physikalische Trennung der Daten unterschiedlicher Mandanten erfolgt.
  • Verletzung der Compliance: Da Daten in einer Public Cloud prinzipiell in allen Ländern der Welt in deren spezifischen Rechtsordnungen verarbeitet werden können, ist die Erfüllung aller gesetzlicher Anforderungen eine wesentliche Aufgabe bei der Nutzung von Public-Cloud-Leistungen.
  • Verletzung von Datenschutzgesetzen: Es ist nicht von vornherein klar, in welchen Ländern, Rechenzentren, auf welchen Servern und mit welcher Software die Daten gespeichert und verarbeitet werden. Auch sind die Datenflüsse unbekannt. Es besteht dadurch die Gefahr der Verletzung von Datenschutzvorschriften.
  • Insolvenz des Providers: Die Insolvenz eines Providers bedeutet meist nicht die Insolvenz aller Rechenzentren, die der Provider verwendet hat. Rechenzentren werden zudem bei Insolvenz mit großer Wahrscheinlichkeit an andere Provider verkauft werden. In allen diesen Fällen besteht das Risiko, dass Daten nicht vor unberechtigtem Zugriff geschützt sind.
  • Problematik der Subunternehmer: Ein weiteres Problem stellt die Auftragsweitergabe an Subunternehmer dar. Der Provider wird häufig Subunternehmer für bestimmte Leistungen verpflichten. In einer Public Cloud bleibt auch diese Komplexität dem Benutzer häufig verborgen (und soll ja nach der Philosophie des Cloud Computing verborgen bleiben). Daten können sich dann auf Computing-Ressourcen eines unbekannten Subunternehmers irgendwo in der Welt befinden.
  • Beschlagnahmung von Hardware: Eine Beschlagnahme von Hardware kann in allen Ländern erfolgen, in denen der Provider Computing-Ressourcen nutzt. Meist werden sich Daten des Auftraggebers auf beschlagnahmten Servern befinden. Logdaten auf Servern und Routern können Rückschlüsse auf die Geschäftstätigkeit des Kunden auch dann ermöglichen, wenn keine sonstigen Geschäftsdaten vorliegen.
  • Handel mit Ressourcen wird denkbar: Denkbar ist auch, dass Provider einen Handel mit ihren Ressourcen untereinander aufbauen und damit eine "Ressourcenbörse" realisieren. Auf dieser Börse werden Ressourcen zu einem bestimmten Preis angeboten. In Leistungsspitzen würde etwa der Preis pro CPU-Stunde auf der Börse höher gehandelt. Welche Konsequenzen dies für die Sicherheit der Daten haben kann, ist noch vollkommen unklar.
  • Erpressungsversuche: Die Gefahr von Erpressungsversuchen steigt, da der Personenkreis mit Administrationsaufgaben für Ressourcen der Public Cloud unüberschaubar groß ist. Das eingesetzte Personal verfügt im Allgemeinen über unterschiedliches Ausbildungsniveau und Sicherheitsbewusstsein. Auch sind die Motivationslagen der Mitarbeiter in vielen Ländern nicht kalkulierbar.
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