Software Defined Data Center und End User Computing

VMware-Produktoffensive: Virtuelle Desktops und Data Center im Wandel

16.10.2014 von Bernhard Haluschak
VMware hat auf der europäischen VMworld 2014 in Barcelona zahlreiche neue Produkte und Services rund um das Software Defined Data Center (SDDC) und virtuelle Desktops vorgestellt.

Auf seiner Hausmesse VMworld 2014 in Barcelona hat VMware neue Produkte rund um die Themen Virtualisierung und Cloud präsentiert. Zwar hat der Hersteller von Virtualisierungslösungen bereits auf der VMworld 2014 in San Francisco durch zahlreiche Produktankündigungen auf sich aufmerksam gemacht, doch einige Highlights sparte sich VMware für das europäische Pendant auf.

Die diesjährige VMworld stellte der Virtualisierungs- und Cloud-Spezialist unter das Motto "No Limits". Passend zu diesem Slogan präsentierte VMware zahlreiche Produkte und Updates für das Software Defined Data Center (SDDC). Um das steigende Datenaufkommen im Rechenzentrum (RZ) zu bewältigen, rückt das Software Defined Data Center mehr und mehr in den Fokus der IT-Verantwortlichen. Denn das SDDC ermöglicht es, alle Funktionseinheiten eines Rechenzentrums wie Server, Netzwerk, Storage und Management zentral per Software flexibel zu verwalten. Die Hardwareschicht im RZ ist zwar immer noch ein wichtiges Element, doch der darüberliegende Software-Layer übernimmt immer mehr die Hauptaufgaben einer zentralen Steuereinheit.

VMware vereinfacht das Cloud-Management

Auf der anlässlich der US-VMworld bereits vorgestellten VMware vRealize Suite bündelt VMware Managementkomponenten, um IT-Infrastrukturen und Applikationen in einer Hybrid Cloud zu verwalten. Die Suite unterstützt Hybrid und Public Clouds, Multi-Hypervisor-Lösungen sowie physische Infrastrukturen. Auf der VMworld 2014 in Barcelona erweiterte VMware die Suite um folgende Komponenten:

In der VMware vRealize Suite Version 6.0 hat der Hersteller neue Funktionen integriert und einige Module überarbeitet.

Der vRealize Operations arbeitet laut VMware bis zu acht Mal schneller als die Vorgängerversion. Dabei nutzt das Tool Predictive Analytics und Policy-basierte Automatismen. In der neuen Version integrierte VMware erweiterte analytische Funktionen, verbunden mit einem intuitiven Warnsystem, sodass Störungen rechtzeitig automatisch vom System erkannt und dem Nutzer Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Darüber hinaus beinhaltet die Software Funktionen zur Kapazitäts- und Projektplanung, die vSphere nicht bietet. Damit lassen sich vorhandene Ressourcen optimal nutzen beziehungsweise auf den künftigen Bedarf ausrichten und Service Level Agreements (SLAs) planen. vRealize Operations richtet sich in erster Linie an Großunternehmen sowie an SMBs.

Die VMware IT Business Management Suite heißt ab sofort VMware vRealize Business und ist in der Version 6.0 verfügbar. Mithilfe dieser Software lassen sich Kosten besser planen. Die neue Version beinhaltet Preisanalysen, die dazu dienen, Budgets für Infrastruktur-Services besser planen zu können. Darüber hinaus hat VMware auch die Versionen vRealize 8.2 Advanced und Enterprise angekündigt.

Mit dem VMware vRealize Automation 6.2 (ehemals VMware vCloud Automation Center) lassen sich IT-Services und Anwendungen automatisch verteilen. In der neuen Version hat der Hersteller das Cloud-Lifecycle-Management durch die Integration von analytischen Funktionen und intelligenter Überwachung der IT-Infrastruktur während der Laufzeit integriert. So lassen sich richtliniengesteuerte Anwendungen aufsetzen, die sich eigenständig kontrollieren und bei Bedarf nicht genutzte Ressourcen wieder freigeben.

Zusätzlich unterstützt das Tool jetzt die NSX-Technologie. Damit lassen sich entsprechende virtuelle Netzwerke überwachen und Ressourcen wie Load Balancer und Sicherheitsrichtlinien automatisch verwalten.

