Doppelte Leistung mit A6X

Tablet-Test: Apple iPad 4 mit iOS 6 und Retina-Display

06.11.2012 von Christian Vilsbeck
Apple preist mit dem iPad 4 eine aktualisierte Variante seines 9,7-Zoll-Tablets an. Die neue A6X-CPU soll die Performance und Grafikleistung verdoppeln. Außerdem gibt es den Lightning-Anschluss, besseren LTE-Support und Facetime HD. Im Test vergleichen wir das iPad 4 mit dem iPad 3 und iPad mini.

Rund acht Monate nach der Vorstellung des iPad 3 mit Retina-Display gibt es bereits die vierte Generation von Apples Tablet. Die Verwunderung war groß, üblicherweise gab es eine neue Version im Jahresrhythmus. Nahm sich Apple die Kritik am eingeschränkten LTE-Support zu Herzen, will man das Weihnachtsgeschäft ankurbeln, oder ist mehr Performance doch notwendig?

Apple will mit dem iPad 4 eigenen Angaben zufolge zeigen, immer wieder überraschend "Innovationen" und "Neuigkeiten" präsentieren zu können. Beim neuen iPad der vierten Generation gibt es vor allem mehr Rechenleistung und eine schnellere Grafik. So arbeitet das iPad 4 mit dem neuen A6X-Prozessor, der in abgewandelter Form erstmals beim iPhone 5 zum Einsatz kam. Die Formgebung des Gehäuses und das hochauflösende 9,7-Zoll-Retina-Display bleiben im Vergleich zum Vorgänger unverändert.

Vergleich: Technische Daten der iPads

Beim iPad 3 arbeitet die Dual-Core-CPU A5X mit 1,0 GHz Taktfrequenz. Auch der neue A6X des iPad 4 ist wieder eine Dual-Core-Variante, die mit 1,0 GHz taktet. Der A6X nutzt wie der A6 vom iPhone 5 ein ARM7-Design als Basis, das von Apple verfeinert und für iOS optimiert wurde. So kann der A6X unter anderem auf den für Fließkommaberechnungen ausgelegten ARM-Befehlssatz VFPv4 zurückgreifen. Bei der Grafik verwendet der A6X wieder vier Kerne, aber auf Basis einer neuen PowerVR-Variante.

Den Arbeitsspeicher hat Apple beim iPad 4 unverändert auf 1 GByte festgelegt. Für Daten und Apps stehen weiterhin Modelle mit 16, 32 oder 64 GByte zur Verfügung. Verbessert hat Apple jedoch sowohl das integrierte WLAN als auch den LTE-Support. So unterstützt das iPad 4 zwar weiterhin den drahtlosen Netzzugang via 802.11a/b/g/n, neben dem bekannten 2,4-GHz-Band wird zusätzlich das meist weniger überfüllte 5-GHz-Band genutzt. Durch das Dual-Band sollte insbesondere bei stark frequentierten Hotspots - die auch 5 GHz unterstützen - einfacher eine Verbindung zustande kommen.

Beim LTE-Support nutzt das iPad 4 nun den Chip aus dem iPhone 5 und iPad mini. Somit unterstützt das neue Tablet mit dem für Deutschland vorgesehenen Modell A1460 nun die LTE-Bänder 1 (2100 MHz), 3 (1800 MHz) und 5 (850 MHz). Von diesen Frequenzbändern profitiert die Telekom durch sein 1800-MHz-Band. Das iPad 3 kann dagegen mit seinen 700 und 2100 MHz kein in Deutschland aktives LTE-Band verwenden. Vodafone und O2 setzen auf eine LTE-Frequenz von 800 MHz, was aber auch vom iPad 4 nicht unterstützt wird.

