Xeon als Königmörder

Unisys sieht keine Zukunft mehr für Intel Itanium

Der IT-Dienstleister Unisys, einer der zehn größten Hersteller von Itanium-Servern, will sich offenbar von Intels IA64-Architektur zurückziehen und nur noch Xeon-Server anbieten.

Derzeit feiert Unisys einen Benchmark-Rekord seines "ES7000 Model 7600R" mit Sechskern-Xeons ("Dunnington"). Die Maschine erzielte im Datenbank-Test TPC-H mit einer 10 TByte Datenbank eine deutlich höhere Leistung als ein mehr oder weniger vergleichbarer "Superdome"-Integrity von Hewlett-Packard. Der HP-Itanium-Server erledigte 63.650,9 Abfragen pro Stunde, das Unisys-System dagegen 80.172,2 Queries pro Stunde. Dabei ist das Itanium-System mit 2,5 Millionen US-Dollar rund eine Million Dollar teurer als der Xeon-Server.

Itanium mit Sechskern-Xeons locker versägt: Der ES7000 7600R von Unisys.
Itanium mit Sechskern-Xeons locker versägt: Der ES7000 7600R von Unisys.

Colin Lacey von Unisys sieht für Itanium keine Zukunft mehr. "Sein Reiz hat deutlich nachgelassen. Eigentlich ist nur noch ein Hersteller bei der Stange geblieben", zitieren die Kollegen der "ix" den Unisys-Mann. Gemeint ist natürlich Hewlett-Packard, deren Ingenieure den Itanium gemeinsam mit Intel entwickelt haben. Damit wollte man die hauseigene "PA-RISC"- sowie die mit Compaq übernommene "Alpha"-Architektur ablösen. Die Entwicklungskosten schätzen Branchenkenner auf zehn Milliarden Dollar.

Ein Die des noch immer aktuellen Dual-Core-Itanium 'Montecito'.
Ein Die des noch immer aktuellen Dual-Core-Itanium 'Montecito'.

Intel und HP hatten allerdings das Problem der Abwärtskompatibilität zu vorhandener 32-Bit-Software unterschätzt. In diese Bresche sprang dann zunächst der Intel-Konkurrent AMD, dessen "Opteron"-Prozessoren 64 Bit adressieren, aber trotzdem 32-Bit-Programme in praktisch voller Geschwindigkeit ablaufen lassen konnten. Intel war gezwungen, seine 32-Bit-Xeon-CPUs auch auf 64 Bit zu erweitern. Seitdem wurde Itanium mehr und mehr ins HPC (High-Performance Computing) verdrängt und war zu keinem Zeitpunkt so erfolgreich, wie seine Erfinder ursprünglich geplant hatten.

Erschwerend kam hinzu, dass Intel bei der Itanium-Roadmap schon häufig Features streichen und Produkte verschieben musste. Der bereits für 2007 avisierte Vierkern-Itanium (Codename "Tukwila") ist bis heute nicht erhältlich und wurde gerade erst wieder von Intel um ein weiteres halbes Jahr verschoben. Fast zeitgleich wird Intel aber dann den neuen Xeon "Nehalem-EX" herausbringen. Dieser MP-Xeon mit neuer Mikroarchitektur und integriertem Memory Controller dürfte im x86-Bereich einen weiteren großen Sprung bei der Leistung bringen.

Da hilft auch das geballte Marketing von Intel etwa im Rahmen der im Jahr 2006 gegründeten Itanium Solution Alliance wohl nichts mehr. Diese wollte zehn Milliarden Dollar ausgeben, um der Kunschaft Itanium-Lösungen anzupreisen. X86 hat das Rennen gemacht - nicht zuletzt deswegen, weil es ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. (ala)