.xxx: Neue Domain als "Rotlichtbezirk im Internet"

12.10.2005
Mit der neuen Domain will die Internet-Organisation ICANN eine klar identifizierbare Region für Sex-Inhalte schaffen. Jugendschützer sind skeptisch, ob es gelingt.

Neben ".de", ".com" oder ".net" werden in Kürze weitere Adress-Endungen an den Start gehen. Wann genau, ist noch nicht klar - wahrscheinlich wird es Ende des Jahres so weit sein. Die deutschen Registrare allerdings haben weder Nachfrage noch Pläne, Adressen mit dieser Domain zu verkaufen. "Nachdem die ICANN die neue Domain erst beschlossen hat, wird noch etwas Zeit vergehen, bis wir diese den Endkunden anbieten werden", sagt Carsten Zorger, Sprecher des Registrars Strato in Berlin.

Das Prozedere wird für die Sex-Domain dasselbe sein wie für alle anderen Adressen: "Das funktioniert wie bei ".com" und allen anderen generischen Toplevel-Domains", sagt Klaus Herzig, Sprecher der zentralen deutschen Vergabestelle Denic. "Die Domains können bei allen Registraren gekauft werden, die akkreditiert sind."

Die ICANN verbindet mit der Domain für Sex-Inhalte die Hoffnung, "eine klar identifizierbare Region im Internet schaffen, die Familien in die Lage versetzen wird, Kinder und andere vor unangemessenen Inhalten zu schützen", heißt es in einem Papier der Verwalter.

Jugendschützer sind skeptisch

Jugendschützer in Deutschland allerdings sehen das etwas anders. "Das kann nur funktionieren, wenn sich die Anbieter auch daran halten", sagt Andrea Urban, Leiterin der Landesstelle Jugendschutz (LJS) Niedersachsen in Hannover. Da die Angebote der Erotikanbieter aber kommerziell sind und darum möglichst viele User erreichen sollen, müssen sie an allen Stellen des Netzes vertreten sein. "Diese Seiten wollen gefunden werden", sagt Christoph Salzig, Sprecher des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) in Köln.

"Wenn Programme alle Seiten herausfiltern, haben die Anbieter keine Überlebenschance mehr", sagt Sabine Frank, Geschäftsführerin des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter (FSM) in Berlin. Daher sei es unwahrscheinlich, dass man nicht mehr über zwielichtige Seiten im Netz stolpert, sobald die ".xxx"-Endung in Betrieb ist. "Die Domains dienen ja nur als Orientierungs- und Strukturhilfe im Netz", gibt Salzig zu bedenken.

Doch auch wenn die Anbieter eindeutiger Inhalte weiterhin versuchen werden, über möglichst normale Adressen an Kunden zu kommen, kann zumindest das Angebot unter ".xxx" durch Filter-Software Kindern unzugänglich gemacht werden. "Für Jugendschutzprogramme ist das sinnvoll und positiv", sagt Frank. Denn eine ganze Domain zu sperren, ist auch für Eltern einfach, die sich nicht so gut im Netz auskennen. Salzig hält es dennoch für notwendig, dass Eltern mehr Medienkompetenz an den Tag legen: "Die Erziehungsberechtigten müssen auch wissen, wo's lang geht." (PC-Welt/uka)

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