ttt: Intel aktualisiert Roadmap

Vor 1000 Tagen: Das integrierte Timna-Design ist jetzt offiziell, Willamette erscheint doch erst 2000 mit mehr als 1000 MHz, und der Pentium III wird noch über 800 MHz erreichen - die Nachrichten sollten Aktionäre wieder fröhlich stimmen.

Diese Meldung erschien bei tecCHANNEL vor 1000 Tagen am 30.10.1999. Mit unserem neuen Service "Tausend Tage tecCHANNEL" (ttt) weisen wir noch einmal auf wichtige Entwicklungen der Vergangenheit hin und prüfen, was aus hochgelobten Trends und Technologien geworden ist.

In einer Donnerstag Nacht per Webcast übertragenen Konferenz bemühte sich Intel, Ruhe in die Gerüchteküche um neue Prozessoren zu bringen und die Anleger zu beruhigen. Entgegen anders lautenden Meldungen soll der nächste 32-Bit-Prozessor Willamette nicht mehr 1999, sondern erst in der zweiten Hälfte 2000 mit über einem Gigahertz vorgestellt werden. Bis dahin wird der Pentium III noch mit über 800 MHz erscheinen - auch als Xeon-Variante für Server mit größerem L2-Cache. Das schon lange als Gerücht kursierende Projekt "Timna", das zuletzt auf dem Microprocessor Forum von sich reden machte, wurde von Intel nun offiziell bestätigt. Der neue Chip besteht aus einem Celeron-Kern, um den sich ein Memory Controller, vermutlich für Direct Rambus, und eine Grafiklogik ranken. Den Begriff "System-on-a-chip", SoC, hört Intel dafür nicht mehr so gern, da Timna nicht nur hoch integriert, sondern auch schnell sein soll. SoC-Designs galten seit Cyrixens Media-GX-Versuch als lahme Krücken.

Intels aktualisierte Roadmap reicht bis ein Gigahertz. Das einzige wahrhaft neue Projekt darauf ist Timna.

Beine machen will Intel, laut der neuen Roadmap, auch den Notebooks, deren mobile Pentium-III-Prozessoren schon im ersten Halbjahr 2000 bis 700 MHz erreichen sollen - dann auch mit der neuen Stromspartechnologie SpeedStep. Noch nichts Neues ließ der 64-Bitter Itanium von sich vermelden - er kommt zwar ebenfalls in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres, aber mit welchen Taktfrequenzen, welchen Busprotokollen und in welchen Mehrprozessorkonfigurationen, wollte Intel immer noch nicht sagen.

Während der Veranstaltung, die sich auch als Aufzeichnung betrachten lässt, übte sich der ins Stolpern geratene Chipgigant sichtlich in Beschwichtigungstaktik. So hätte das Erdbeben in Taiwan kaum Einfluss auf Intels Geschäft gehabt, die Hersteller von "Non-Intel Chipsets" seien mit ihrer Produktion natürlich in Schwierigkeiten geraten. Die Intel-Chefs von Andy Grove, über Paul Ottelini und Sean Maloney bis zum CEO Craig Barrett wurden nicht müde zu betonen, wie viele der in diesem Jahr gegebenen Versprechungen man schon eingelöst hätte. Einzig beim Bedarf an manchen Komponenten habe man sich getäuscht, was aber auch bei den Vorhersagen von renommierten Marktforschern geschehen sei.

Die Veranstaltung erfüllte ihren Zweck vollkommen: Zur Mittagszeit des folgenden Tages war Intels Kurs an den US-Börsen um über sieben Prozent gestiegen. Die Aktie liegt damit fast wieder auf dem hohen Niveau, das sie vor dem Intel Developer Forum Ende August erreicht hatte. Die Scharte des verspäteten 820-Chipsatzes, die zu massiven Kursverlusten geführt hatte, dürfte damit bald ausgewetzt sein. (nie)

Vor allem AMDs überraschend schneller Athlon brachte diese Roadmap kräftig durcheinander. Dem Pentium III wurde trotz Skalierungsproblemen noch über 1 GHz abgerungen, derzeit ist er, allerdings nur für Server, mit 1,4 GHz lieferbar. Inoffiziellen Quellen zufolge lag die "design frequency" des P3 ursprünglich nur bei 800 MHz. Der "Willamette" ließ bis zum November 2000 auf sich warten, und erschien als "Pentium 4". Verspätungsweltmeister unter den CPUs war und ist jedoch der Itanium, der nach langer Pilotphase erst Mitte 2001 auf den Markt kam. (nie)