Theorie gut, Praxis mangelhaft

In der Theorie ist es kein Problem, ein Netz aufzubauen, das "Quality of Service" zur Verfügung stellt. Doch die Realität sieht anders aus. Komplizierte Konzepte, herstellerspezifische Ansätze und fehlende Standards haben sich als Hemmschuhe erwiesen.

Von: Kai-Oliver Detken, Bernd Reder

Jahrelang wurden die Begriffe "Asynchroner Transfermodus" (ATM) und "Quality of Service" (QoS) quasi synonym verwendet. Es kam die These auf, eine "echte" Dienstgüte sei nur in ATM-Netzen möglich. Quality of Service à la ATM ist verbindungsorientiert und legt für einzelne Datenflüsse die Verkehrs- und QoS-Parameter fest. Ein Vorteil von ATM ist, dass mit dem "Private Network to Network Interface" (P-NNI) ein intelligentes Routing-Protokoll implementiert ist, das QoS mit einbezieht - im Gegensatz zur IP-Welt mit Verfahren wie "Open Shortest Path First" (OSPF). Allerdings ist das Routing bei ATM kompliziert, weil mehrere Parameter gleichzeitig zu berücksichtigen sind.

Das notwendige Mapping zwischen den Schichten ist ein Grund für die Komplexität von QoS-Ansätzen.

Ein relativ neuer ATM-Dienst ist die "Guaranteed Frame Rate" (GFR), die in der Spezifikation Traffic Management 4.1 enthalten ist. Sie lässt die Übertragung von Paketen zu, in die Zellen "eingepackt" sind. Allerdings wird GFR keine große Bedeutung beigemessen, weil viele Hersteller von Netzwerksystemen inzwischen Switching auf Grundlage von Frames und nicht von Zellen verwenden. Moderne ATM-Switches unterstützen heute bis auf GFR alle Dienstkategorien.