Server vermitteln zwischen Welten

Als zentrale Schaltstelle zwischen den Internet- beziehungsweise Web-Anwendungen und den vorhandenen IT-Lösungen in Unternehmen sollen Application-Server für das reibungslose Miteinander sorgen. Dabei profitiert die neue Middleware-Kategorie insbesondere von der wachsenden Akzeptanz von Java als Servertechnik.

Von: Achim Born

Unternehmen stehen heute vor einem Dilemma. Sie verfügen weder über die Finanzkraft noch die erforderliche Zeit, ihre bestehende Anwendungswelt gänzlich durch neue Web-Anwendungen abzulösen. Sie können es sich auch nicht erlauben, im Internet-Zeitalter abseits zu stehen. Ebensowenig wollen die IT-Verantwortlichen aber die erreichte Qualität und Sicherheit der eigenen DV gegen das sprichwörtliche Internet-Chaos eintauschen.

prognostiziert das britische Marktforschungsunternehmen Ovum für den weltweiten Markt der Web-Application-Server.

Als Ausweg aus dieser Zwickmühle haben Hersteller die "Middleware-Spezies" der Application-Server erdacht, die als ordnende Instanz die diversen Interessen unter einen Hut bringen soll. Für die Analysten von Ovum steht es auch außer Frage: "Application-Server werden Ecksteine der nächsten Generation von IT-Infrastrukturen". Entsprechend optimistisch fallen die Prognosen aus. Gleichwohl eröffnet sich dem Anwender weiterhin ein Marktsegment mit unüberschaubaren Strukturen, in dem beinahe täglich neue Anbieter mitmischen wollen, während andere sich durch Aufkauf oder ähnliches als eigenständiges Unternehmen verabschieden.

Der Mangel einer allgemein verbindlichen Definition sorgt ebenfalls nicht gerade für Transparenz. Forrester Research beschreibt beispielsweise einen Application-Server einfach als ein Softwareprodukt, das schlanke Clients mit einer integrierten Suite verteilter Betriebsmöglichkeiten verbindet. Folglich unterstützen sie Client-Sitzungen, beinhalten und managen die Verbindung zu Ressourcen im Hintergrund, zum Beispiel Datenbanken, Inhalte oder Transaktionen. Wird dieser Definitionsansatz noch um eine Entwicklungsumgebung ergänzt, trifft man in etwa den Leistungsumfang heutiger Produkte. Deshalb ist es schwierig, eine genaue Grenze zwischen Application-Server und Web-Entwick- lungsumgebung zu ziehen. Neben den bekannten Middleware-Veteranen und -Newcomern wollen zunehmend auch Anbieter integrierter Entwicklungssysteme ihr Stückchen vom "Marktkuchen" ergattern. Zu dem Zweck ergänzen sie ihre Produkte um entsprechende Runtime-Umgebungen.

'Web live' nennt Spex, eine Tochter der Meta Group, diesen Architekturansatz.

Eine eher technische, wenn auch nicht uneigennützige Sichtweise pflegt die OMG (Object Management Group) mit ihrer Definition "einer gemeinsamen Plattform für Application-Server". Sie baut in erster Linie auf dem Fundament von Corba (Common Object Request Broker Architecture) sowie EJB (Enterprise Java Beans) auf. "Damit Anwendungsserver eine erfolgreiche Geschäftslösung für Unternehmen darstellen, müssen sie zwei Grundvoraussetzungen bieten: interoperable Dienste und Portabilität", erläutert Dr. Richard Soley den Ansatz. Und der OMG-Chef verhehlt nicht seine Freude, daß die meisten Anbieter in jüngster Zeit genau dieser Idee - Java für die Portabilität und Corba für die Interoperabilität - folgen.

Hierin spiegeln sich zwei Entwicklungen wider. Zum einen bekennen sich die Hersteller nach proprietären Versuchen nun mehr und mehr zu einer offenen Architektur. Zum anderen finden die Sun-Bemühungen, Java auf der Server-Seite zu etablieren, zunehmend Anhänger.

Java wird künftig vom Einsatz bei Anwendungen und Application-Servern geprägt.

Mit der Spezifikation der Enterprise-Java-Beans nahm sich der Workstation-Pionier explizit der Themen Persistenz, Transaktionsmanagement, Sicherheit und Lastverteilung an. Im Rahmen der EJB-Architektur übernimmt ein sogenannter Container als Ablaufumgebung alle Arbeiten wie Speicherung, Transaktionsabwicklung sowie Sicherheit und reicht von außen ankommende Methodenaufrufe an das Java-Programm weiter. Via IIOP (Internet Inter-ORB-Protokoll) und EJB-Corba-Mapping lassen sich diese Container, beziehungsweise die übergeordnete Instanz der EJB-Server, von beliebigen Corba-Clients ansprechen.

Eine Reihe von Herstellern arbeiten derzeit an solchen spezialisierten EJB-Servern und/oder ergänzen ihre bisherigen Middleware- beziehungsweise Broker-Angebote um entsprechende Funktionalität. So verknüpfte Iona die Corba-basierte Produktfamilie für Middleware unter dem Dach "Orbix Home" mit EJB-Containern. Objectspace, ein US-Newcomer, veredelte den in Java implementierten Corba-konformen ORB (Object Request Broker) "Voyager" zu einem vollständigen Anwendungsserver, der neben Corba und DCOM (Distributed Component Object Model) nun Jini, RMI (Remote Method Invocation) sowie Java, mit EJB als präferiertes Komponentenentwicklungsmodell, unterstützt.

IBM offeriert seit kurzem den Anwendungsserver "Websphere" in drei Ausführungen und strebt damit eine mit Bea vergleichbare Strategie an: Als Standard-Edition ohne besondere Transaktionsmanagement-Funktionalität, als Advanced-Edition für Transaktionsverarbeitung mit EJB sowie als Enterprise-Edition, die zusätzlich Transaktionsmonitoring wie Cics und Datenbankanschluß an DB/2 und Oracle unterstützt. Die Liste der EJB-Serveranbieter läßt sich beinahe beliebig fortsetzen.