IT-Gehälter 2013

Gehaltsrunde für IT-Profis fällt mager aus

Der Fachkräftemangel macht sich nicht im Portemonnaie der IT-Spezialisten ­bemerkbar. Ihr Einkommen stieg in diesem Jahr im Durchschnitt nur um ein Prozent, wie die aktuelle Gehaltsstudie von Personalmarkt und der TecChannel-Schwester COMPUTERWOCHE zeigt.

Auf den ersten Blick ist das keine Nachricht, die IT-Profis jubeln lässt: Ein Prozent mehr Gehalt in Zeiten des Fachkräftemangels? Auf den zweiten Blick stehen hinter diesem Durchschnittswert sehr wohl auch viele IT-Experten, die weiter mit ordentlich gefüllten Brieftaschen nach Hause gehen, weil sie im Süden der Republik und in der richtigen Branche arbeiten. Daneben gibt es IT-Profis, die nichts zu verhandeln haben, weil sie in der ostdeutschen Provinz oder einer wenig gefragten Branche gelandet sind oder ein durchwachsenes Berufsprofil mitbringen

Im Schnitt wuchsen die Gehälter der IT-Fachkräfte nur um ein Prozent.
Im Schnitt wuchsen die Gehälter der IT-Fachkräfte nur um ein Prozent.
Foto: Fotolia, Rene Schubert

Tim Böger kann das Ergebnis seiner Studie auch nicht auf Anhieb erklären. Immer noch „stehen vielen offenen IT-Stellen wenige Bewerber gegenüber", sagt Böger, der als Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt wohl über die Datenbank mit den meisten Gehaltszahlen verfügt. Ein Grund könnte sein, dass „ITler eher an einem Arbeitsplatz interessiert sind, der ihren Wünschen entspricht, und nicht des Gehalts wegen den Job wechseln".

Grundgehalt von IT-Profis ausgereizt

Eine Entwicklung, die der Münchner Personalberater Guido Happe bestätigt. Heute informierten sich Bewerber genauer über ihren künftigen Arbeitsplatz. Stimmten Produkte, Markt, Unternehmenskultur und vor allem die Aufgaben, rücke die Gehaltsfrage in den Hintergrund. IT-Fach- und -Führungskräfte seien sich durchaus bewusst, dass sie im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sehr gut bezahlt sind. Manche IT-Spezialisten, so Happe, haben den Gehaltsrahmen ausgereizt: „Da ist nicht mehr viel Luft nach oben drin." Vielmehr müssten diejenigen, die in den vergangenen Jahren von überproportionalen Einkommenszuwächsen profitierten, zurück auf den Teppich geholt werden.

Personalberaterin Madeleine Braunwarth: Über variable Gehaltsbestandteile lässt sich gut verhandeln.
Personalberaterin Madeleine Braunwarth: Über variable Gehaltsbestandteile lässt sich gut verhandeln.
Foto: Privat

Spielraum für Gehaltserhöhungen macht Personalberaterin Madeleine Braunwarth in den Unternehmen aus, die die IT als wichtigen Bestandteil und Unterstützer des Kerngeschäfts ansehen. Agieren IT-Führungskräfte an dieser Stelle, stehe einer adäquaten Vergütung nichts im Wege. Einen zweiten Hebel für höhere Gehälter sieht die Personalexpertin aus der Schickler Unternehmensberatung in einer weiteren variablen Gestaltung des Gehalts.

Böger, Happe und Braunwarth sind sich einig, dass am Grundgehalt – bis auf Ausnahmen – nicht mehr viel nach oben zu drehen ist. Ist ein Kandidat oder Mitarbeiter am oberen Limit der vorgegebenen Gehaltsbandbreite angelangt, liegt es in der Phantasie der Unternehmen, weitere Möglichkeiten auszuloten. Braunwarth nennt Klassiker wie Dienstwagen und betriebliche Altersvorsorge, flexibles und von Zeit und Ort unabhängiges Arbeiten. Richtig sei aber, und damit liegt sie auf der Linie von Böger und Happe, dass die heutige Führungsgeneration genauer auf das Gesamtpaket achtet: Berufliches mit spannenden Aufgaben und Privatleben wollen darin in Einklang gebracht werden.

