IT-Messe gestartet

CeBIT 2013 - Nachdenkliche Töne zur Eröffnung

Bundeskanzlerin Angela Merkel und EADS-Chef Tom Enders betonten die Bedeutung der ITK-Branche für Wirtschaft und Gesellschaft. Mit der Relevanz der Branche steige aber auch die Verantwortung.

"Die CeBIT ist eine Messe, auf der Wachstum und Zukunft für Europa geschaffen werden können", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zur diesjährigen CeBIT-Eröffnung. Europa sei vielleicht nicht der dynamischste Kontinent. Durch die Verschmelzung von IT und klassischer Industrie bestehe aber die Chance, weit nach vorne zu kommen. Dafür müssten jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Mit verschiedenen Initiativen sei man auf dem richtigen Weg. "Wir brauchen eine Gründungskultur", forderte die Bundeskanzlerin. "Am besten nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Europäischen Union."

Bundeskanzlerin Angelaq Merkel eröffnete am Montagabend die CeBIT 2013
Bundeskanzlerin Angelaq Merkel eröffnete am Montagabend die CeBIT 2013
Foto: Wyrwa

Merkel verhehlte nicht, dass es zuletzt auch Rückschläge gegeben habe. Die Kanzlerin spielt dabei auf die jüngsten Beschlüsse zur Besteuerung von Startup-Investoren an, die erst Ende Februar den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat passiert hatten.

Die promovierte Physikerin fühlt sich durch die diesjährige CeBIT an ihre Forschungsjugend erinnert. "Wenn wir heute von Industrie 4.0 sprechen, habe ich den Eindruck, dass wir wieder an die Anfänge zurückkehren." Standen in den vergangenen Jahren bestimmte Einzeltechnologien im Mittelpunkt des CeBIT-Interesses, gehe es in diesem Jahr um die gesamte Industrie. "Das Internet hat sich in der realen Industrie-Welt eingenistet", stellt Merkel fest. Nachdem die CeBIT vor einem guten Vierteljahrhundert aus der Hannover Messe hervorgegangen sei, gebe es vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft wieder einen Zusammenschluss beider Messen, spekulierte die Bundeskanzlerin mit einem Augenzwinkern.

Spotify statt Plattensammlung

Bitkom-President Dieter Kempf betonte indes die Eigenständigkeit und Einzigartigkeit der IT. Gerade das diesjährige CeBIT-Motto Shareconomy mache deutlich, welchen Einfluss IT auf das Leben und Arbeiten der Menschen habe. Der Trend führe weg von einer Ökonomie des Besitzens hin zu einer Ökonomie des Teilens: "Kein Jugendlicher besitzt heute noch eine Plattensammlung." Heute habe man ein Spotify-Abo und höre "was man will, wann man will und wo man will". Diese Veränderungen würden sich bald durch eine Vielzahl von Lebensbereichen ziehen. "Wie Pilze schießen solche neuen Geschäftsmodelle aus dem Boden", stellte der Bitkom-Präsident fest. "Sharing wird zum Lifestyle."

Bitkom-Präsident Dieter Kempf bei seiner Rede zur CeBIT-Eröffnung
Bitkom-Präsident Dieter Kempf bei seiner Rede zur CeBIT-Eröffnung
Foto: Wyrwa

Diese Macht der Verbraucher wirke sich auch auf die Wirtschaft aus. Kunden teilten ihre Erfahrungen über Produkte und Unternehmen - und entschieden so über Erfolg und Misserfolg. Kempf mahnte auch Reformen an. Der bestehende Rechtsrahmen passe in mehrfacher Hinsicht nicht mehr in das neue IT-Zeitalter: "Shareconomy braucht neue Ansätze." Davon hängt für den Bitkom-Präsidenten auch maßgeblich der Erfolg der gesamten Wirtschaft ab: "Die IT stößt das Tor in eine neue Welt auf." Sie sei Impulsgeber und Katalysator für viele Branchen, vom Gesundheitswesen bis hin zu den Energieversorgern.

Thomas Enders, CEO von EADS, bestätigt die Bedeutung der IT für seine Branche, mahnte aber auch Verbesserungen an. Als Beispiel nannte der Manager den Mars Rover "Bridget". Die Maschine stelle zwar keine Geschwindigkeitsrekorde auf, könne aber in der Erforschung des viele Millionen Kilometer entfernten Planeten selbständig Entscheidungen treffen. Die Technik, die das ermögliche, werde aber in ein paar Jahren, wenn Bridget den Mars 2018 wieder verlässt, veraltet sein. Diese Lücken im Innovationsprozess zu verkleinern, müsse vorrangige Aufgabe für IT und Anwender sein.

Gruppenbild mit Damen auf der CeBIT-Eröffnung
Gruppenbild mit Damen auf der CeBIT-Eröffnung
Foto: Wyrwa

"Die IT hilft uns", stellte Enders grundsätzlich klar. "Verstehen Sie mich bitte nicht falsch." Die Luft- und Raumfahrt könne jedoch ein noch viel größerer Markt für die IT sein. "Wir brauchen für unsere Entwicklungen eine sichere, verlässliche IT-Grundlage: Wenn in einem Softwareprogramm in einer Codezeile ein Fehler steckt, dann startet man das Programm neu. Das geht bei einem Flugzeug nicht. Hier geht es um Menschenleben."