VIA baut DDR-Chipsatz für Pentium 4

Auf der Platform Conference in San Jose hat VIA erstmalig angekündigt, schon im ersten Quartal 2001 einen DDR-Chipsatz für Intels Pentium 4 (Codename Willamette) anbieten zu wollen. Intel setzt vorerst auf Rambus - dennoch könnten die VIA-Pläne Intel sehr gelegen kommen.

Die ersten Pentium-4-Systeme mit Intels Chipsatz i850 (Codename Tehama) werden ausschließlich mit Rambus-Modulen zu bestücken sein. Auch beim derzeitigen SDRAM-Höhenflug ist Rambus-Speicher noch immer viel teurer: Ein PC-100-Modul mit 128 MByte SDRAM ist für rund 330 Mark zu haben, für ein PC-800-Modul mit DRDRAM ist mit rund 1200 Mark mehr als das dreifache zu bezahlen.

Dieser Aufpreis könnte die Markteinführung des Pentium 4, mit der im September zu rechnen ist, massiv behindern. So wundert es nicht, dass auch schon erste Gerüchte   über einen Nachfolger des i850 mit DDR-Support die Runde machen.

Zwischenlösung: Pentium-4-Boards mit i850/Tehama-Chipsatz

(Bild mit freundlicher Genehmigung von The Register)

Intel hat mit der Entwicklung eigener DDR-Chipsätze jedoch ein Problem. Nach einem Ende 1996 geschlossenen Vertrag mit der Firma Rambus hat sich der Chip-Gigant eine Option auf eine Million Rambus-Aktien zum Spottpreis von je 10 Dollar gesichert. Nach dem letzten Schlusskurs von Rambus stellt diese Option einen Wert von 945 Millionen Dollar dar, für die Intel nur 10 Millionen Dollar bezahlen müsste.

Bedingung ist jedoch, dass Intel in zwei aufeinander folgenden Quartalen mehr als 20 Prozent seiner verkauften Chipsätze mit Rambus-Support versehen hat. Die Bestätigung dieses Ende Mai erstmals von der US-Zeitschrift Forbes zitierten Deals findet sich in den SEC-Filings der "Securities and Exchange Commission". In diesen Mitteilungen müssen US-Unternehmen die Pläne zum Verbleib ihrer Aktien veröffentlichen.

Der Deal: Intel verkauft viele Rambus-Chipsätze und wird mit Aktien belohnt.

Daraus folgt für Intel: Will man die Rambus-Aktien wirklich haben, so muss man die DRDRAM-Technologie von Rambus kräftig unterstützen und andere Lösungen wie DDR-RAM möglichst links liegen lassen. Mit teurem Rambus-Speicher aber würde sich der Pentium 4 zum Start kaum gut verkaufen.

Aus dieser Zwickmühle will sich Intel nun offenbar mit Hilfe von VIA befreien. Der Marketing Director des taiwanischen Unternehmens, Eric Chang, kündigte am Mittwoch auf der "Platform Conference" in San Jose an, dass VIA schon im ersten Quartal 2001 einen DDR-Chipsatz für den Pentium 4 ausliefern wolle.

Das überrascht, da sich Intel und VIA seit Jahren in einem Patentstreit befinden, bei dem es unter anderem um die Bus-Protokolle von Intel-CPUs geht. Von beiden Unternehmen ist derzeit keine eindeutige Stellungnahme zu erhalten, ob die jüngste Einigung auch den neuen Bus des Pentium 4 abdeckt, über den tecChannel.de bereits berichtet hatte.

Wenn Intel VIA wirklich großzügig die Rechte für den Pentium-4-Bus einräumt, könnte dies für das Unternehmen einen geradezu genialen Schachzug darstellen: Da Intel an CPUs immer noch weit mehr als an Chipsätzen verdient, lässt sich das eigene Chipsatz-Geschäft zu Gunsten der Rambus-Aktien vorläufig opfern. Die "enabling technology" für eine breite Akzeptanz des Pentium 4 käme dann eben von VIA. (nie)