Apples iPad-Generation im Vergleich

Modell

iPad mini

iPad 3

iPad 4

Display

7,9 Zoll

9,7 Zoll

9,7 Zoll

Auflösung

1024 x 768

2048 x 1536

2048 x 1536

Prozessor

Apple A5 / Dual-Core / 1 GHz

Apple A5X / Dual-Core / 1 GHz

Apple A6X / Dual-Core / 1 GHz

Arbeitsspeicher

512 MByte

1024 MByte

1024 MByte

GPU

--

Power VR SGX543MP4

Power VR SGX554MP4

Speicherkapazität

16 / 32 / 64 GByte

16 / 32 / 64 GByte

16 / 32 / 64 GByte

WLAN

Dual-Band 802.11ab/g/n

802.11a/b/g/n

Dual-Band 802.11ab/g/n

Bluetooth

4.0

4.0

4.0

Front-/Rückkamera

1,2 / 5,0 Megapixel

0,3 / 5,0 Megapixel

1,2 / 5,0 Megapixel

Videoaufnahme

1080p

1080p

1080p

3G (optional)

UMTS / HSPA / HSPA+ / DC-HSDPA

UMTS / HSPA / HSPA+ / DC-HSDPA

UMTS / HSPA / HSPA+ / DC-HSDPA

LTE

850 / 1800 / 2100 MHz

700 / 2100 MHz

850 / 1800 / 2100 MHz

Akku

16,3 Wh

42,5 Wh

42,5 Wh

Laufzeit WLAN (Herstellerangabe)

10 Stunden

10 Stunden

10 Stunden

Abmessungen

200 x 134,7 x 7,2 mm

241,2 x 185,7 x 9,4 mm

241,2 x 185,7 x 9,4 mm

Gewicht (Wi-Fi / 3G)

308 / 312 Gramm

652 / 662 Gramm

652 / 662 Gramm

Verbessert hat Apple im Vergleich zum Vorgänger auch die Front-Kamera. Statt der 0,3-Megapixel-Variante kommt beim iPad 4 nun eine Facetime-HD-Kamera mit 1,2 Megapixel zum Einsatz. Beim iPad mini verwendet Apple ebenfalls diese Ausstattung. Dann verabschiedet sich Apple auch beim iPad 4 vom 30-poligen Anschluss der Vorgänger. Der neue als "Lightning" bezeichnete Stecker ist in der Größe auf rund ein Drittel geschrumpft und kommt bereits beim iPhone 5 und iPad mini zum Einsatz. Praktisch bei Lightning ist, dass der Stecker in beiden Richtungen in das Tablet passt.

Performance & Akkulaufzeit

Einen wirklichen Mangel an Performance gibt es beim iPad 3 mit seinem A5X-Prozessor nicht. Dennoch beschleunigt Apple das iPad 4 mit dem neuen A6X. Beim typischen Arbeiten mit Apps, dem Wischen zwischen offenen Anwendungen per 4-Finger-Geste oder beim Surfen im Internet ergibt sich beim iPad 4 im Vergleich zum Vorgänger kein wirklich erkennbarer Vorteil. Alles läuft sehr flüssig und flott ab. Beim Starten von Apps merkt man allerdings schon die kürzeren Ladezeiten. Beispielsweise lädt die App Home Design 3D inklusive eines Wohnungsprojektes in nur 5,5 statt 8,9 Sekunden. Das exemplarisch herangezogene Spiel International Snooker 2012 startet mit 9,8 statt 12,5 Sekunden ebenfalls flotter. Wirklich sichtbar ist der Unterschied auch bei der Karten-App, wenn in 3D-Städten gedreht und gezoomt wird. Während beim iPad 3 oft Ruckler auftauchen und Gesten nicht wirklich verzögerungsfrei sind, erledigt das iPad 4 die Aktionen sehr flüssig - viel seltener hakt etwas. Auch das Laden von Kartenfragmenten geht beim iPad 4 zügiger vonstatten.