Das Echtzeit-Log-Management wurde mit VMware vRealize Log Insight 2.5 (vormals VMware vCenter Log Insight) ebenfalls überarbeitet. Das Tool stellt eine leistungsfähige Suche sowie Fehleranalyse zur Verfügung und unterstützt eine gewisse maschinelle "Lernfähigkeit" beziehungsweise "Intelligenz" auf Basis der vom System gesammelten Daten. VMware vRealize Operations erlaubt es jetzt IT-Verantwortlichen, strukturierte und unstrukturierte Daten für das End-to-End-Operations-Management zu kombinieren und zu analysieren, um die IT-Performance zu optimieren. Die neue Version verfügt erstmals über rollenbasierte Zugriffskontrollfunktionen.

Flexibel: In der VMware vRealize Suite bündelt VMware Managementkomponenten, um IT-Infrastrukturen und Applikationen in einer Hybrid Cloud zu verwalten.

Ein weiteres Novum ist die Ankündigung der Beta-Version von VMware vRealize Air Compliance. Dabei handelt es sich um eine Compliance-Lösung, die als Software-as-a-Service (SaaS) für das Software Defined Data Center (SDDC) angeboten wird. Mit dieser Portfolioergänzung können IT-Verantwortliche ihre vSphere-Umgebungen hinsichtlich Sicherheitsvorschriften und Compliance-Anforderungen überprüfen und beurteilen.

VMware vRealize Code Stream 1.0 zielt darauf ab, Software-Release-Prozesse zu automatisieren und damit zu beschleunigen. So könne Dev- und Ops-Teams per zentralem Dashboard den Entwicklungsprozess von Software-Releases überwachen und steuern. So lassen sich beispielsweise Lösungen auf Basis von Tools wie Jenkins, Bamboo, Git oder Subversion entwickeln, die zuerst in einer Public Cloud laufen. Diese Lösungen können später in einer sicheren, hochverfügbaren Produktionsumgebung in der Private Cloud bereitgestellt werden.

End User Computing mit VMware Horizon Flex

Auch das Portfolio rund um das End User Computing hat VMware aufgefrischt. Mit VMware Horizon Flex stellt der Hersteller eine Enterprise-Lösung vor, mit der Unternehmen lokale, Windows-basierte, virtuelle Desktops für Mitarbeiter zur Verfügung stellen und verwalten können. Die IT-Abteilung ist mit dieser Offerte in der Lage, externen Mitarbeitern (Mac- und PC-)Zugriff auf einen sicheren Unternehmens-Desktop zu ermöglichen. Dabei werden laut Hersteller alle notwendigen Sicherheits- oder Compliance-Anforderungen erfüllt.

VMware Horizon Flex bietet folgende zentrale Funktionen:

Flexible Bereitstellungsoptionen: PC oder Mac-Anwendern können standardisierte virtuelle Desktops über das Unternehmensnetzwerk oder lokal auf einem USB-Laufwerk bereitgestellt werden.

Zentrale Steuerung: Ein zentrales richtlinienbasiertes Management erzeugt eine sichere virtuelle Desktop-Umgebung, die Datensicherung, Konfigurationen und virtuelle Festplatten unterstützt.

Einheitliches Image-Management: Virtuelle Desktops können als eine Gruppe logischer Schichten von der IT oder dem Endnutzer verwaltet werden.

Kostensenkungen in der IT: Indem Mitarbeiter das System ihrer Wahl nutzen können, werden der Trainingsbedarf reduziert und die Einarbeitungszeit verkürzt. Zudem fallen die Kosten für zusätzliche physische Laptops weg.

Interoperabilität mit AirWatch: Die Nutzung von AirWatch OS X Management ermöglicht die Bereitstellung und Verwaltung von Mac-OS-X-Geräten, einschließlich der Konfiguration von VMware Fusion und der Installation von Desktop-und Anwendungs-Containern.

Universell: VMware Horizon Flex ist eine Enterprise-Lösung, mit der Unternehmen lokale, Windows-basierte, virtuelle Desktops für Mitarbeiter auf Mac oder PC bereitstellen und verwalten können.

