Management ist Stressfaktor Nr. 1
Was Stress bei Admins anrichtet!
von
Andrea KönigAndrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
, 26.09.2012 (aktualisiert)
Den größten Druck bei den IT-Administratoren verursachen nicht Endnutzer, sondern das Management und dann straffe Fristen bei Projekten. Überstunden, weniger Schlaf und Folgen für das Privatleben sind die Auswirkungen, wie eine Studie zeigt.
Eine Umfrage unter britischen und US-amerikanischen
IT-Administratoren verdeutlicht, wie gestresst sich diese Berufsgruppe fühlt - 70 Prozent der Befragten empfinden ihren Beruf als stressig. 67 Prozent der Administratoren haben deshalb bereits ans Aufhören gedacht. Jeder Vierte tut dies regelmäßig, 43 Prozent immerhin gelegentlich.
Das
Stressempfinden unter den Administratoren ist hoch. 72 Prozent der Umfrageteilnehmer empfinden sich selbst als mindestens so gestresst wie ihr soziales Umfeld. Den größten Stress verursachen nicht
nervige Endnutzer sondern das Management. Die meisten Administratoren nennen das Management als Hauptursache für Stress (28 Prozent). Ein Fünftel macht vor allem straffe Fristen verantwortlich, immerhin 18 Prozent die zu betreuenden Nutzer.
Dazu kommt, dass Administratoren häufig deutlich mehr arbeiten, als dies in ihrem Arbeitsvertrag vorgesehen ist. 36 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten davon, dass sie jede Woche mindestens acht Überstunden machen.
Folgen für das Privatleben
82 Prozent der Administratoren berichten davon, dass sich ihr Beruf auch negativ auf ihr Privatleben auswirkt. 42 Prozent schlafen aufgrund ihres Jobs weniger, 40 Prozent müssen Abstriche beim Sozialleben machen und 39 Prozent verpassen gemeinsame Stunden mit ihren Kindern. 35 Prozent kennen die Situation, wegen des Jobs Verabredungen mit Freunden oder Familienmitgliedern absagen zu müssen. In Großbritannien hat jeder Fünfte nach eigenen Angaben wegen seiner Administratoren-Tätigkeit schon einmal einen guten Freund oder Partner verloren.
Doch unter dem Administratoren-Alltag leidet nicht nur die Beziehung zu Familie und Freunden. 22 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten davon, dass sie sich nicht gesund fühlen. Jeder Fünfte hat schon die Erfahrung mit Stress-bedingten Gesundheitsproblemen gemacht, zum Beispiel mit zu hohem Blutdruck.
Beispiele aus dem Admin-Alltag
Ein wichtiger Bestandteil des Administratorenalltags ist der Kontakt zu den Nutzern der IT-Systeme. Wie oben beschrieben, fühlen sich 18 Prozent der Administratoren durch die Nutzer gestresst. Wie Administratoren von Nutzern auf Trab gehalten werden, verdeutlichen einige Beispiele aus dem Alltag der Befragten: Zahlreiche Admins berichten davon, dass die Nutzer bei ihren Beschwerden nicht wussten, dass ein PC ohne Stromzufuhr nicht funktioniert.
Immer wieder müssen sie einspringen, wenn Nutzer an ihrem Arbeitsplatz essen und trinken und dann die Flüssigkeiten über die Tastatur oder andere Geräte verschütten. Auch der nächste immer wieder begangene Fehler ist vermeidbar: Nutzer versäumen es häufig, ihre Passwörter geheim zu halten.
Blog mit Erlebnissen von Administratoren
Weitere Admin-Erlebnisse machen es nachvollziehbar, weshalb sich zahlreiche Befragte gestresst fühlen. Einige Administratoren berichteten zum Beispiel davon, dass Nutzer ganz bewusst
Malware heruntergeladen haben und einfach mal sehen wollten, was dann passiert. Und schließlich werden Admins häufig dann angerufen, wenn Nutzer wichtige Dokumente gelöscht haben, um freien Speicherplatz zu schaffen und das Löschen nun rückgängig gemacht werden soll. Weitere Admin-Erlebnisse haben die Umfrageinitiatoren
in einem Blog-Eintrag veröffentlicht.
Die
Umfrage wurde vom Marktforscher
Opinion Matters durchgeführt, Initiator ist der US-Sicherheitsanbieter
GFI. 204 Administratoren aus den USA und 201 Administratoren aus Großbritannien haben für die Umfrage über Stress im ihrem Job gesprochen. Es wurden nur Unternehmen mit maximal 500 Mitarbeitern befragt.
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation CIO. (cvi)