Was kommt nach 10-Gigabit-Ethernet?

Vom 12. bis zum 16. November traf sich in Austin (Texas) die Projektgruppe 802 des "Institute of Electrical and Electronics Engineers" zu ihrer 71. Sitzung. Mehr als 1000 Netzwerkspezialistenaus der ganzen Welt diskutierten über Themen wie 10-Gigabit-Ethernet, Stromversorgung über Twisted-Pair-Kabel sowie Ethernet als Zugangstechnik.

Von: Thomas Schramm, Bernd Reder

Im wahrsten Sinne des Wortes turbulent ging es auf dem 71. Meeting der IEEE-Arbeitsgruppe 802 in Austin zu. Zum einen wurde mit über 1000 Teilnehmern eine neue Rekordmarke erreicht, sodass sich die 20 Arbeitsgruppen auf zwei Hotels und ein Kongresszentrum in Austin verteilen mussten. Zusätzliche Unruhe brachte ein Tornado, der die Stadt mehrere Stunden lang in Angst und Schrecken versetzte.

Vorgesehen sind Punkt-zu-Punkt-Verbindungen (p2p) über Kupfer und Glasfaser, außerdem Punkt-zu-Multipunkt (p2mp) über Lichtwellenleiter und passive Splitter.

Zu den Aufgaben, mit denen sich die Teilnehmer des Treffens beschäftigten, zählte unter anderem der Feinschliff am 10-Gigabit-Ethernet-Standard IEEE 802.3ae. Mit 235 Stimmberechtigten verzeichnete diese Gruppe, wie auch bei den vergangenen Treffen, das größte Interesse. Dieses Mal waren außer den großen Netzwerkfirmen auch viele "Startup"-Firmen vertreten. In den Draft 3.3 wurden rund 150 Kommentare eingearbeitet, wodurch das Dokument auf über 500 Seiten anwuchs. Als Draft 3.4 gab die Working Group die neue Version anschließend zur Begutachtung frei. Sie enthält folgende Neuerungen:

- Einige technische Probleme wurden gelöst, etwa im Zusammenhang mit Jitter, Loopback-Steuersignalen und Testverfahren.

- Insgesamt 13 Firmen wiesen nach, dass sich die physikalischen Schnittstellen 10GBASE-SR und 10GBASE-SW technisch realisieren lassen. 10GBASE-SR ist für Multimode-Lichtwellenleiter mit 850 nm und eine serielle Kodierung vorgesehen; 10GBASE-SW ebenfalls für Multimode-LWL, jedoch im Zusammenspiel mit der Synchronen Digitalen Hierarchie (SDH).

- 10GBASE-LW4 feierte ein Comeback. Dieses Übertragungsverfahren war ursprünglich Bestandteil des 10-Gigabit-Standards, wurde jedoch im März 2001 entfernt. Beim Meeting in Austin feierte 10GBASE-LW4 nun auf Drängen der Firma Blaze ein Comeback und wird aller Voraussicht nach in den nächsten Draft eingearbeitet.

- Die Firmen Molex, Blaze Network und Pine Photonics belegten die technische Machbarkeit von 10GBASE-LX4, sprich einer Übertragung von 10 GBit/s mithilfe vier unterschiedlicher Wellenlängen. Ebenso wurde der Wunsch geäußert, bei Singlemode-Glasfasern die Übertragungsdistanz von 10 auf 40 Kilometer zu erhöhen.

Die endgültige Fassung der Spezifikation dürfte nicht, wie vorgesehen, beim nächsten Meeting im März kommenden Jahres verabschiedet werden, sondern erst im Juli. Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Yankee Group hat unterdessen den Markt für 10-Gigabit-Ethernet analysiert und bescheinigt der Technik ein beträchtliches Potenzial. Vor allem Geschäftskunden wünschen sich demnach flexiblere und günstigere Internetverbindungen in den Stadtnetzen. Allerdings sind die Umsätze mit Ethernet-Services in Metro-Netzen noch recht bescheiden. Für das laufende Jahr erwarten die Serviceprovider in den USA demnach Einnahmen in Höhe von 265 Millionen Dollar, im nächsten Jahr sollen es 548 Millionen Dollar sein.

Ein Vorschlag der Arbeitsgruppe 'DTE Power via MDI' sieht vor, Endgeräten im Netz den Strom indirekt über ein Patchfeld und nicht über einen Switch zur Verfügung zu stellen.

Nur unter der Hand wurde in Austin darüber diskutiert, wie der nächste Quantensprung bei Ethernet aussehen könnte. Einige Chiphersteller ließen anklingen, dass sie als nächsten Schritt am liebsten 40-Gigabit-Ethernet, und nicht die Version mit 100 GBit/s sehen würden. Es sei bereits bei 40 Gigabit schwierig, entsprechende Halbleiter-Bausteine zu entwickeln. Allerdings gibt es die Alternative, vier 10-GE-Kanäle zu multiplexen. Dafür ließe sich mit vertretbarem Aufwand ein Chip designen.

Eine andere Fraktion setzt sich dagegen für 100-Gigabit-Ethernet ein. Sie hält an dem bislang üblichen Verfahren fest, die Übertragungsrate in Zehnerschritten zu erhöhen. Hier stellt sich das gleiche Problem wie bei 40 Gigabit: Die Technik ist äußerst komplex, sodass entweder nur eine Multiplexing-Lösung infrage kommt oder optische Switches und Switching-Chips eingesetzt werden müssen. Vermutlich beim nächsten Treffen im März 2002 oder spätestens im Juli wird sich die IEEE-Arbeitsgruppe mit dem Thema beschäftigen, welcher Gigabit-Ethernet-Standard als nächster in Angriff genommen werden soll.