Best Practices werden ignoriert

Stillstand beim Projektmanagement

Das Institut PMI stellt in einer Studie fest, dass immer noch nur rund 12 Prozent der Firmen die Wettbewerbsvorteile von herausragendem Projektmanagement nutzen. Wissenstransfer, Firmenkultur und Talentmanagement könnten Hebel für Verbesserung sein.

Vorsicht, jetzt kommt ein ganz alter Hut: Mehr als ein Drittel aller Projekte gehen schief; Projektmanagement ist weithin ein Feld des Scheiterns. Ja, das weiß jeder CIO, das erleben die meisten tagtäglich, und gelesen haben sie das auch schon oft - vor zig Jahren wahrscheinlich das erste Mal. Da muss die Frage nach dem Neuigkeitswert erlaubt sein, zugestanden. Also: Eine Studie des Project Management Institute (PMI), für die tatsächlich erst im Januar 2015 fast 2.500 Projektverantwortliche weltweit befragt wurden, liefert als eine zentrale Erkenntnis genau das. Der alte Hut ist ein Evergreen; seine Gestalt ändert sich nicht.

Schier unverrückbare Größe: Seit Jahren liegt die Quote erfolgreicher Projekte bei rund zwei Dritteln.
Schier unverrückbare Größe: Seit Jahren liegt die Quote erfolgreicher Projekte bei rund zwei Dritteln.
Foto: PMI

Projektmanagement - eine Oase des Stillstands

Langweilig? Eher das Gegenteil. Denn eigentlich verändert sich doch alles rasend schnell. Und fast jeder vermeintlich begrabene Hype nimmt irgendwann doch Fahrt auf. Cloud Computing, Big Data, Internet der Dinge - die Themen mögen sich eine Weile zäh entwickeln, aber irgendwann tun sie genau das. Projektmanagement hingegen erscheint als Oase des Stillstands in unglaublich schnelllebigen Zeiten.

So sind weiterhin nur 64 Prozent aller Projekte halbwegs erfolgreich. Das ist eine Kennziffer, die das PMI ermittelt hat. Und dieser Wert liegt seit vielen Jahren immer bei 64 Prozent. Nur ab und an gibt es Ausnahmejahre, in denen es dann immer noch 62 Prozent sind. Außerdem ist die PMI-Studie eine jener Untersuchungen, die High Performer in ihrem Segment mit dem Rest des Feldes vergleicht. Es sind 12 Prozent der Firmen, die sich als besonders erfolgreich hervortun. Auch hier sind es seit Jahren 12 Prozent.

In Geld ausgedrückt heißt das: Von jeder Milliarde, die für Projekte und Programme ausgegeben wird, werden 109 Millionen nach PMI-Lesart schlicht und einfach verschwendet. Das Institut hat selbstverständlich eine Botschaft, die sie mit gewissem Eifer vertritt. PMI-Präsident Mark A. Langley schließt sein Vorwort im klassischen Prediger-Stil: "Spread the word - and let's do great things together."

Wie beim Lesen des Evangeliums

Und ja, es ist wie in der Kirche beim Lesen des Evangeliums, in dem nun auch nicht plötzlich etwas anderes drinsteht als dereinst aufgeschrieben. Das PMI geht durchaus davon aus zu wissen, was die High Performer konkret besser machen als die anderen. Diese Botschaft ist in diesem Jahr deshalb auch nicht substanziell anders als in der Vergangenheit. Nur dass es neue Zahlen gibt, die das Erfolgsgeheimnis an sich ziemlich anschaulich enthüllen.

Aber verändern oder gar bessern will sich flächendeckend offenbar nichts. Die Baustelle Projektmanagement bleibt eine Baustelle bleibt eine Baustelle. Und im kommenden Jahr wird sie das auch noch sein. Wer es aber besser machen will, erfährt von Langley diesen Tipp: Back to basics!

Drei Pfade zu mehr Erfolg

Es seien, ganz grundsätzlich, erst einmal drei fundamentale Wege, die back to basics führen, so das PMI:

1. Kultur: High-Performer verstehen die Wertigkeit von Projektmanagement und schaffen eine förderliche Denkart in ihren Organisationen.

2. Talent: Die erfolgreichen Firmen legen in signifikanter Weise mehr Augenmerk als andere auf Talentmanagement, fortlaufende Schulungen sowie formellen und effektiven Wissenstransfer.

3. Prozesse: Die Vorreiter unterstützen Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement durch standardisierte Praktiken. Und sie tun das, indem sie Projekte und Programme mit der Unternehmensstrategie verzahnen.