DDR-II kommt zuerst für Grafikkarten

Aus Kreisen der JEDEC ist zu hören, dass die Hersteller von Grafikprozessoren die vollständige Standardisierung von DDR-II nicht abwarten wollen. Stattdessen könnten die ersten Karten mit dem neuen Speicher noch 2002 erscheinen.

Dies berichtet der US-Dienst EBN unter Berufung auf Teilnehmer des letzten Meetings der JEDEC. Demnach drängen die Hersteller von Grafikchips auf eine schnelle Umsetzung des künftigen Standards in einer Form, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Anders als bei Speichermodulen für PCs stellt das Speicher-Interface auf Grafikkarten immer eine wenige Zentimeter lange Punkt-zu-Punkt-Verbindung dar. Es handelt sich dabei nicht um ein Bus-System, das mit verschiedenen Platinen-Layouts und Bestückungen klarkommen muss. Daher ist es heute schon möglich, das DDR-SDRAM beispielsweise beim GeForce4 Ti4600 mit effektiv 650 MHz zu betreiben. Auf Mainboards sind maximal 400 MHz DDR-Takt machbar, und auch das nur ohne den Segen der JEDEC.

Dass DDR-II wirklich zuerst für Grafikkarten erscheinen wird, belegt eine interaktive Präsentation von ATI zum Radeon 9700. Daraus stammt auch das folgende Bild, in dem DDR-II als Feature des Chips erwähnt wird.

Schon da: Der Radeon 9700 beherrscht DDR-II, die Chips dafür fehlen aber noch.

ATI bestätigte gegenüber tecCHANNEL, dass der Chip damit zurechtkommt. Da das Speicherinterface mit 256 Bit Breite aber ohnehin schon genug Bandbreite aufweisen würde, sei eine Implementierung von DDR-II vorerst nicht geplant. Damit bleibt NVIDIA als Hauptverdächtiger für das erste Produkt mit DDR-II-Speicher. Unbestätigten Informationen zufolge soll der kommende Chip "NV30" noch mit einem 128-Bit-Speicherinterface ausgestattet sein - da würde DDR-II für mehr Bandbreite durchaus Sinn machen. Doch noch schweigt sich NVIDIA zu den neuen Produkten aus.

Trotz der aktuellen Bestrebungen wird DDR-II für Mainboards wohl erst 2004 serienreif, wie der tecHistory zu entnehmen ist. (nie)