Zwei ungleiche Brüder

Nach etlichen Anlaufschwierigkeiten sind Funknetze dabei, ihren Platz in der Netzwerklandschaft zu finden. Derzeit stehen vor allem zwei Techniken im Fokus: Wireless LANs nach IEEE 802.11b und "Bluetooth".

Von: Pamela Hartl

Zwei Techniken dominieren derzeit die Diskussion um drahtlose Netze: Wireless LAN und Bluetooth. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden besteht darin, dass sie das lizenzfreie ISM-Frequenzband (Industrial, Scientific, Medical) bei 2,4 GHz nutzen. Bluetooth ist eine Spezifikation, die mehrere Firmen in Eigenregie entwickelten. Sie haben sich mittlerweile in der Bluetooth Special Interest Group (SIG) formiert. Der Wireless-LAN-Standard 802.11b dagegen stammt aus der Feder des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), also eines offiziell anerkannten Standardisierungsgremiums.

In der gängigen Low-Power-Version mit einem Milliwatt Sendeleistung hat Bluetooth eine Reichweite von zehn Metern und eine theoretische Datenrate von bis zu 1 MBit/s. In der Praxis werden wegen des Protokoll-Overheads etwa 720 kBit/s erreicht. Daher taugt das Verfahren nicht dazu, größere Datenmengen zu übertragen. Vielmehr eignet es sich für den Einsatz in mobilen Endgeräten. Dafür sprechen der geringe Stromverbrauch, die kompakte Bauweise der Komponenten und der - zumindest anvisierte - niedrige Preis.

Mithilfe von Access Points und WLAN-Printservern können Rechner oder mobile Geräte Dokumente via Funk zum Printer senden.

Mit Bluetooth lassen sich Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Multipunkt-Verbindungen aufbauen. Die Geräte handeln vor der Übertragung ein Schema aus, nach dem sie im Frequenzsprungverfahren (Frequency Hopping Spread Spectrum, FHSS) die Trägerfrequenz wechseln. Dies erfolgt bis zu 1600-mal pro Sekunde zwischen 79 Kanälen mit jeweils 1 MHz Bandbreite. Während der Kommunikation können sich die Partner innerhalb des Sendebereichs von zehn Metern bewegen. Eine Sichtverbindung ist nicht notwendig.

In den vergangenen Monaten rückte bei Funknetzen das Thema Sicherheit in den Mittelpunkt der Diskussion. Bei Bluetooth stellen Authentifizierungs- und Verschlüsselungsverfahren sicher, dass die Kommunikation ohne unerwünschte "Mithörer" abläuft. Mit dem Verfahren lässt sich auch Sprache übertragen. Dafür stehen bis zu drei synchrone Kanäle mit jeweils 64 kBit/s zur Verfügung. Mit Bluetooth lassen sich zudem temporäre Pico-Netze mit bis zu acht Teilnehmern aufbauen, wobei sich die Geräte automatisch erkennen. Ein Manko dieser Mininetze: Die Teilnehmer müssen sich die Bandbreite teilen, sodass nur geringe Datenraten erzielt werden.