Jabber im Kampf der Messenger

von RAINER GAERTNER , 31.05.2001
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Welche Chancen hat Jabber?

Jabber ist erheblich mehr als nur ein alternatives Pager-System. Das ist Chance und Risiko zugleich. Es besteht die Gefahr, dass sich die Bewegung zu sehr zerfasert und an allen Ecken gespielt wird, jedoch nichts wirklich perfekt ist. Denn Benutzer anderer Pager-Systeme werden nur zu Jabber wechseln, wenn es die gewohnten Features besitzt, die Oberfläche einfach zu bedienen ist und das System mindestens genauso stabil wie das gewohnte ist. Da Odigo hier Schwächen aufweist, konnte sich dieses System nie richtig durchsetzten. Odigo bietet zwar Kompatibilität, doch wirkt es noch immer zu kastriert, um Powerusern zu imponieren. Und versuchen Sie mal Ihrem Nachbarn zu erklären, warum er seinen geliebten AOL-Pager gegen etwas anderes eintauschen sollte, womit er auch nicht mehr kann als mit seinen anderen AOL-Freunden zu chatten.
Wenn Jabber allerdings ISPs gewinnen könnte, die E-Mail-Adressen auch gleichzeitig als Jabber-Adressen registrieren und den Client zum Download anbieten, sieht die Sache schon anders aus. Die verfügbaren Clients sind zwar solide, haben aber noch mit vielen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Zudem bieten sie immer noch nicht die volle Funktionsvielfalt, die verwöhnte Benutzer von Yahoo oder ICQ gewohnt sind. Insbesondere das viel benutzte "unsichtbare Online"-Feature gehört noch nicht zum Jabber-Aufgebot. In der nächsten Zeit werden daher auch Jabber-Benutzer zumindest noch zweigleisig fahren müssen: Jabber und AIM, falls erforderlich.
Wenn die Jabber-Bewegung tatsächlich eine Chance haben will, dann sollte sie sich zunächst nur auf den AOL Internet Messenger konzentrieren, solide Clients programmieren und das Protokoll stählen. Und es würde Sinn machen, sich auf drei oder vier Clients zu einigen und diese in gemeinsamer Anstrengung aufzubohren. Vielleicht findet sich ja auch ein kompetenter Partner wie Opera. Die norwegische Browser-Firma hat ohnehin Interesse an Messenger-Funktionen.
AOL und die anderen Kommunikationsunternehmen sollten sich also überlegen, wie sie mit Jabber umgehen. "Wir haben von IMunified jedenfalls noch keine Einladung bekommen", sagt Durand, "aber wenn sich ein Standard ergibt, werden wir natürlich ein Transportprotokoll dorthin anbieten. Aber vielleicht werden bis dahin schon alle anderen proprietären Standards keine Chance mehr gegen ein schnell wachsendes Jabber-Netzwerk haben." Die Zukunft wird es zeigen. (fkh)
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