4 Mobbing-Phasen

Was tun gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing kostet die Volkswirtschaft Milliarden. Betroffene sollten sich wehren, auch wenn das leider oft wenig bringt.

In den ersten Wochen dachte sich Alexandra Ruhling* gar nicht viel dabei. Sicher, es hatte dieses Abteilungs- und Teamleiter-Meeting gegeben, und sie war nicht wie sonst dazu eingeladen worden. Vielleicht ging es einfach um die geplante Umstrukturierung im Vertrieb. Mit diesem Thema hatte sie, die Leiterin eines Teams von Programmierern, ja ohnehin wenig zu tun.

Auch dass ihr Chef seit Tagen statt eines ‚Guten Morgen‘ nur noch ein gequältes nicken produzierte, wenn er ihr auf dem Flur begegnete, ließ bei ihr nicht die Alarmglocken schrillen. Hat wahrscheinlich mal wieder Ärger mit seiner Frau.

Wenn es Sekt gibt, haben sich alle ganz doll lieb. Oder sie tun zumindest so...
Wenn es Sekt gibt, haben sich alle ganz doll lieb. Oder sie tun zumindest so...
Foto: Heiber Fotostudio - Fotolia.com

Doch dann passierten noch zwei Dinge: Erstens fragten die beiden langjährigen Kolleginnen, mit denen Alexandra Ruhling meistens zu Mittag aß, sie dreimal hintereinander nicht, ob sie mitwolle in die Kantine, obwohl sie wie immer an ihrer offenen Bürotür vorbeigekommen waren. Das kam ihr doch irgendwie demonstrativ vor …

Ein paar Tage später schließlich, bei einer spontan angesetzten Besprechung mit ihrem Chef, zwei anderen Teamleadern und drei weiteren Kollegen, fragte der Chef sie völlig unerwartet, wie sie über die Pläne für den Vertrieb dachte. Und wie sie die jüngst auf dem Meeting diskutierten Ansätze beurteile.

"Was zum Teufel läuft hier ab?"

Als sie sagte: "Ich war nicht auf dem Meeting", und der Chef darauf in schlecht gespielter Verwunderung "Sooo? Warum das denn?" entgegnete, fiel bei Alexandra Ruhling endgültig der Groschen. Sie antwortete nicht, dachte aber jetzt: "Was zum Teufel läuft hier eigentlich ab?"

Oft geht Mobbing ausschließlich vom Vorgesetzten aus

Ruhling wurde gemobbt, das lief ab, weil man sie loswerden wollte. Die Geschichte ist in mehrfacher Hinsicht typisch. Erstens weil ihr Chef der Antreiber war: In 40 Prozent aller dokumentierten Fälle in Deutschland geht das Mobbing ausschließlich vom direkten Vorgesetzten aus. In weiteren zehn Prozent sucht dieser sich zusätzlich Verbündete beim Erniedrigen seines Opfers, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) herausgefunden hat.

Klassisch auch, dass Ruhling über die soziale Schiene gemobbt wird. Frauen grenzt man aus, grüßt sie nicht mehr, isoliert sie. Männern redet man ihre Leistung schlecht oder nimmt ihnen die Arbeit weg, gibt ihnen das Gefühl, nutzlos zu sein.