Gründe für die Absage an Freelancer

Unzuverlässigkeit ist das Aus für Freiberufler

18.03.2012 | von Christiane Pütter (Autor) 
Christiane Pütter ist freie Journalistin.
Foto: Gulp
Foto: Gulp
Kurz vor Projektstart springt der externe IT-Spezialist ab - das ist für neun von zehn Entscheidern ein Grund, den Freien nie wieder zu engagieren. Überhaupt richtet sich Kritik an Freelancern vor allem gegen deren Unzuverlässigkeit, wie die Projekt-Börse Gulp berichtet.
Der Markt meint es derzeit gut mit IT-Freelancern - was diese offenbar übermütig macht. Endkunden wie Projektanbieter klagen über Unzuverlässigkeit bei IT-Freien. Das geht aus einer Umfrage der Münchener Projektbörse Gulp hervor. Teilgenommen haben 107 Projektanbieter und 15 Einkäufer in Unternehmen.
Ursachenforschung: Wie freie IT-Fachleute laut Gulp ihre Kunden vergraulen.
Ursachenforschung: Wie freie IT-Fachleute laut Gulp ihre Kunden vergraulen.
Ursachenforschung: Wie freie IT-Fachleute laut Gulp ihre Kunden vergraulen.
Foto: Gulp
Die Autoren der Umfrage wollten wissen, aus welchen Gründen Entscheider die Zusammenarbeit mit einem IT-Freien für immer beenden würden. Hauptgrund für neun von zehn Befragte: Der Freie springt trotz Zusage kurz vor Projektstart wieder ab.
Fast ebenso viele, 81 Prozent, würden nie wieder einen Freelancer beauftragen, der das Projekt wegen eines attraktiveren Angebots abbricht. Mehr als jedem Zweiten (53 Prozent) reicht es schon, wenn der Externe einen Interviewtermin nicht einhält.

Alles kreist um Unzuverlässigkeit

Alle diese Punkte kreisen um das Thema Unzuverlässigkeit. Wie Gulp berichtet, tauchte dieses Stichwort auch unter dem Sammelbegriff "Anderes" auf. Hier konnten die Befragten freie Angaben machen - und nannten oft Unzuverlässigkeit, Nichteinhalten von Terminen und Nichteinhalten von Stundenabsprachen als Probleme mit Freien.
Diese Ergebnisse passen zu einer Einschätzung des Personalvermittlers Page Contracting. Director Gerd Schorn sagte bereits Ende vorigen Jahres, die Zuverlässigkeit der Freiberufler lasse nach. Ihm falle auf, dass Freie mündliche Zusagen machten und diese dann nicht einhielten. Irgendwann werde der Markt aber wieder schlechter - Freelancer sollten also ihren guten Namen nicht beschädigen.

Bedeutung der Stundensätze

Weitere Punkte in der Gulp-Umfrage beziehen sich auf das Geld und andere Angebote des Freien. Jeder dritte Entscheider würde keinen externen Partner mehr beauftragen, der während des laufenden Projektes den Stundensatz erhöhen will. IT-Freie sind auch dann aus dem Rennen, wenn sie beim Stundensatz keinerlei Verhandlungsbereitschaft zeigen - allerdings sind Projektanbieter in dieser Frage weit weniger empfindlich als die Einkäufer in den Unternehmen.
Kein Problem dagegen ist die gute Auftragslage der Freien, wenn offen darüber gesprochen wird. Sagt der Freelancer während der Verhandlungen ehrlich, dass er andere Angebote hat und sich für das Beste entscheiden wird, nehmen ihm das lediglich fünf Prozent der Befragten krumm.

Auch das Menschliche muss stimmen

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Der Faktor Mensch darf nicht unterschätzt werden. Etwa vier von zehn Entscheidern (39 Prozent) beenden die Zusammenarbeit, wenn der Externe mit den internen Kollegen nicht auskommt.
Fazit aus Sicht von Gulp: Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit helfen selbstständigen IT-Spezialisten, sich langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Das gilt aber für die andere Seite genauso - auch Projektanbieter und Unternehmen müssen sich an die Regeln halten.
Page Contracting spricht im Rückblick auf 2011 von einem Boomjahr für IT-Freie. Auch 2012 dürfte ein erfolgreiches Jahr werden, insbesondere auf den Feldern SAP und Java. (mje)
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation CIO.de.
'Karriere-Newsletter' bestellen!