26.07.2002
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Web-Enabling schützt Investitionen

Der Kunde als Waffe im Wettbewerb

Beim Customer-Relationship-Management-Hersteller Epiphany in San Mateo verläuft der Besuch anders als bei den Firmen, die wir bisher aufgesucht haben. Die Zeit ist genau bemessen, und PR-Managerin Kim Stocks lenkt das Gespräch mit Paul A. Rodwick, Vice President Market Development and Strategy, und James Ferguson, Director Product Management, strikt nach ihrer Agenda. Die lockere Atmosphäre, die wir inzwischen gewohnt sind, gibt es hier nicht.
Was man uns sagt, klingt allerdings verblüffend ähnlich wie die Thesen von Netmanage und Tarantella, die doch in völlig anderen Marktsegmenten tätig sind. "Wir wollen, dass unsere Lösungen mit existierenden Applikationen immer besser zusammenarbeiten", erläutert beispielsweise Ferguson.
Auch an Cisco werden wir damit erinnert: Das Ziel, den Kunden unbedingt zum Erwerb neuer Systeme zu drängen, hat man im CRM-Sektor offenbar ebenso zurückgestellt wie beim Netzwerkspezialisten, wo immer ausgefeiltere Software-Updates die Anwender so lange bei Laune halten sollen, bis neue Investitionskraft gewachsen ist.
Auch beim Umgang mit den Kundendaten, die Epiphany als strategische Waffe im Wettbewerb eines Unternehmens versteht, ist also die bestmögliche Ausnutzung vorhandener Informationen das wichtigste Ziel. "Wir müssen die Informationsfragmente zusammenbringen, die überall getrennt gespeichert sind", erklärt Rodwick. Konkret hat sich Epiphany vorgenommen, die in Unternehmen bestehenden Barrieren zwischen Marketing, Service und Verkauf abzubauen.
Als Anwender-Interface der Zukunft versteht Epiphany den Browser, in dem alle erreichbaren Informationen am Arbeitsplatz zusammentreffen sollen. Die CRM-Software E6 stützt sich auf Application-Server-Seite auf den Standard J2EE und sichert auch auf diese Weise die Kollaborationsfähigkeit der Software.
Die Webarchitektur könnte auch die Basis für einen mobilen Zugriff auf CRM-Daten sein. Das allerdings halten Ferguson und Rodwick noch für Zukunftsmusik: "Vertreter auf Reisen könnten so etwas gebrauchen, aber zumindest in den USA nutzen sie bisher noch nicht einmal Mobiltelefone, weil ihnen die Übertragungsqualität zu schlecht ist", zeichnet Rodwick ein ernüchterndes Bild der aktuellen Situation. Wie Guy Churchward von Tarantella sieht er die Infrastruktur als entscheidend für den Durchbruch von Neuerungen an. Am Ende hängt Innovation also von den Netzwerken ab - für die NetworkWorld eigentlich ein erfreuliches Bild.
Zur Person
Bettina Weßelmann
ist freie IT-Fachjournalistin und Fachbuchautorin in München.

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