"Mehr Informationen als die STASI"
Soziale Netze als Datenkraken
Wer sich online in Netzwerken wie Facebook oder Myspace bewegt, gibt eine Vielzahl persönlicher Daten preis. Und der Datenhunger der Netze scheint unstillbar. Was treibt Internet-Nutzer zum "digitalen Exhibitionismus"? Und wie verantwortungsvoll gehen Anbieter mit den sensiblen Daten um? Ein deutscher Informatiker hat das Phänomen genauer unter die Lupe genommen.
Großbritanniens Datenschützer haben Facebook ins Visier genommen. Die Betreiber des sozialen Netzwerks macht es seinen Nutzern schwer, bei Aufgabe der Mitgliedschaft das eigene Profil aus dem Netz zu löschen. Wer sich nicht damit zufrieden geben will, dass der Betreiber die gelöschten Daten weiterhin - wenn auch für Dritte unsichtbar - speichert, muss jeden Inhalt von Hand löschen. Ein Verfahren, dass nach der Beschwerde eines Users jetzt die Datenschützer auf der Insel beschäftigt.
Das Beispiel zeigt: Wer sich in sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace oder StudiVZ bewegt, sollte sorgfältig prüfen, welche Daten er preisgibt. Der Hunger der Netzwerke nach persönlichen Informationen ihrer Nutzer ist gewaltig: Bei einer Untersuchung der drei Plattformen Facebook, Myspace und Xing zählte der Medien-Experte Hendrik Speck insgesamt 120 persönliche Attribute, die auf den persönlichen Seiten der Mitglieder angegeben werden können - angefangen bei Alter und Wohnort über Lieblingsfilme und -musik bis hin zu politischer Neigung und sexueller Ausrichtung.
"Die haben mehr Informationen, als die Stasi je hatte", so der Informatik-Professor der Fachhochschule Kaiserslautern. Und die Hürden, um das einmal preisgegebene Wissen wieder zu entfernen, können höher sein, als dem User zunächst bewusst ist - wie das Beispiel Facebook lehrt.
Inhalt dieses Artikels




PDF
eBook