SYSTEMS: Wer baut VIAs Mainboards?

Via hat die SYSTEMS genutzt, um seinen Einstieg ins Mainboard-Geschäft zu erläutern. So will man vorerst nur Boards mit dem Chipsatz P4X266 anbieten, um die Chipsatz-Kunden nicht zu verärgern. Wer die Pentium-4-Boards herstellt, wollte VIA nicht verraten.

"Jetzt beginnt das Spiel Such-den-Mainboard-Hersteller" meinte Vias Marketing-Chef Richard Brown am Dienstag in München etwas zerknirscht. In der Tat wird Vias neues Mainboard-Engagement auf der Messe heiß diskutiert.

Die neue Abteilung " VIA Platform Solutions Division" (VPSD) soll in Zukunft unter Vias eigenem Markennamen Mainboards entwickeln, herstellen und vertreiben. Das macht Intel bereits, und zwar sowohl mit verpackten Produkten für den Fachhandel als auch mit OEM-Boards, die in der Vergangenheit häufig in PCs von Gateway und Dell anzutreffen waren.

Via bleibt seinem Konzept der "fabless company" mit der neuen Division treu - die Firma besitzt kein Werk, in dem die Boards hergestellt werden könnten. Folglich sucht man sich auf der Heimatinsel Taiwan Hersteller, die das übernehmen sollen. Welche das sind, wollte Via geheim halten, um die Geschäfte dieser Board-Hersteller zu schützen.

Offiziell Soltek: Vias "P4X266 PR22-R" mit IDE-RAID.

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) war jedoch Soltek vorgeprescht und pries sich in einer Pressemitteilung als Via-Partner an. Mit den von Via auf der SYSTEMS gezeigten Boards war dann auch noch eine andere Partei enttarnt: Die Journalisten waren sich ob der zusätzlichen USB-Anschlüsse einig, dass das zweite Board der VPSD von DFI gefertigt wird. Via wollte das weder bestätigen noch dementieren. Auch FIC stellt möglicherweise bald Via-Boards her, da das Unternehmen wie Via zum Konzern Formosa Plastics gehört.

Vermutlich DFI: Das "P4X266 PE11-L" mit Via-Label.

Vias Engagement als Board-Hersteller hat vor allem zwei Gründe. Zum einen will man das durch Bugs und Kompatibilitäts-Probleme beschädigte Image der eigenen Chipsätze aufpolieren. Richard Brown meinte dazu: "Motherboards werden einer ganzen Reihe von Sünden bezichtigt". Wenn bei einem selbstgebauten PC etwas nicht funktioniere, werde immer gleich das Mainboard verdächtigt. Daher will Via nun selbst Boards von hoher Qualität anbieten, und etwa über die Website Via Arena auch Support bieten. Die von Via-Chef Wenchi Chen im tecChannel-Interview im Juni angekündigten Änderungen werden also endlich sichtbar.

Der zweite Grund für Vias Einstieg ins Mainboard-Geschäft liegt am andauernden Rechtsstreit mit Intel um den P4X266-Chipsatz, dessen Test Sie hier finden. Fürs Erste plant Via, nur Mainboards mit diesem Chipset anzubieten, damit andere Hersteller nicht gleich mitverklagt werden, wie das schon Elitegroup passiert ist (wir berichteten). Den Bestseller KT266 für AMD-CPUs verbaut Via vorerst nicht, Brown dazu: "Unsere Kunden würden uns umbringen!"

Noch in diesem Jahr sollten die Via-Boards im Laden stehen. Eine Übersicht der Produkte und Ausstattungsmerkmale findet sich hier. Zu den Preisen machte Via noch keine Angabe. (nie)

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