Aufsicht über freie Märkte

Regulierung ist eine zweischneidige Sache: Mindestens ein Beteiligter ist immer unzufrieden. Die Kontrolle der Ex-Monopolisten und der Wettbewerber schafft aber erst die Grundlage für freie Märkte.

Von: Andreas Th. Fischer

Weitgehend freie Telekommunikationsmärkte sind keine Selbstverständlichkeit. Heutzutage wird das gerne vergessen. Bis weit in die Achtzigerjahre hinein kontrollierten die meisten Länder das lokale Fernmeldewesen streng. Praktisch die gesamte TK lag in den Händen staatlich kontrollierter Konzerne, deren Aufgabe eine Grundversorgung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Telediensten war. Erst vor knapp 20 Jahren - 1982 - deregulierten die USA die Telekommunikation mit der Zerschlagung von AT&T. Damals teilten die US-Politiker den amerikanischen Telefongiganten in die Bereiche Orts- und Ferngespräche auf. Innerhalb von nur zwei Jahren musste sich der ehemalige Monopolist von 22 Telefongesellschaften trennen. Die da-raus entstandenen "Baby Bells" machten sich in der Folge auf die Suche nach neuen Einnahmequellen im In- und Ausland. Der Wettbewerb im TK-Markt war geboren.

Zwischen 1998 und 2001 hat sich die Zahl der Verbraucheranfragen an die Regulierungsbehörde mehr als verdoppelt.

In den folgenden Jahren zogen andere Länder nach: Großbritannien 1984, Japan 1985 und schließlich Deutschland 1989 beziehungsweise 1995 (Privatisierung der Deutschen Bundespost). An den prunkvollen Börsengang der Deutschen Telekom 1996 können sich sicher noch viele Anleger erinnern. International gesehen, erfolgte die Deregulierung in der Bundesrepublik allerdings zu spät. "Aufgrund der raschen Liberalisierung in den USA ist es nicht verwunderlich, dass zwei Drittel der größten Netzbetreiber der Welt amerikanische Unternehmen sind", sagt Volker Wirsdorf, Fachreferent Telekommunikation und Senior Commercial Specialist am US-Generalkonsulat in Frankfurt. Auch James Q. Crowe, President und CEO von Level 3 Communications sagt, dass die "Zerschlagung von AT&T eine der wesentlichen Ursachen für die heutige Stärke Amerikas auf den globalen TK-Märkten ist".

Hier zu Lande ist die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) für Liberalisierung und Aufsicht des deutschen TK-Markts zuständig. Die Behörde wurde 1998 gegründet und untersteht dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Zu ihren Aufgaben gehört es, die immer noch marktbeherrschende Stellung der ehemaligen Monopolunternehmen Deutsche Telekom und Deutsche Post zu kontrollieren und den neuen Wettbewerbern zur notwendigen "Chancengleichheit" zu verhelfen. Ferner hat der derzeitige RegTP-Präsident Matthias Kurth dafür Sorge zu tragen, dass die "Dynamik im deutschen TK-Markt nicht zum Erliegen kommt".

Die Behörde sieht sich nach eigener Aussage dabei selbst als "Anwalt der Verbraucher". Diese Rolle auch in der Öffentlichkeit wahrzunehmen, fällt nicht immer leicht. Erst vor wenigen Monaten erregten sich die Gemüter über eine durch die RegTP ausgelöste Erhöhung der "T-DSL"-Gebühren (Digital Subscriber Line) durch die Telekom. Den Wettbewerbern war dieser Aufschlag nicht hoch genug, sie argumentierten, dass die Telekom T-DSL noch immer unter den eigenen Kosten anbiete. Auf der anderen Seite gingen die Endkunden auf die Barrikaden, denen nur schwer zu erklären war, warum etwas teurer werden sollte, damit es später wieder billiger wird.