Für das Multimedia-Zeitalter gerüstet

IP-Netz für Echtzeitdaten: das Multicast-Backbone

Da bei der Einführung der Multicast-Dienste das Internet bereits beachtliche Ausmaße erreicht hatte, entschloss sich die Internet Engineering Task Force, ein Multimediataugliches IP-Overlay-Netz zu schaffen. Der Startschuss dafür fiel auf der IETF-Konferenz im März 1992, als Vorträge in Form von Bild- und Toninformationen mit Hilfe spezieller Programme über das Internet übertragen wurden. Dieses "Multicast Backbone" (MBone) ist seit 1992 von 40 Domänen in vier Ländern auf Tausende von Domänen weltweit angewachsen.

Innerhalb einer solchen Domäne können IP-Multicast-Pakete verschickt und empfangen werden. Eine Domäne ist über Zwischensysteme mit dem Internet verbunden, die nicht über die Multicast-Erweiterungen verfügen. Daher ist der Austausch von Multicast-Paketen zwischen den Domänen nicht ohne weiteres möglich. Um dieses Problem zu lösen, sind die Domänen im MBone über Tunnel verbunden. Ein Tunnel ist eine virtuelle Verbindung zwischen Multicast-fähigen Routern an den Tunnelendpunkten. Zwischen diesen kann sich eine Reihe nicht Multicast-fähiger Router befinden. Um nun die Multicast-Pakete über diese Router weiterzuleiten, wird im MBone hauptsächlich IP-IP-Einkapselung (Encapsulation) eingesetzt. Bei diesem Verfahren wird ein IP-Multicast-Paket von einem "Mrouter" (MBone-Router) in ein Unicast-IP-Paket verpackt ("encapsulated"), dessen Zieladresse die Unicast-Adresse des Mrouters am anderen Endpunkt des Tunnels ist. Auch Unicast-Router sind dann in der Lage, die Daten weiterzuleiten. Hat das Datenpaket den Ziel-Mrouter erreicht, wird es dort wieder ausgepackt (decapsulated) und innerhalb der Multicast-fähigen Domäne per Multicast weitertransportiert.

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Die IP-IP-Encapsulation hat aber auch Nachteile. So werden die Pakete durch das Verpacken größer; außerdem lässt sich das Verfahren nur dann anwenden, wenn der Mrouter am Tunnelendpunkt die IP-Pakete auch auspacken kann. Insgesamt ist festzustellen, dass Tunnel nur als vorübergehendeLösung zu sehen sind, auch wenn das MBone als Overlay-Netzwerk in den vergangenen Jahren seine Funktionsfähigkeit bewiesen hat. (re)

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Zur Person

Joachim Zubke

studierte an der Fachhochschule Hamburg Elektrotechnik, Fachrichtung Nachrichtentechnik. Seit Herbst 1999 ist er bei der Firma Netsprint Consulting in Hamburg als zertifizierter Netzwerk-Trainer für Cisco Systems tätig.

Stefan Bohnert

absolvierte ebenfalls in Hamburg ein Studium im Fach Elektrotechnik. Wie Zubke ist Stefan Bohnert bei Netsprint als Netzwerktrainer tätig.