Zehn Jahre SNW

Speichermesse zeigte viele neue Architekturen

Storage bleibt spannend. Die Hersteller versuchen mit unterschiedlichen Herangehensweisen die Performance-Probleme im Speicherbereich zu beheben und der Datenvolumina Herr zu werden.

In diesem Jahr feierte die Storage Networking World (SNW) ihr zehnjähriges Bestehen. Seit einiger Zeit sind die beiden Fachmessen "Virtualization World" und "Datacenter Technologies" in das Messekonzept integriert. Interessant waren aber vor allem die jungen Unternehmen aus der Speicherbranche, die ihre innovativen Lösungen teilweise erstmalig in Europa präsentierten.

Frankfurt war Ende Oktober wieder zwei Tage lang das Mekka für Storage-Interessierte.
Frankfurt war Ende Oktober wieder zwei Tage lang das Mekka für Storage-Interessierte.
Foto: poweringthecloud.com

Wie schon im Vorjahr beherrschte - neben Software-Defined Storage - das Thema Flash- und Solid-State Disk (SSD) die Messe. Das liegt vor allem daran, dass die Anwender nach Lösungen suchen, die ihre Speicherlandschaften beschleunigen. Seit die Zahl der virtuellen Maschinen auf den Servern steigt, hinken herkömmliche Magnetspeicher zunehmend hinterher, die kaum mehr in der Lage sind, die benötigten Daten zeitgerecht bereitzustellen oder neue Informationen abzuspeichern. Die I/O-Systeme kämpfen mit den vielen Schreib- und Lesezugriffen, die die neuen Host-Rechner erzeugen, die zudem zufällig und kaum vorhersehbar auftreten und so Festplatten stark beanspruchen und Zugriffe verlangsamen.

Clevere Designs

Auf den Speicherbedarf virtueller Maschinen hat sich das Unternehmen Tintri aus dem kalifornischen Mountain View spezialisiert. Deren Speicher-Arrays aus der Serie "VMstore T600" sollen "VM aware" sein. Die Speicher arbeiten auf der Ebene der virtuellen Maschinen und dem vDisk-Level statt wie herkömmlicher Storage mit LUNs und Volumes. Das soll die Einrichtung und Verwaltung von Speicherplatz für virtuelle Maschinen vereinfachen und zudem die Überprovisionierung einzelner virtueller Maschinen mit Storage verhindern. Zudem haben die Kalifornier den Systemen schnelle SSD-Platten eingebaut, die die normalen Festplatten ergänzen. Der Hersteller hat dafür das patentierte "First-Flash"-Design entwickelt, das dafür sorgen soll, dass 99 Prozent aller I/O-Transaktionen mit Daten aus dem Flash-Speicher abgewickelt werden. Das erhöht den Durchsatz und reduziert die Latenzzeit. Tintris VMstore-Speicher sind in Deutschland beispielsweise bei Arrow ECS erhältlich.

Nimble Storage aus dem kalifornischen San Jose mit Niederlassung in Hamburg will mit einem anderen Ansatz den Flaschenhals beim Speichern beseitigen. "Der Random-I/O beansprucht Festplatten über Gebühr und erhöht deren Zugriffszeiten", erklärt Klaus Kupfer, Senior Systems Engineer von Nimble. Deshalb hat die Company ein Design entwickelt, bei dem bei einem zufälligen Zugriff die Datenblöcke in einem schnellen Zwischenspeicher, dem "Stripe", gesammelt und danach sequentiell auf die Festplatte geschrieben werden. Ein weiterer Vorteil der Lösung ist, dass für den Zwischenspeicher kostengünstige NAND-Bausteine vom Typ MLC und ebenfalls preiswerte SATA-Platten statt teurer SAS-Drives verwendet werden können. Zahlreiche Konfigurationen mit unterschiedlichen Controllern und Zwischenspeichergrößen stehen zur Verfügung. Die Preise für die iSCSI-Geräte starten bei rund 30.000 Euro, demnächst sollen auch FC-Arrays auf den Markt kommen.

