Neuronale Netze für die Geisteswissenschaften

von Dr. Klaus HolthausenPD Dr. Paul Ziche, 04.07.2007
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Der Computer als Interpret?

Ein Einsatz von Computertechnologie in den Geisteswissenschaften sieht sich immer wieder dem Vorbehalt ausgesetzt, hier würde eine komplexe, in besonderer Weise „geistige“ Tätigkeit mechanisiert und auf ein simples binäres Denken reduziert. Assoziative Strukturen gehorchen jedoch von vornherein keiner binären Logik. Da alle weiteren Analyseschritte der CNT-Technologie auf den zunächst ermittelten assoziativen Strukturen aufgebaut sind, liefern auch die Zuordnungsvorschläge für ganze Textstücke nur Hypothesen für die weitere Interpretation, wobei das Zustandekommen der Assoziationen bis hinab auf die Ebene der vermittelnden Begriffe verfolgt und bewertet werden kann. Zudem dürfen, wie gerade das letzte Beispiel illustriert, die Resultate der CNT-Analyse nicht in Isolation betrachtet werden. Der CNT-Einsatz macht den interpretierenden Zugriff nicht überflüssig, sondern stattet ihn umgekehrt mit einer sehr viel umfangreicheren, aber zugleich transparent strukturierten Datenbasis aus.
Literaturangaben
[1]
J. Jost; K. Holthausen; O. Breidbach (1997): On the mathematical foundations of a theory of neural representation. In: Theory in Biosciences 116, p. 125-129.
[2]
M. Khaikine and K. Holthausen (2000): A General Probability Estimation Approach for Neural Computation. In: Neural Computation 12(2), p. 433-450.
Diesen Beitrag haben wir aus der Zeitschrift Akademie Aktuell 01/2007 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften übernommen. Der Autor Dr. Klaus Holthausen ist Gründer und Gesellschafter der Dr. Holthausen GmbH aus Bocholt (www.dr-holthausen.de), PD Dr. Paul Ziche ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schelling-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
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