Office aus dem Web: Leihen statt kaufen

Kaum haben sich die Anwender daran gewöhnt, mit jeder neuen Office-Version ihre Hardware nachrüsten zu müssen, ist Umdenken angesagt. Die großen Softwarehersteller wollen die Funktionalität ihrer Boliden webbasiert anbieten. Ein einfaches Terminal genügt zum Arbeiten.

Mehrere Hundert MByte Plattenplatz belegen die großen Office-Pakete nach der Installation. Und egal, ob der Anwender nur eine Komponente nutzt oder alle: Er bezahlt immer den vollen Preis. Nun glauben einige Hersteller, diese Mankos durch einen neuen Ansatz überwinden zu können: Sie wollen die Funktionalität ihrer Büro-Suiten über das Internet anbieten. Die beschrittenen Wege sind dabei unterschiedlich: Microsoft setzt auf den Terminal Server, Sun auf Java-Applets, die im Browser ablaufen. Sun will den Dienst gratis anbieten, Microsoft möchte Geld sehen, hält sich aber mit Preisangaben vorerst noch zurück.

Vorreiter in Sachen Web-Office ist Sun. Der UNIX-Spezialist aus Palo Alto hat seit der Übernahme von StarDivision StarOffice im Angebot. Unmittelbar nach der Fusion gab man bekannt, dass dessen Einsatz nun auch im kommerziellen Bereich kostenfrei sei. Getreu dem Firmenmotto The network is the computer ist nun geplant, ein webbasiertes Modell der Bürosoftware anzubieten. StarPortal soll als Ergänzung zur Desktop-Version ebenfalls gratis sein.

Mit diesem Vorstoß kommt Sun eindeutig Erzrivale Microsoft ins Gehege. Dieser kann zwar auf beruhigende 90 Prozent Marktanteil im Bereich Office-Software blicken. Doch die Redmonder wollen das zukunftsträchtige Terrain gar nicht erst anderen überlassen. Im Gegenzug kündigten sie daher rasch ein webfähiges Office Online an. Schließlich hatte man zu Beginn des Internet-Booms dessen Möglichkeiten schon einmal unterschätzt. Und das Marktpotenzial für Internet-Leihsoftware ist beachtlich: Bereits 2002 sind in diesem Bereich mehr als elf Milliarden US-Dollar zu verdienen schätzen die Marktforscher von IDC.

Verschlafen haben beide Firmen, sich naheliegende Domain-Namen zu sichern. So harrt Starportal.com bis jetzt eines Besitzers, und auf Officeonline.com hat sich Adverlink mit einer virtuellen Shoppingmeile breitgemacht.

 Bild 1: Pech für Microsoft: Auf officeonline.com bietet bereits Adverlink eine virtuelle Einkaufswelt an.
Bild 1: Pech für Microsoft: Auf officeonline.com bietet bereits Adverlink eine virtuelle Einkaufswelt an.

Zumindest die Frage der Domain-Reservierung haben zwei kleinere US-Firmen schon gelöst. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit bieten Desktop.com und MyWebOS.com ihre Bürohelfer online an, befinden sich aber noch in der Betaphase. Doch die Offerten der beiden Newcomer erscheinen zurzeit wenig attraktiv: Kalender, Adressverwaltung, Notizzettel sowie eine kleine Textverarbeitung dürften kaum Anwender zum Umstieg verleiten.