Nach Ewigkeiten mit Windows: Umstieg auf Mac OS X 10.7 gemeistert
von am 28.07.2011 um 21:27 (13746 Hits)
Seit der ersten Windows-Version bis hin zu Windows 7 nutzte ich privat stets das Microsoft-Betriebssystem. Ich war und bin auch sehr zufrieden mit Windows 7 ansich, es läuft stabil und tut was ich will. Warum also jetzt der Schwenk? In der Arbeit sitze ich ja auch vor Windows-PCs. Primär wollte ich meinen Big-Tower-PC mit zwei Grafikkarten und mich immer mehr nervenden lauten Lüftern durch einen schlanken und leisen Mini-PC ersetzen – mit Windows natürlich wieder. Doch ein edler kleiner und leistungsstarker Mini-PC kostet schnell so 1000 Euro. Und da gabs jetzt die neuen Mac minis mit Sandy-Bridge-CPUs, das Einstiegsmodell für 599 Euro und gleich mit dem neuen Mac OS X Lion. Das wirkte doch sehr attraktiv, außerdem reizte es mich, mal wieder ein neues Betriebssystem kennen lernen.
Jetzt nutze ich seit einer knappen Woche den Mac mini zuhause. Tja, wie erging es mir als dekadenlanger Windows-Nutzer...? Also die ersten Stunden waren für mich schon sehr gewöhnungsbedürftig. Wo sind denn meine Ordnerstrukturen, wo liegen die Programme, und wie deinstalliere ich diese wieder... es gibt ja kein Uninstall! Verdammt wo ist der Backslash \ auf der Tastatur, den brauch ich für den Domänen-Login zur Firma? Der Browser und das Mail-Programm sind natürlich wie gewohnt zu bedienen, naja, einigermaßen. Am Anfang wusste ich garnicht so recht, wie man ein Programm - bei Mac OS mit der Endung .dmg – eigentlich richtig installiert. Hm, beim Doppelklick darauf war es plötzlich als „Gerät“ im Finder (alleine schon bis ich wirklich erkannte, dass der Finder ja als Datei-Explorer zu sehen ist). Das gefiel mir natürlich garnicht, ich wollte es doch installieren, nicht als Gerät mounten! Also wieder weg damit, bis mir klar wurde, nach dem Doppelklick muss im eingeblendeten Fenster die Datei auf den Ordner Applications gezogen werden, dann findet man das Programm anschließend auch korrekt in den Programmen.
Und wie deinstalliere ich es wieder? Scheinbar genügt es, das Programm-Icon in den Abfalleimer zu ziehen. Gibt’s eigentlich ne Registry und wie säubere ich die, egal, bisher funktioniert es ja. Nach einigen Stunden der Umgewöhnung trat aber bei mir der Effekt ein, den Bedienkomfort schätzen zu lernen. Besonders gefällt mir, mit Wischgesten auf der Magic Mouse zwischen mehreren Desktops flüssig wechseln zu können. Auch das Scrollen auf einer beliebigen Stelle auf der Mausoberfläche gewöhnt man sehr schnell und es gefällt. Das Konzept ist insich sehr schlüssig und ähnlich durchdacht wie bei iOS – viele Parallelen sind so in der Bedienung auch vorhanden.
Das wichtigste neben der Neugier auf Mac OS X ansich war beim Umstieg aber, dass ich damit auch ohne Einschränkungen arbeiten kann. Office 2011 für Mac erfüllt schon mal einen Teil davon, auch wenn ich hier noch mit einem Formatvorlagen-Problem kämpfe (Umlaute in Formatvorlagen von Windows-Word-rtfs zeigt das Mac-Word mit Sonderzeichen an – die Dokumente sind dann für unser Redaktionssystem inkompatibel). Dann brauche ich eine funktionierende VPN-Verbindung, was sich mit dem kostenlosen Tunnelblick schnell erledigen ließ. Ein Remote-Zugriff auf den Windows-Firmen-PC ist ebenfalls essenziell. Hier nutze ich von Microsoft das kostenlose Programm Remotedesktopverbindung für Mac. Mit Windows-Programmen funktioniert auch die Mac-Tastatur wie von Windows gewohnt: Kopieren mit Ctrl+C und nicht mit Apfeltaste+C. Ok, beim Wechsel zwischen Windows-Programmen (via RDP) und beispielsweise dem Firefox unter Mac (was sehr organisch per Fingerwisch auf der Maus erfolgt) drücke ich noch desöfteren die falsche Tastenkombination.
Sehr zufrieden bin ich mit der Citrix-App Receiver für Mac. Damit hab ich beispielsweise den Internet Explorer (notwendig für bestimmte Workflows) als Fenster auf dem Mac. Nach ein paar Tagen konnte ich mit Mac OS X 10.7 dann so schnell und teils sogar komfortabler arbeiten als mit Windows 7. Jetzt gilt es nur noch das Formatvorlagen-Problem bei Word zu lösen, damit wirklich alles gewohnte und notwendige funktioniert, um auch von zuhause aus arbeiten und publizieren zu können. Natürlich kommen bestimmt noch viele Dinge, die mich bei Mac OS nerven werden... beispielsweise? Akut fällt mir jetzt nichts wichtiges ein. Selbst mein in Oracle VirtualBox laufendes Windows 7 x64 läuft wie es soll. Allerdings sind hierfür die 2 GByte RAM meines Einstiegs-Mac-minis deutlich zuwenig – 8 GByte für 55 Euro sind schon bestellt. Unglaublich: Apple verlangt für 4 GByte Arbeistspeicher im Online-Shop statte 200 Euro! Kein Wunder, dass die Gewinne so hoch ausfallen. Jedenfalls ist das Preis-/Leistungsverhältnis des Mac mini für 599 meiner Meinung nach sehr in Ordnung. Die alte laute PC-Büchse vermisse ich bisher jedenfalls überhaupt nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Vilsbeck
Redakteur TecChannel












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