E-Kreide: FU Berlin entwickelt Multimedia-Tafel

Informatiker der Freien Universität Berlin haben mit dem Projekt E-Kreide die Kreidetafel in elektronischer Form wiederbelebt. E-Kreide soll über Java die Vorteile der Tafel mit den multimedialen Möglichkeiten eines Teleteaching-Systems verbinden.

Die Tafel besteht aus einem großformatigen, berührungsempfindlichen Plasmabildschirm, der an einen Computer angeschlossen ist. Funktionen und Steuerung übernehmen Java-Programme. Laut Mitteilung der FU Berlin kann auf dem Bildschirm geschrieben werden, indem man einen Stift direkt über das Display oder über ein Digitalisiertablett führt. Farben und Formate lassen sich einstellen. E-Kreide bietet Formelauswertung und Funktionsplot. Man könne damit etwa das Hexadezimalsystem erläutern und dann einen Taschenrechner aufrufen, der dazu Berechnungen ausführt. Zusatzprogramme lassen sich aus dem Internet laden.

E-Kreide im Browser: Studenten sehen und hören den Dozenten und folgen dem Vortrag auf der elektronischen Tafel.

E-Kreide soll nicht nur die herkömmliche Tafel ersetzen, sondern auch als Teleteaching-System eingesetzt werden, indem Tafelbild, Audio- und Videodaten als Streams gespeichert werden. Der Zuhörer kann den Vortrag dann mit einem Browser in Echtzeit abrufen. Derzeit kommt aber nur der Internet Explorer ab Version 5.5 (Mac und Windows) mit allen Streams gleichzeitig klar. Netcape und Mozilla haben wechselweise Probleme mit Audio und Video. Für Linux wird deshalb von den Programmierern ausschließlich der Appletviewer des IBM JDK 1.1.8 empfohlen.

Die drei Datenströme benötigen den Forschern zufolge derzeit mindestens ISDN mit Kanalbündelung (128 KBit/s). Um Bandbreite zu sparen, lässt sich das Videofenster schließen. Wer nur das Audiosignal (15 KBit/s) empfangen will, kommt mit einem Modem aus. Es soll auch möglich sein, das Tonsignal mit einem javafähigen Handy zu empfangen. Die Kurse können außerdem archiviert und später bei Bedarf aufgerufen werden.

Vorgestellt wird E-Kreide auf der LEARNTEC in Karlsruhe (noch bis 2. Februar) und auf der CeBIT. Die Forscher gehen davon aus, dass in Zukunft Bildschirme mit einer Diagonalen von 2 bis 3 Metern bei Konferenzen und im Unterricht eingesetzt werden. An der Freien Universität Berlin wurden bereits Vorlesungen mit dem System gehalten. Zurzeit wird daran gearbeitet, eine Handschrifterkennung zu implementieren. Damit können handgeschriebene Formeln von einem Computer-Algebra-System, etwa Mathematica, gelöst werden.(uba)