Die VMware-Horizon-Familie offeriert der Virtualisierungsspezialist in drei verschiedenen Versionen:

VMware Horizon Flex ist eine lokale Lösung mit zentralen Steuerelementen, die eine Bereitstellung von virtuellen Windows-Desktops für Mac- und PC-Anwender ermöglicht.

VMware Horizon 6 ist eine Lösung für das Rechenzentrum, die auf einer einzigen integrierten Plattform veröffentlichte Anwendungen und virtuelle Desktops bereitstellt.

VMware Horizon Air ist eine Cloud-Lösung, die kostengünstige virtuelle Desktops für Unternehmen bietet.

Zusätzlich hat VMware neue Services in sein End-User-Computing-Portfolio aufgenommen, um die Einführung und Bereitstellung von virtualisierten Desktop-Systemen zu vereinfachen:

• VMware Horizon DaaS wurde in VMware Horizon Air Desktop umbenannt. Darüber hinaus plant VMware die Ausweitung des Hosted-Cloud-Services auch in Frankreich und Deutschland.

• VMware Horizon Air Desktop DR ist ein neuer Service, der Unternehmen den einfachen Schutz ihrer Infrastruktur erlaubt und einen unterbrechungsfreien Betrieb über die Cloud gewährleistet. Im Katastrophenfall ermöglicht die IT den Nutzern eine schnelle Wiederaufnahme des Betriebs über die Cloud. Dadurch werden Desktop-Disaster-Recovery-Lösungen überflüssig.

• Die Cloud-Volumes-Lösung wurde in VMware App Volumes umbenannt. Sie bietet eine neue Integration von VMware Horizon 6 und VMware Workspace Suite. Die Lösung stellt Applikationen für virtualisierte Desktops von VMware oder Drittanbietern bedarfssynchron bereit.

• Die neue Version von VMware Horizon Fast Track 2.0 hilft Anwendern, die Einführung und Bereitstellung von virtuellen Desktops zu beschleunigen, indem sie Zugang zu validierten Partnern, Referenzarchitekturen und konvergenten Anwendungen gewährt.

VMware Horizon Flex will Hersteller noch in diesem Quartal zu einem Preis von 250 US-Dollar pro Endgerät anbieten. VMwares Horizon-Air-Desktop-Services sind in Frankreich und Deutschland ab dem ersten Quartal 2015 verfügbar. Die monatliche Lizenz ist pro Desktop ab 5 US-Dollar erhältlich. VMware App kostet ab 150 US-Dollar pro Concurrent User und soll noch dieses Quartal auf den Markt kommen. Dagegen wird VMware App Volumes kostenlos in VMware Horizon Enterprise inkludiert sein.

VMware vCloud Air aus deutschem Rechenzentrum

Um den vCloud-Air-Service (vormals Hybrid Cloud Service) auch in Deutschland und in Europa weiter zu etablieren, will VMware ab Q1 2015 diesen Dienst aus einem Rechenzentrum in Deutschland betreiben und anbieten. Als Standort gab das Unternehmen Frankfurt an.

Lokales RZ: VMware bietet den VCloud Air Service auch aus einem deutschen Rechenzentrum an.

Demzufolge sollen auch alle deutschen und europäischen Richtlinien in Hinblick auf Compliance erfüllt werden. Gleichzeitig legte VMware seine Pläne für sein Early-Access-Programm "VMware vCloud Air Virtual Private Cloud OnDemand" offen. Damit soll es den Kunden möglich sein, zum Beispiel einfach per Kreditkarten den vCloud-Air-Service in Anspruch zu nehmen, um dann mit wenig Aufwand eine Private Cloud aufzubauen und zu nutzen. Dabei wird nur für die tatsächlich in Anspruch genommenen Services bezahlt.

Das vCloud-Air-Angebot von VMware soll es Channel-Partnern ermöglichen, ihren Kunden Hybrid-Cloud-Lösungen schmackhaft zu machen. Dabei betont VMware, dass Distributoren, Lösungsanbieter und OEM-Partner vCloud Air auf die gleiche Art und Weise verkaufen können wie andere Produkte aus dem VMware Portfolio. (hal)