Mit Cloud, Big Data und Analytics aus der Krise

Die Story von Hewlett-Packard

11.06.2013 | von Christian Merten
Foto: Hewlett-Packard
Foto: Hewlett-Packard
Vom Anbieter für Messtechnik hat sich Hewlett-Packard (HP) zum IT-Konzern aufgeschwungen, der in Sachen Drucker, PC, Server, Software und IT-Services ein Gigant wurde. Doch fragwürdige Entscheidungen an der Konzernspitze haben HP in Bedrängnis gebracht. Lesen Sie hier eine Chronik der Ereignisse.
Hewlett-Packard (HP) durchlebt seit drei, vier Jahren sehr stürmische Zeiten. Das liegt nicht nur an Verschiebungen auf dem Markt und starkem Wettbewerb, sondern auch an der Sprunghaftigkeit sowie Fehlentscheidungen im Topmanagement und in der Unternehmensstrategie. Allerdings hat der Konzern seit seiner Gründung bereits erfolgreich eine respektable Metamorphose durchgemacht.

1939: In der Garage fing alles an

In der mittlerweile wohl berühmtesten Garage der Welt findet Hewlett-Packard 1939 seinen Anfang. Damals gründen Bill Hewlett und David Packard ihr Unternehmen und schrauben neben ihren eigentlichen Jobs in der Garage gleich auf dem Grundstück in Palo Alto, auf dem sie wohnen, einen Tongenerator zusammen. Sie legen damit unbewusst den Grundstein für das Silicon Valley, die vielbeachtete Hightech-Region in Kalifornien. Um den Namen für ihr Unternehmen werfen sie eine Münze. Hewlett gewinnt, weshalb sein Name vorangestellt wird. Damit steht der Name Hewlett-Packard, kurz HP, fest. Die Walt Disney Studios zählen zu den ersten Kunden und kaufen gleich acht Oszillatoren HP200B, um ein innovatives Tonsystem für den Film "Fantasia" zu entwickeln.

1957: Der Gang an die Börse mit Messtechnik

Schon ein Jahr später ziehen die beiden Ingenieure mit ihrem Unternehmen in ein 3000 Quadratmeter großes Fabrikgebäude. Sie beginnen, Geräte für die Prüf- und Messtechnik zu bauen. Von 1941 bis 1947 dient Hewlett als Offizier in der US-Army und Packard führt das Unternehmen alleine. In dieser Zeit macht er das Unternehmen zu einem anerkannten Spezialisten für Frequenzgeneratoren. Nach seiner Rückkehr übernimmt Hewlett den Posten des Vice President, Packard wird President der HP Inc. 1951 erfindet HP mit dem 524A ein Hochgeschwindigkeits-Frequenzmessgerät. Damit ist technisch die Grundlage für das Analysegeschäft gelegt. Fünf Jahre später baut das Unternehmen sein erstes Oszilloskop. 1957 geht HP an die Börse. Eine Aktie kostet 16 Dollar. (In Frankfurt wurde die HP-Aktie am 30. April 2013 für knapp 15,50 Euro gehandelt.)

1958: Einstieg ins Druckergeschäft

Im Jahr 1958 steigt HP mit dem ersten Unternehmenskauf, der Akquisition der F. L. Moseley Company, ins Geschäft mit Druckern ein. Im selben Jahr beginnt die Internationalisierung: In Genf wird eine Niederlassung gegründet, von der aus das Marketing in Europa vorangetrieben werden soll.

1959: Produktion in Deutschland

HP zieht in einer ehemaligen Strickwarenfabrik in Böblingen ein.
HP zieht in einer ehemaligen Strickwarenfabrik in Böblingen ein.
HP zieht in einer ehemaligen Strickwarenfabrik in Böblingen ein.
Foto: Google Maps
Die erste Produktion außerhalb der USA baut HP 1959 in Deutschland auf. Hier hat das amerikanische Unternehmen die meisten Kunden im europäischen Geschäft. Die Standortentscheidung für Baden-Württemberg ist angeblich eine Entscheidung gegen Bayern: In München soll ein Ministeriumsvertreter bei Gesprächen mit Bill Hewlett die bayerische Lebensart mit deftiger Brotzeit und Bier allzu sehr gelobt haben. Der Amerikaner war aber mehr an Produktivität als an Lebensgenuss interessiert und entschied sich deshalb für das als tüchtig und arbeitsam geltende Schwaben. HP zieht in einer ehemaligen Strickwarenfabrik in Böblingen ein und baut Sinusgeneratoren und Voltmeter nach Plänen der amerikanischen Muttergesellschaft. Das Geschäft entwickelt sich gut. Gerade einmal ein Jahr später zieht HP Deutschland in ein größeres Gebäude.

1962: Böblingen verantwortet das Softwaregeschäft

Der nächste Umzug steht im Jahr 1962 an: Über 150 Mitarbeiter ziehen in das HP-eigene Werk in der Herrenberger Straße, an der noch heute der Sitz der deutschen Tochter liegt. Im Jahr 1963 wächst die technologische Bedeutung der deutschen GmbH: Böblingen baut eine Entwicklungsabteilung auf. Ihr erster Auftrag: die Entwicklung von Netzgeräten. Bis heute ist der Standort in Baden-Württemberg nicht nur Vertriebs- und Produktionsstandort innerhalb des HP-Konzerns. Auch die konzernweite Verantwortung für das Softwaregeschäft liegt hier.

1966: Marktpremiere des ersten HP-Computers

Das erste HP Lab als zentrale Forschungs- und Entwicklungseinheit, in der neue Idee entwickelt und geprüft werden, öffnet 1966 die Pforten. Seinen ersten Computer bringt HP 1966 auf den Markt, den HP 2116A. Er ist nahezu kleiderschrankgroß und darauf ausgelegt, auch unter schwierigeren Umweltbedingungen arbeiten zu können.

1967: Einführung flexibler Arbeitszeiten

1967 zeigt HP Deutschland, dass das Unternehmen nicht nur technologisch an der Spitze stehen will und führt als internationaler Vorreiter flexible Arbeitszeiten ein. Stechuhren haben ausgedient, auch in der Produktion. In den USA führt HP ein solches Arbeitszeitmodell erst sechs Jahre später ein.

1968: Medizintechnik von Hewlett-Packard

Nach der Akquisition der Sanborn Company im Jahr 1961 ist HP in der Medizintechnik tätig. Auch in Böblingen gewinnt das neue Geschäftsfeld an Bedeutung. Hier entwickelt man nun auch für den Gesundheitssektor und liefert 1968 den ersten Kardiotokografen, einen Wehenschreiber, an Krankenhäuser aus. Das Thema Ton und Frequenzanalyse spielt immer noch eine große Rolle. So wird am Stuttgarter Flughafen ein von der HP GmbH entwickeltes Fluglärmüberwachungssystem installiert.
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