AOL deaktiviert Windows-Nachrichtendienst

AOL hat in den USA einen aggressiven Schritt gegen die Nutzung des Windows-Nachrichtendienstes durch Spam-Versender unternommen. Der weltgrößte Provider schaltet den im Betriebssystem verankerten Dienst per Software-Update ab, ohne dem Benutzer eine Wahl zu lassen.

Einem Bericht unserer Schwesterpublikation PC World zufolge hat AOL in der Vergangenheit eine große Zahl von Beschwerden über die aufpoppenden Windows-Nachrichten-Fenster erhalten. Ein AOL-Feature, dass Pop-ups stoppen soll, versagte bei der Microsoft-Technologie für den Windows-Dienst. Andrew Weinstein, ein US-Sprecher von AOL, zieht zur Rechtfertigung der Deaktivierung des Dienstes zusätzlich eine Sicherheitslücke im Windows-Nachrichtendienst heran, über die durch einen Buffer-Overflow der Zielrechner übernommen werden kann.

Vor zwei Wochen hat AOL laut Weinstein begonnen, den Dienst abzuschalten. Loggt sich ein Benutzer im AOL-Netzwerk ein, überprüfe man, ob der Dienst aktiviert sei, sagte Weinstein gegenüber der PC World. Sei dies der Fall, deaktiviere AOL den Dienst. Dies sei bereits bei 15 Millionen AOL-Benutzern geschehen, weitere fünf Millionen sollen folgen. Der Nachrichtendienst des Betriebssystems ist nicht identisch mit dem Windows Messenger.

Nachrichtendienst: Microsoft hat den Nachrichtendienst in der Systemsteuerung versteckt.

Die AOL-Aktion wird von Sicherheitsexperten in den USA als zweischneidiges Schwert angesehen. Zum einen stelle der Dienst ein Sicherheitsrisiko dar, zum anderen sei es äußerst fragwürdig, einen Dienst ohne Rückfrage beim Benutzer zu deaktivieren. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob ungefragt Einstellungen am PC eines Dritten vorgenommen werden dürfen, könnte der ein oder andere Benutzer den Dienst ja verwenden. Laut AOL-Sprecher Weinstein hat sich eine ethische Dimension der Abschaltung für AOL nicht ergeben, weil der Dienst die Nutzung des AOL-Services einschränke und ein Sicherheitsrisiko darstelle. Es habe nur sehr wenige Benutzer gegeben, die eine erneute Aktivierung gefordert hätten, sagte Weinstein, aber eine Masse von dankbaren Usern.

Im Artikel XP-Dienste aufräumen erfahren Sie mehr zum Thema. (uba)