Unter dem neuen Firmennamen X-IO (früher Xiotech) präsentierte die ehemalige Seagate-Divison ihre FC-Arrays. Clou der Lösung sind versiegelte "Intelligente Storage Elemente" (ISE), die 40 SAS-Platten im Chassis enthalten. "Die Laufwerke sind vibrationsfrei und kühl gelagert und somit geschützt gegen die hauptsächlichsten Ausfallursachen von Harddisk", erklärt Gavin McLaughlin, X-IOs Solutions Development Director EMEA, die Technik. Falle tatsächlich einmal eine Platte aus, werden die defekten Sektoren einfach stillgelegt. Der Hersteller hat auch eine Variante mit 30 Festplatten und zehn SSDs im Angebot und gibt fünf Jahre Garantie auf die Geräte.

Ganz ohne Festplatten kommen die "Deep-Storage"-Speicher von Spectra Logic aus. Die "Black Pearl"-Appliance ist für sehr große Datenvolumina konzipiert und enthält einen SSD-Cache-Speicher, der die Daten sammelt und dann auf Band schreibt, also archiviert. Das System unterstützt die DS3-Schnitsttelle und macht damit Daten, die auf Band gelagert sind, zugreifbar für Web-Services. Violin Memory, Marktführer bei Arrays, die nur aus Flash-Bausteinen aufgebaut sind, hat die Kapazität verdoppelt, so dass jetzt 64 TB zur Verfügung stehen. Zudem hat die Company aus Santa Clara, Kalifornien, jetzt auch Flash-Speicherkarten und Software für Management und Reporting im Angebot. Ebenfalls überarbeitet hat Datacore den Storage-Hypervisor "SANsymphony-V", der jetzt über bis zu 16 Knoten skaliert, Daten unterbrechungsfrei zwischen Daten-Pools transferiert oder nicht mehr genutzten Speicherplatz effizienter zurückgewinnt.

Speicherlandschaften überwachen und optimieren

Für Anwender mit großen Datenbeständen und vielen Storage-Systemen bietet Aptare die "StorageConsole" an. Die Softwaresuite, die auch von HDS als OEM-Produkt unter der Bezeichnung "Storage Viewer" vermarktet wird, enthält Programme zur Kapazitätsauslastung heterogener Speicherlandschaften, für die Analyse großer Volumen an unstrukturierten Daten oder für das Reporting von SAN-Netzen oder Backup. Storage- oder Cloud-Provider sollen damit nicht nur eine bessere Auslastung der Systeme erreichen, sondern auch ein Werkzeug für Charge-Back und Planung erhalten. Kostenpunkt: rund 265 Dollar pro TB.

Foto: poweringthecloud.com

Einen ähnlichen Zweck verfolgt Virtual Instruments mit "VirtualWisdom", ein Werkzeug für Infrastructure Performance Management. Laut Hersteller wurde die Lösung bereits in Hunderten der weltweit größten Rechenzentren installiert, wo sie dazu benutzt wird, die Reaktionszeit von Anwendungen zu verkürzen, die Ausfallhäufigkeit zu verringern und die Performance und Auslastung der Infrastrukturen zu verbessern. Neues Mitglied der Familie ist "ProbeFC8-HD48" mit 48 Ports für FC-SANs.

Aktuelle Aufgaben der SNIA

Mitveranstalter der SNW ist traditionell die Storage Networking Industry Association, der Zusammenschluss der Speicherhersteller. Dort werden Standards vereinbart aber auch - was viele nicht wissen - kostenlose Tutorials und Schulungen für Endanwender veranstaltet. Derzeit tüftelt man an den Standards für das "Storage Management Interface" (SMIS), für das "Linear Tape File System" und für die "Non-volatile Memory"- Programmierung. Abgeschlossen und als ISO-Standard verbschiedet wurde kürzlich die Schnittstelle für das Cloud Data Management (CDMI).

Zehn Jahre SNW

Von den großen Speicheranbietern gaben sich Dell, HP, Oracle und Netapp die Ehre, Schwergewichte wie IBM, Hitachi Data Systems oder EMC glänzten durch Abwesenheit oder nutzten die Freifläche vor dem Frankfurter Congress-Zentrum dazu, ihr Angebot aus einem Lieferwagen heraus zu präsentieren. Laut Veranstalter soll in diesem Jahr die Zahl der qualifizierten Besucher gegenüber 2012 leicht gestiegen sein. Es dürften also wieder rund 1200 Interessierte den Weg nach Frankfurt am Main gefunden haben, die neben der Ausstellung auch aus einem umfangreichen Seminarangebot auswählen konnten.