Der maximale Geschwindigkeitsvorteil des iPad 4 mit seinem A6X zeigt sich bei Benchmarks. Beim Fließkomma- und Speicher-intensiven Linpack arbeitet das iPad 4 mit 650 MFLOPS auch rund 4,6-mal so schnell als ein iPad 3 mit 142 MFLOPS. Zum Vergleich: Das iPad mini mit A5-Prozessor schafft hier 126 MFLOPS, das iPhone 5 mit A6 sehr gute 590 MFLOPS. Insbesondere die VFPv4-Erweiterung der A6/A6X-Architektur zeigt bei Linpack Wirkung. Ein deutliches Kräfteverhältnis zeigt sich auch beim JavaScript-Test mit dem Benchmark SunSpider. Hier erledigt das iPad 4 die Berechnungen 55 Prozent flinker als der Vorgänger. Auch Googles JavaScript-Benchmark Octane zeigt dieses Verhalten: das iPad 4 arbeitet 87 Prozent schneller als das iPad 3 und knapp 7 Prozent flinker als ein iPhone 5. Einen deutlichen Fortschritt gibt es auch bei der Grafik-Performance: Der GL Benchmark 2.5.1 zeigt im Szenario Egypt HD C24Z16 mit 41 fps fast die doppelte Framerate im Vergleich zum iPad 3.

Akkulaufzeit

Apple hat den Akku beim iPad 4 unverändert zum Vorgänger gelassen. Entsprechend findet sich in dem Tablet ein 42,5-Wh-Energiespender. Die Akkulaufzeit beziffert der Hersteller beim iPad 4 auch weiterhin mit 10 Stunden beim Surfen im Internet.

Mit dem Lithium-Polymer-Akku erreicht das iPad 4 in unserem Test beim typischen Betrieb mit aktivem WLAN mit Browsen im Internet, Videos abspielen und Apps testen knapp 9 Stunden. Die Helligkeit war auf 50 Prozent (Mittelstellung) geregelt, die Auto-Helligkeit und Bluetooth deaktiviert. Damit schafft das neue iPad fast die Laufzeit des iPad 3, welches in unserem Praxistest etwas über 9 Stunden durchhielt. Beim Abspielen eines h.264-Videos entlockten unsere Kollegen von der Macwelt dem iPad 4 bei voller aufgedrehter Helligkeit eine Laufzeit von 5:27 Stunden. Das iPad 3 zeigte bei unserer Schwesterpublikation mit 6:31 Stunden etwas mehr Ausdauer.

Fazit & Modelle

Eigentlich wäre das iPad der vierten Generation noch nicht notwendig gewesen. Denn das iPad 3 bietet nach wie vor einen brillianten Bildschirm, arbeitet flüssig und läuft mit rund 9 Stunden angenehm lange. Auch die Qualität des Gehäuses und die Haptik überzeugen und geben keinen Anlass zur Kritik. Die ärgerlichen Mankos einer nicht mehr zeitgemäßen 0,3-Megapixel-Frontkamera und den in Deutschland nicht vorhandenen LTE-Support merzt das neue iPad 4 aus - bei LTE zumindest halbwegs.

Doch die neue 1,2-Megapixel-Facetime-HD-Kamera und der LTE-Chip aus dem iPhone 5 hätten ein iPad 4 alleine nicht gerechtfertigt. Kern des neuen iPads ist der in vielen CPU- und Grafik-Benchmarks rund doppelt so schnelle A6X-Prozessor. In der Praxis sorgt der Prozessor für einen noch schnelleren Start von Apps und beispielsweise eine flüssigere Bedienung der 3D-Karten. Wie bereits erwähnt, schon das iPad 3 erledigt alles sehr flink, nur macht es das iPad 4 eben nochmals einen Tick besser.

Wer somit bereits ein iPad 3 besitzt, für den lohnt der Umstieg auf die vierte Generation nicht. Besitzer noch älterer iPads wird neben der spürbar besseren Performance sofort die Qualität des Retina-Displays überzeugen.

Nachfolgend finden Sie alle iPad-4-Modelle mit Preisen aufgelistet:

Apple iPad der 4. Generation

Modell

Preis

16 GByte Wi-Fi

499 €

16 GByte Wi-Fi + 4G

629 €

32 GByte Wi-Fi

599 €

32 GByte Wi-Fi + 4G

729 €

64 GByte Wi-Fi

699 €

64 GByte Wi-Fi + 4G

829 €

Die Modelle mit Mobilfunk sind laut Apple erst später im November 2012 verfügbar. (cvi)