WAP wird doch noch professionell

Mäkeleien über die mobile Internet-Variante WAP (Wireless Application Protocol) gehören unter Anwendern und Analysten fast schon zum guten Ton. Die Anbieter haben Erwartungen geweckt, denen die Technik bisher nicht gerecht werden konnte. Ein Blick aufs Machbare korrigiert das Negativ-Bild.

Von: Achim Born

Für Scott Goldman, den CEO der US-Industrieorganisation "WAP-Forum", ist der Erfolg des Wireless Application Protocol keine Zukunftsmusik. Er schmettert jede Kritik ab. "WAP-Geräte, Inhalte und Anwendungen werden bereits heute genutzt", lautet sein Credo. Goldmann rührt die Marketing-Trommel überall auf der Welt und versucht, seine Thesen auf Veranstaltungen mit Statistik zu untermauern. Mehr als 50 Millionen WAP-Handys sollen weltweit schon verkauft worden sein. Immerhin acht Millionen Anwender nutzen Goldmanns Zahlen zufolge regelmäßig WAP-Dienste, die auf 10 000 Sites und mehr als fünf Millionen lesbaren Seiten basieren. 139 Carrier, so führt der Forum-Chef weiter aus, stellen weltweit schon entsprechende Services bereit oder führen sie bald ein. "Legt man die Seiten zugrunde, wächst WAP vier- bis fünfmal schneller als das WWW", wusste Goldmann jüngst in München zu berichten.

von WAP-Diensten, die auf deutschen Portalen gelistet sind, dominieren laut den Berliner Marktforschern die Angebote von Inhalten mit 81 Prozent deutlich gegenüber M-Commerce-Angeboten im engen Sinne (14 Prozent).

All diesen Zahlen zum Trotz skizzieren Marktforscher ein eher düsteres Bild des aktuellen WAP-Einsatzes. Insbesondere das European Research Center von Forrester Research äußerte vernichtende Kritik. Die Analysten überprüften fünfzig WAP-Seiten und kamen zu einem ernüchternden Resümee: Der Inhalt sei ungenügend, das Navigieren umständlich, die Integration der Anwendungen mangelhaft - und Texte fänden sich nur in englischer Sprache.

Die Boston Consulting Group (BCG) befragte knapp 1800 Personen in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan, den USA und Australien und stellte fest, dass hierzulande jeder dritte Handy-Nutzer nach erfolglosen Versuchen den Mobile-Commerce-Angeboten keine zweite Chance einräumt. Laut Forrester nutzen gerade einmal 0,5 Prozent der französischen und 1,9 Prozent der deutschen Mobilfunker WAP-Funktionen. Selbst in Schweden, einem der Musterländer der drahtlosen Kommunikation, zeigten nach BCG-Recherchen bislang 63 Prozent der WAP-Handy-Besitzer den mobilen Internet-Angeboten die kalte Schulter.

Trotz dieses wenig erfreulichen Stimmungsbilds rechnen zwei Drittel der von BCG Befragten mit einem großen Potenzial für M-Commerce und gehen davon aus, dass das Handy in absehbarer Zeit in die Rolle eines persönlichen Assistenten schlüpfen werde. Neuere Versuche von BMW, in ihre 7-er Reihe unter tatkräftiger Hilfe von Mannesmann Tele Commerce (MTC) einen persönlichen Assistenten einzubauen, der mittels SMS und WAP kommuniziert, nähren diese Einschätzung. Auch die von Mobilcom gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beabsichtigte Gründung der "Mobilbank" soll ihre Services zunächst über SMS und WAP bereitstellen. Die Anhängerschaft vergrößern könnten auch Bestrebungen, Vielfliegern an Flughäfen das Einchecken via WAP zu ermöglichen.