Analyse der Quartalszahlen

IBM-Zahlen enthüllen die Wahrheit über den Cloud-Markt

Die IBM hat ihre Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2013 vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen besser und plastischer als jede Marktprognose, mit welcher Geschwindigkeit und Intensität die Transformation in das Cloud-Computing-Zeitalter vonstatten geht.

Ginni Rommety ist wirklich nicht um ihren Job als Kapitän bei IBM zu beneiden. Zwar hat sich der große Tanker IBM in den letzten Jahren auf den richtigen Kurs begeben, allerdings muss man feststellen, dass die Stürme, die auf den IT-Meeren toben noch viel stärker ausfallen als die meisten geglaubt haben. Und so muss Rommety in immer kürzeren Abständen dafür Sorge tragen, dass sich die Reisegeschwindigkeit erhöht, um möglichst schnell wieder in ruhigere Gewässer zu kommen.

Dramatische Verschiebungen beim Umsatz

IBM-Zentrale in Armonk: Muss sich IBM von Ballast befreien?
IBM-Zentrale in Armonk: Muss sich IBM von Ballast befreien?
Foto: IBM

Aber erst mal zurück zum Zahlenwerk. Da kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Der unspektakuläre Teil ist sicherlich der Umsatzrückgang im vierten Quartal, als auch für das Gesamtjahr 2013 um rund fünf Prozent. Natürlich nicht erfreulich, in Anbetracht der Marktentwicklungen aber kaum verwunderlich. Wenn man aber die einzelnen Geschäftssparten betrachtet, wird deutlicher, welche tektonischen Verwerfungen im IT-Markt am Werke sind (siehe auch IBM-Chefin verzichtet nach trübem Jahr auf ihren Bonus).

Das Segment "Systems and Technology" hatte im vierten Quartal mit Umsatzrückgängen von 26 Prozent zu kämpfen. Das Wort Rückgang ist hier aber eigentlich viel zu harmlos. Desaster, Fiasko oder Waterloo wären wohl passendere Vokabeln. Das Geschäft mit der Hardware löst sich gerade in rasender Geschwindigkeit in Luft auf. Insbesondere das mit Servern. System Z (Mainframe): minus 37 Prozent. Power Systems: minus 31 Prozent. System X: minus 16 Prozent. Der Bereich Storage war mit einem Rückgang von 13 Prozent sozusagen noch eine Stütze des Segments.

Die Cloud ist doppelt verantwortlich für dieses Dilemma. Zum einen kaufen Endanwender immer weniger Hardware und setzen mehr und mehr auf Cloud- und Hosting-Modelle. Und zum anderen neigen die großen Anbieter von Cloud-Services dazu, ihre eigenen Architekturen zu nutzen und teils sogar eigene Hardware produzieren zu lassen, was für die traditionellen Infrastrukturanbieter wie IBM weitere Geschäftseinbußen bedeutet.

Cloud Umsatz wächst überproportional

Auf der anderen Seite hat IBM es fertiggebracht, den Umsatz im Bereich Cloud Computing um 69 Prozent auf rund 4,4 Milliarden US-Dollar zu steigern, was ungefähr doppelt so schnell ist wie das Wachstum des Gesamtmarktes. Und dennoch reicht es offensichtlich nicht aus, das zu kompensieren, was an anderer Stelle verloren geht.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Ankündigung zu bewerten 1,2 Milliarden Dollar in diesen Bereich zu investieren. Bei der derzeitigen Geschwindigkeit, mit denen sich die Märkte und Umsätze verschieben, stellt sich allerdings die Frage, ob das hinreichend ist.

Crisp Research geht davon aus, dass IBM in den kommenden zwölf Monaten noch weitere, große Zukäufe im Bereich Cloud Computing, wie zuletzt Softlayer, tätigen wird. Aber auch das Thema Desinvestment wird wohl wieder aktuell werden. IBM hat kein allzu großes Problem damit, wenn einzelne Sparten rückläufige Umsätze aufweisen. Wenn diese allerdings eine ernste Gefahr für die (immer ambitionierten) Gewinnziele darstellen, dann wird es schnell ernst. Und in stürmischer See war das Abwerfen von Ballast schon immer ein probates Mittel. (jha)