Kampf der Normen

Seit Mitte der neunziger Jahre arbeiten Fachleute an Verfahren, mit denen sich Sprachanwendungen auf IP-Netze abbilden lassen. Neben den Standards der International Telecommunication Union sind hier die Ansätze der Internet Engineering Task Force zu beachten, etwa das Real-Time Transport Protocol und das Session Initiation Protocol.

Von: Kai-Oliver Detken

Im Jahr 1996 verabschiedete der "Telecommunication Standardization Sector" der ITU die Empfehlung H.323. Sie sollte Multimedia-Kommunikation über lokale Netzwerke ermöglichen, vor allem den Transport von Audiodaten in Echtzeit, sowie optional den Transfer von Videos und Daten bei Punkt-zu-Punkt- und Multipoint-Konferenzen. Zwei Jahre später folgte eine zweite Version, die für alle IP-Netze ausgelegt war: vom LAN über City-Netze bis hin zum Internet. Diese neue H.323-Empfehlung berücksichtigt auch Wählverbindungen und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen über General Switched Telecommunication Networks (GSTN), die paketvermittelte Transportverfahren wie das Point-to-Point Protocol (PPP) nutzen.

Diese können über paket-vermittelte TK-Netze, LANs oder ISDN angesprochen werden.

H.323 beschreibt die Komponenten und Verfahren, die zum Telefonieren über paketgestützte Netze notwendig sind. Zu den Komponenten zählen Terminals, Gateways, Gatekeeper, Multipoint-Controller und -Prozessoren (MP) sowie Multipoint Control Units (MCU). Die Mechanismen regeln unter anderem, auf welche Weise Verbindungen aufgebaut werden und sich die Kommunikation überwachen lässt. Weil dabei mehrere Protokolle mitspielen, etwa das Real-Time Transport Protocol der IETF oder ITU-Protokolle wie H.225.0 und H.245, wird H.323 auch als Protokollfamilie bezeichnet.