Aufbruch in eine neue Welt

Mit 10-Gigabit-Ethernet schickt sich eine Technik an, in den Weitverkehrsbereich einzudringen, die ursprünglich nur im lokalen Netz zu Hause war. Vor allem in Metropolitan Area Networks soll 10GE zum Zuge kommen. Das Problem dabei: Dort trifft der Newcomer auf bewährte Übertragungsverfahren wie ATM und Sonet/SDH.

Von: Bernd Reder

Es ist bemerkenswert, in welchem Tempo die Standards für die jeweils nächste Generation von Ethernet durch die Normierungsgremien "gepeitscht" werden: Die 1-Gigabit-Ethernet-Spezifikation entstand zwischen 1996 und 1999; die Variante mit 10 GBit/s soll 2002 verabschiedet werden, und für 2005 beziehungsweise 2006 steht gar eine Norm für Ethernet mit 100 GBit/s auf der Tagesordnung. Und nun wollen einige Unternehmen den "Netzwerk-Veteran" auch noch als Lösung für die "Letzte" beziehungsweise "Erste Meile" etablieren. Auf dem letzten Treffen der Gruppe 802.3 des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) im November vergangenen Jahres formierte sich eine entsprechende Studiengruppe. In der nächsten Ausgabe stellen wir Details dazu vor.

Seine Hauptbestandteile sind neben dem Sonet-Transportnetz Multiplexer und ATM-Switches.

Mit 10-Gigabit-Ethernet (10GE) wird diese Technik erstmals das LAN oder den Campus verlassen und in Neuland vorstoßen, das bislang von traditionellen Telekommunikationstechniken wie Sonet/ SDH und ATM beherrscht wurde: Citynetze (Metropolitan Area Networks) und den Weitverkehrsbereich. Dass 10GE in MANs überhaupt eine Chance eingeräumt wird, sich gegen die etablierten Verfahren zu behaupten, hängt mit neuen Arten von Applikationen zusammen, die im Citynetz der Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Vereinfacht gesagt: Statt Sprachinformationen werden dort Daten dominieren.

Hier einige Beispiele für solche datenintensiven Anwendungsfelder:

- Die Verknüpfung von geografisch verteilten LAN-Segmenten in einem Corporate Network,

- die Verbindung von Backend-Servern beziehungsweise Server-Farmen,

- Leitungen mit hohen Datenraten, die Server innerhalb von Points of Presence (PoPs) oder PoPs miteinander verbinden,

- die Übertragung von Echtzeitdaten, etwa Video- und Audiostreams; das MAN als Bindeglied zwischen lokalen Netzen und Wide Area Networks darf in diesem Fall nicht zum Flaschenhals werden,

- das Outsourcing von IT- und Telekommunikationsdiensten sowie

- das Application-Service-Providing.

Dank dieser Applikationen wird der Bedarf an Bandbreite in Citynetzen in den nächsten Jahren drastisch zunehmen. Gefördert wird diese Entwicklung durch den Trend zu Techniken auf der "Letzten Meile", die für deutlich höhere Datenraten als ISDN ausgelegt sind, etwa Digital Subscriber Line (DSL) oder "Wireless Local Loop". Ein weiterer Faktor, der die Evolution von MANs maßgeblich mitbestimmt, ist die Konvergenz unterschiedlicher Dienste. Beispiele dafür sind IP-Telefonie und Streaming Media. Mit Hilfe solcher Services können sich Carrier sowie Internet- und Application-Serviceprovider voneinander differenzieren und Alleinstellungsmerkmale entwickeln.

Für die MAN-Infrastruktur heißt das unter anderem, dass sie Funktionen bereitstellen muss, mit denen sich Bandbreite kontrollieren und in möglichst kleine "Häppchen" aufteilen lässt. Wünschenswert ist außerdem ein "Traffic Engineering", um unterschiedliche Service-Klassen anbieten zu können, etwa für zeitkritische Daten wie Sprache und Videos. In IP- beziehungsweise Ethernet-Netzen lässt sich das mit Hilfe von Techniken wie Multiprotocol Label Switching (MPLS) oder Differentiated Services (Diffserv) erreichen.