Auch Chefs brauchen Mittagsschlaf

Mut zum Nickerchen

Wer mittags nur zwanzig Minuten die Augen schließt, ist deutlich produktiver und hat bessere Laune. Ein Plädoyer für die tägliche Siesta.

Ein Kollege tut’s nach dem Mittagessen. Die Müdigkeit setzt ein, die Lider werden schwerer, der Kopf sinkt nach unten und jede Bewegung kostet Mühe. Jeden Satz muss er drei Mal lesen, tippen geht ohnehin nicht mehr. Jetzt mal kurz die Augen schließen, das wär`s! Kurzerhand legt er sich mit seiner Isomatte unter den Schreibtisch. Gut, dass unser Kollege ein Einzelbüro hat.

Laut einer Emnid-Umfrage vor ein paar Jahren würde jeder dritte Deutsche gern mittags ein Nickerchen machen, nur haben sie kein Einzelbüro (oder wollen nicht an der Isomatte horchen). Aber für die meisten steht ein Mittagsschlaf völlig außer Frage, weil sie fürchten, als faul zu gelten. Allenfalls einen "Power Nap" würden sie vor Kollegen noch zugeben. Der Begriff bedeutet zwar nichts anderes als Mittagsschlaf, klingt aber nach Arbeit und Produktivität. Statt zu schlafen, ackern sich viele lieber durch das Konzentrationstal hindurch oder behelfen sich mit noch mehr Kaffee.

Besser als Kaffee

Auf den eigenen Körper hören und ein Nickerchen einzulegen wäre viel besser, als sich müde durch den Nachmittag zu schleppen. Das haben zahlreiche Studien bewiesen: Die Leistung nach einem Schläfchen steigt um etwa 35 Prozent, die Reaktionszeit verkürzt sich, die Mitarbeiter können sich länger und besser konzentrieren und machen dadurch weniger Fehler (eine Übersichtsstudie über die Vorteile finden Sie hier.).

Müde Manager machen Fehler: Auf dem Laptop schlafen ist allerdings keine gute Idee.
Müde Manager machen Fehler: Auf dem Laptop schlafen ist allerdings keine gute Idee.
Foto: Fotolia

Ein Schläfchen wirkt sogar besser als ein Energydrink, wie in einer Studie von 2008 herauskam. Hinterher sind wir wacher, fitter, entspannter und besser gelaunt. Die Entspannung lässt den Blutdruck sinken und möglicherweise verringert sich dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Umgekehrt gilt: Wer keinen Mittagsschlaf macht, hat ein höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken, ist schlecht gelaunt und reizbar, und macht mehr Fehler. Das bedeutet: Vor allem in stressigen Endphasen von Projekten, wenn alle wenig schlafen, sich aber gleichzeitig hochkonzentrieren müssen, wäre ein Nickerchen sinnvoll. Das muss nicht mal lang sein.

Maximal 20 Minuten

Schon sechs Minuten Schlaf bewirken, dass der Schläfer sich Sachverhalte besser merken kann. Länger als 20 Minuten sollte ein Mittagsschlaf nicht dauern. Sonst fällt der Schläfer in die Tiefschlafphase, aus der er sich nur schwer wieder befreien kann. Er entspannt sich zu sehr - das wiederum ist kontraproduktiv.

Auf Knopfdruck schlafen können nur die wenigstens. Augen zu, Hirn aus bedeutet für viele nur noch mehr Druck und Frust. Dabei muss man nicht unbedingt schlafen.

Schlafforscher meinen, dass es nicht darauf ankommt, dass der Mitarbeiter tatsächlich schläft, sondern dass der Ruhende sich entspannt - eben dass er kurz gedanklich abschaltet. Weil es darauf kommt, körperlich und geistig "runterzukommen", bringt es genauso viel, im Sitzen zu schlafen oder zu meditieren. Darauf setzt zum Beispiel die Firma BASF, die ihren Mitarbeitern "Power Napping"- Kurse anbietet.