Tim Böger: "Die Spitzenverdienste von CIOs liegen bei über 300.000 Euro im Jahr."
Tim Böger: "Die Spitzenverdienste von CIOs liegen bei über 300.000 Euro im Jahr."
Foto: Personalmarkt

Für Personalmarkt-Chef Böger ist es ein Fakt, dass gute Leute nach wie vor überdurchschnittlich verdienen: „Die Spitzenverdienste von CIOs liegen bei deutlich über 300.000 Euro Jahresgehalt, die von IT-Projektleitern und IT-Beratern bei über 180.000 Euro." Und Headhunterin Braunwarth ergänzt: „Junge PHP-Entwickler und SAP-Berater, die sich während des Studiums die entsprechenden Kenntnisse in Theorie und Praxis angeeignet haben, steigen bei 50.000 bis 55.000 Euro im Jahr ein."

Zu den Fachkräften, die sich über einen überdurchschnittlichen Zuwachs freuen können, gehören nach Bögers Analysen vor allem SAP-Berater, Web-Designer und IT-Trainer. Die Gehälter der wenig Qualifizierten stagnierten dagegen oder gingen zurück: „Natürlich muss kein Mitarbeiter auf Geld verzichten, aber das Niveau bei Neueinstellungen hat das des letzten Jahres nicht erreicht." Der Druck auf Jobs etwa von Supportern oder Organisationsprogrammierern, die sich nach Osteuropa oder Indien verlagern ließen, wächst weiter.

IT-Projektleiter gehören mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich 74.170 Euro zu den Spitzenverdienern unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung. Hat ein Projektleiter direkte Leitungsbefugnis über seine Mitarbeiter, kann er in der Regel mit einem Viertel bis zu einem Drittel mehr Einkommen rechnen. Es folgen SAP-Berater (66.457 Euro), IT-Berater (63.610 Euro) und IT-Sicherheitsspezialisten (62.360 Euro). Das Schlusslicht bilden – wie in den vergangenen Jahren – Mitarbeiter im Anwendersupport (39.840 Euro) und Web-Designer (37.000 Euro). Eine gute Nachricht: Vor zwei Jahren machte deren Jahresgehalt noch rund 35.000 Euro aus.

Eine gute Ausbildung lohnt sich

63 Prozent aller Personen, deren Daten in die Studie eingeflossen sind, verfügen über einen Hochschulabschluss. IT-Mitarbeiter mit Universitätsabschluss verdienen im Schnitt 60.000 Euro, ein Fachhochschulabschluss bringt 59.450 Euro. Der Master hat noch nicht das Niveau des Diploms erreicht, ist aber auf einem guten Weg und wird mit rund 53.500 Euro Jahresgehalt honoriert. Der Abstand liegt an dem noch niedrigen Durchschnittsalter der Master-Inhaber. Mit dem Bachelor-Diplom, für das dasselbe gilt, schafft man durchschnittlich 45.500 Euro. Absolventen von Berufsakademien oder Fachschulen mit staatlich anerkanntem Abschluss verdienen knapp 51.000 Euro im Jahr. Wer eine Lehre absolviert hat, muss sich mit 41.500 Euro im Jahr zufriedengeben. Wichtiger Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegsgehälter, sondern um Einkommen, die im Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss im Durchschnitt zu erreichen sind.

Berufserfahrung wirkt sich positiv im Portemonnaie aus: Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Berufspraxis kommen auf rund 46.600 Euro jährlich, mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren liegen die Gehälter im Schnitt bei 51.460 Euro. Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, hat durchschnittlich 60.540 Euro im Jahr auf dem Lohnzettel.