Mobil und immer erreichbar

Wie die flexible Arbeitswelt krank macht

09.09.2012 | von Andrea König
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Ständige Erreichbarkeit setzt Beschäftigten zu und führt zu psychischen Leiden, zeigen Daten der Krankenkassen AOK und BKK. Der richtige Umgang mit dem technischen Fortschritt und der Flexibilisierung muss offenbar erst noch gelernt werden.
Arbeitnehmer in Deutschland schalten nicht mehr ab und können sich so kaum erholen. Welche Auswirkungen permanente Erreichbarkeit auf die Gesundheit der Beschäftigten hat, zeigt der gerade veröffentlichte "Fehlzeiten-Report 2012" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Der ergab: Durch die zeitliche und räumliche Flexibilisierung der Arbeitswelt geraten Arbeitnehmer an ihre psychischen Belastbarkeitsgrenzen.
Erreichbarkeit: Mehr als jeder dritte Erwerbstätige hat in den vergangenen vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten.
Erreichbarkeit: Mehr als jeder dritte Erwerbstätige hat in den vergangenen vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten.
Erreichbarkeit: Mehr als jeder dritte Erwerbstätige hat in den vergangenen vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten.
Foto: AOK
Statt des klassischen Büro-Arbeitstags sind bereits heute ständige Erreichbarkeit und permanente Mobilitätsbereitschaft für viele Berufstätige Realität. Knapp die Hälfte der Befragten gibt in einer AOK-Umfrage an, dass es an ihrem Arbeitsplatz erwartet wird, auch außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar zu sein oder dass es Absprachen dazu gibt.
Mehr als jeder dritte Erwerbstätige hat in den vergangenen vier Wochen häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten (33,8 Prozent) oder Überstunden geleistet (32,3 Prozent). Zwölf Prozent der Angestellten nehmen sich Arbeit mit nach Hause, knapp elf Prozent arbeiten an Sonn- und Feiertagen. Rund jeder Achte spricht von Problemen mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit oder hat wegen beruflicher Verpflichtungen Pläne für private Aktivitäten geändert.
"All diese Belastungen im Arbeitsalltag führen dazu, dass diese Beschäftigten mehr an psychischen Beschwerden leiden als diejenigen, die diesen Belastungen nicht ausgesetzt sind", erläutert Helmut Schröder, Herausgeber des Fehlzeiten-Reports und stellvertretender Geschäftsführer des wissenschaftlichen Instituts der AOK.
Unter Druck: Vielen Beschäftigten fällt es schwer abzuschalten.
Unter Druck: Vielen Beschäftigten fällt es schwer abzuschalten.
Unter Druck: Vielen Beschäftigten fällt es schwer abzuschalten.
Foto: Wissenschaftliches Institut der AOK / WidO
Mehr als ein Fünftel der Befragten berichten von Erschöpfung oder dem Problem in der Freizeit nicht abschalten zu können (20,8 Prozent bzw. 20,1 Prozent). 16 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlen sich ausgebrannt. 15,3 Prozent der Angestellten klagen über Schlafstörungen, 13,5 Prozent über Kopfschmerzen, 11,3 Prozent über Niedergeschlagenheit. Wer Probleme damit hat, seine Arbeitszeit mit seiner Freizeit zu vereinbaren, klagt im Schnitt über doppelt so viele Beschwerden wie andere. Auch wer häufig private Aktivitäten aufgrund beruflicher Belange verschiebt, an Sonn- und Feiertagen arbeitet oder häufig Überstunden leistet, berichtet häufiger von psychischen Beschwerden.
Vier von zehn Beschäftigten zählen laut AOK-Report zu den mobilen Angestellten. Dazu gehören Wochenendpendler und Personen, die täglich mindestens eine Stunde zur Arbeit fahren oder ihren Wohnort aufgrund beruflicher Anforderungen gewechselt haben. Die Befragung belegt, dass bei einer Belastung durch übermäßiges Pendeln psychische Beschwerden wie Erschöpfung oder Niedergeschlagenheit zunehmen. Wer seinen Angestellten flexibles Arbeiten oder Home Office-Tage ermöglicht und so die Pendelzeiten reduziert, kann als Arbeitgeber gegensteuern.
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