Experten mahnen Mut zum Self Service an

Private Clouds nicht immer echt

Virtualisierung ist nicht gleich Private Cloud. Analysten weisen auf diesen kleinen, aber gewichtigen Unterschied hin, weil nur eine echte Cloud auch alle erhofften Vorteile liefert. Manchmal gibt es aber gute Gründe, mit weniger zufrieden zu sein.

Oft ist die Wolke nur eine Fata Morgana. Jedenfalls behauptet Forrester Research, dass 70 Prozent der vermeintlichen „Private Clouds" in Unternehmen in Wahrheit gar keine Clouds seien, sondern lediglich Ausprägungen von Virtualisierung. „Cloud-Washing", nennt Analyst James Staten das Phänomen. Auch die Marktforscher von Freeform Dynamics stellten bereits vor einigen Monaten fest, der Weg von der Virtualisierung in die Cloud verlaufe häufig keineswegs so direkt, geradlinig und unausweichlich wie angenommen. Aber reicht ein bestimmter Virtualisierungsgrad nicht oft genug aus? Und ist diese Grenzziehung am Ende nicht nutzlose Wortklauberei?

IT droht Kontrollverlust

Ganz so einfach lässt sich das Problem leider nicht wegwischen. Es besteht im Wesentlichen darin, dass die Mitarbeiter auch Cloud Computing haben wollen, wenn man ihnen das verspricht. Die User geben sich nicht auf Dauer damit zufrieden, dass die IT-Abteilung ein bisschen virtualisiert, was ihr in den Kram passt – und mehr eben nicht. Konkret heißt das zum Beispiel: Ein Rechenzentrum mit hochgradig virtualisierter Umwelt, einem Web-Portal für die Mitarbeiter mit Zugang zu Virtual Machines und einer Messmethode zum Tracking der Ressourcennutzung ergibt für die Unternehmens-IT jede Menge Sinn, ist aber lange noch keine Private Cloud. Und deshalb besteht in dieser Konstellation immer die Gefahr, dass die Mitarbeiter auf eigene Faust in der Public Cloud nach für sie geeigneten Lösungen suchen – mit den bekannten Risiken und mit dem damit verbundenen Kontrollverlust für die IT.

Was aber macht eine echte Cloud aus? Eine Definition dafür kommt aus den USA vom National Institute of Standards and Technology (NIST). Sie umfasst fünf Kriterien, die erfüllt sein müssen: erstens Selbstbedienung für die User nach Bedarfslage, zweitens Zugang zu Breitbandverbindungen, drittens ein gemeinsamer Ressourcenpool, viertens die Möglichkeit zur elastischen Skalierung der Ressourcen und fünftens Messung der Service-Leistungen. Trifft einer dieser Punkte nicht zu, handelt es sich nicht um eine Cloud im Sinne der NIST. Wie der NIST-Informatiker Peter Mell erläutert, soll die Definition Firmen helfen zu überprüfen, inwieweit sie Cloud-Merkmale erfüllen und Cloud-Modelle umsetzen. „Das ist wichtig, weil sich bei einer echten Cloud mit höherer Wahrscheinlichkeit die erhofften Cloud-Vorteile einstellen: Einsparungen, geringerer Energieverbrauch, schnellerer Einsatz von Lösungen und Kunden-Empowerment", so Mell.