Armin Trost über die moderne Arbeitswelt

Wenn das Mitarbeitergespräch schadet

Wer keine Mitarbeitergespräche führen kann oder will, ist ein schlechter Chef – dieser Aussage widerspricht Armin Trost. Der Professor für Personalmanagement fordert, dieses unbeliebte Standard-Instrument auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn im schlimmsten Fall könne es sogar schaden.

Mehr als 10.000 Zugriffe - mit so viel Resonanz hatte Armin Trost nicht gerechnet. Trost ist Professor für Personalmanagement an der Business School der Hochschule Furtwangen und hatte 2012 für den Harvard Business Manager eine Kolumne zum Thema Mitarbeitergespräche geschrieben, die Spiegel Online übernahm. Das Hamburger Nachrichtenmagazin zählte am ersten Tag nach Veröffentlichung über 10.000 Aufrufe. Trost hat einen Nerv getroffen. Für ihn genug Anlass, dieses Standard-Instrument "einmal gründlich auseinander zu nehmen", wie er gegenüber cio.de sagt. Das Ergebnis ist das Buch "Unter den Erwartungen - warum das jährliche Mitarbeitergespräch in modernen Arbeitswelten versagt".

Eines will der Experte klargestellt sehen: "Ich bin nicht grundsätzlich für oder gegen das Mitarbeitergespräch", so Trost. Seine Mission liegt darin, einen differenzierten Blick auf dieses komplexe Mittel der Personalführung zu werfen, um entscheiden zu können, ob und in welcher Form solche Gespräche zum jeweiligen Unternehmen passen. Und er will mit dem Klischee aufräumen, dass ein schlechter Chef ist, wer Mitarbeitergespräche nicht führen kann oder nicht führen will.

Wie Trost beobachtet, löst das Mitarbeitergespräch oft ein "komisches Gefühl" aus. Das gilt für Führungskräfte ebenso wie für deren Mitarbeiter. Dennoch scheint dieses Instrument fest etabliert und unersetzlich. Das würde der Experte gerne ändern.

Für den Personalmanagement-Professor beginnt die Manipulation schon mit dem Begriff. Gespräch, das klinge so flauschig. "Wer kann den etwas gegen ein Gespräch haben?", sagt Trost. Der Begriff verzerre, dass es sich um ein standardisiertes Bewertungsverfahren handelt, bei dem betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgefragt und Metriken wie Leistung, Kompetenz und Potenzial beurteilt werden. Geführt wird dieses "Gespräch" oft in einer Situation, die den Teilnehmern künstlich vorkommt. Weil sie künstlich ist.