IP ist Hype

Schwieriger Vergleich zwischen ATM und IP

Einen anderen Standpunkt vertreten die Protagonisten des Internet-Protokolls. Nach ihrer Auffassung ist zwar in heutigen Netzen im lokalen Umfeld Broadcast eine Schlüsselfrage, weil IP-Applikationen diese Funktion benötigen, um sich regelmäßig im Netzwerk miteinander "bekannt zu machen". Allerdings, so die Kritiker von ATM, lasse sich ATM an Endgeräten nicht effizient und kostengünstig einsetzen, weil es ein Non-Broadcast-Medium sei. Außerdem hänge die Leistung der LAN-Emulation (LANE), die Broadcast im ATM-Netz ermöglicht, von der Zahl der gleichzeitig aufgesetzten Verbindungen ab. Die Erfahrungen der Deutschen Bibliothek widerlegen allerdings diese Argumentation.

Wer IP und ATM miteinander vergleicht, muß sich darüber im klaren sein, daß beide Techniken erhebliche Unterschiede aufweisen. So berücksichtigt IP im Gegensatz zu ATM keine "Intelligenz" im Netz. Intelligent sind in reinen IP-Netzen nur die Endgeräte und die Router. Zusätzliche Probleme entstehen, wenn Gigabit-Router Datenraten von 2,54 GBit/s durchschalten beziehungsweise weiterleiten, denn diese Datenmengen müssen auch verarbeitet werden. ATM verfügt dagegen über ein effizientes Routing-Verfahren.

Quasi als Integrator können beide Protokolle verwendet werden, wobei ATM heute nur als reines Transportnetz zum Einsatz kommt. Es bietet aber die Dienstgüte und Serviceklassen, die notwendig sind, um dem Anwender möglichst viele Optionen zu offerieren. Der wachsende Wettbewerbsdruck wird dazu führen, daß die Carrier ihren Kunden immer mehr Bandbreite zur Verfügung stellen. Das hat zur Folge, daß die Kapazitäten im Backbone-Netz stark anwachsen.

Im LAN sollte der IT-Fachmann soviel Bandbreite wie möglich bereitstellen, um für die steigenden Anforderungen der Anwendungen gewappnet zu sein. Gleiches gilt im Prinzip auch für das Weitverkehrsnetz, aber hier spielen die Kosten eine größere Rolle. Deshalb sollte nur die notwendige Bandbreite bereitgestellt werden.

Einen anderen Weg geht der Serviceprovider Level 3 (www.level3. de). Er verzichtete auf eine Mixtur aus ATM, IP und Sonet/SDH und hat ein reines IP-Netz aufgebaut. Es kommt also keine Leitungsvermittlung ("Circuit Switching") zum Einsatz, sondern nur "Packet Switching". Level 3 bietet demnächst über das IP-Netz auch Sprachverbindungen an. Momentan befindet sich dieser Service in der Testphase; allerdings wurde laut Level 3 bereits eine gute Sprachqualität erzielt.