"Sehr gut" mit Vorbehalt

Der modulare Layer-3-Switch verspricht mittelständischen Firmen eine performante Backbone-Anbindung. Leider schickte uns der Hersteller ein schwarzes Schaf, denn die Quality-of-Service und das Routing im Gigabit-Ethernet hatten Fehler. Glänzend absolvierten jedoch die übrigen Module unsere Performance-Tests.

Von: Herbert Almus, Inti Florez-Brandel, K. Plessner

Nachdem 3Com vor einigen Monaten im Zuge einer Restrukturierung aus dem Geschäft mit Ethernet-Switches für große Unternehmensnetze ausgestiegen war, begann man im Sommer die Produktion der Nachfolger zur "Corebuilder"-Reihe, mit Layer-3-Geräten der Workgroup- und Backbone-Klasse. Damit nicht der Eindruck entsteht, der Hersteller sei inkonsequent, spricht er mit den Produkten jetzt ausdrücklich den Mittelstand an. Gemeint sind dabei Unternehmen, die an einem Standort bis zu 2500 Rechner einsetzen. Nach Aussagen von 3Com betrifft das nur rund 100 Firmen in Deutschland.

Im Unterschied zum Vorgängermodell hat 3Com den 4007 als "Plug-and-Play-Switch" ausgelegt, den eine "radikale Einfachheit" in Sachen Bedienung und Konfiguration auszeichnen soll. "Backbone in a Box" heißt die Marketingparole, die dem Kunden das neue Konzept nahe bringen will. Damit sich insbesondere mittelständische Anwender bei der Installation leicht tun, liefert der Hersteller den Switch in vorkonfigurierten Paketen aus. Diese kann der Kunde auf Wunsch nachträglich durch weitere Module ergänzen. Vier 7-Slot-Basiskonfigurationen stehen ihm dabei zur Wahl, wenn er die Module nicht speziell nach seinem Bedarf zusammenstellt; zum Beispiel das "Gigabit Ethernet Layer 2 Bundle" mit zwei 9-Port-Gigabit-Ethernet-Modulen oder das "Gigabit Ethernet Layer 3 Bundle" mit einem 4-Port-Gigabit-Ethernet-Routing-Modul und einem 9-Port-Gigabit-Ethernet-Modul.

Mit einer Backplane-Kapazität von 120 GBit/s nimmt der 4007 eine Switch Fabric von 18 GBit/s beziehungsweise 54 GBit/s auf und bedient maximal 54 Gigabit-Ethernet-Ports oder 216 Fast-Ethernet-Ports. Nach Ansicht von 3Com eignet er sich damit für Netze mit bis zu 2500 Benutzern.

Die erhöhten Werte bei 100 Prozent stellen im Praxisbetrieb keinen gravierenden Nachteil dar.

Zum Test haben wir das Basischassis mit folgenden zwei Modulen bestückt:

- ein Gigabit-Ethernet-Modul mit 9 SX-Ports: nur Layer-2-Switching,

- ein Gigabit-Ethernet-Modul mit 4 SX-Ports: Layer 2 und Layer 3.

Als Messgerät diente "1600 Traffic Generator/Performance Analyzer" von Ixia mit 20 100-Base-TX-Ports und acht 1000-Base-SX-Ports. Die Testsuites (unter anderem "Advanced Tcl Script Suite ATSS" von Ixia für Jitter-Tests) entsprachen den IETF-Normen:

- RFC 1242: Benchmarking Technology for Network Interconnection Devices,

- RFC 1944: Benchmarking Methodology for Network Interconnection Devices,

- RFC 2544: Benchmarking Methodology for Network Interconnection Devices Part 2 und

- RFC 2285: Benchmarking Methodology for LAN Switching Devices.

Zusätzliche Protokolle wie "Flow-ctrl", "STP", "Autoneg", "OSPF" und "RIP" haben wir deaktiviert, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.

Um den Durchsatz auf der dritten Ebene des OSI-Schichtenmodells zu prüfen, simulierte das Messgerät Endgeräte mit eigenen IP-Adressen. Jedem Port des Switches wurde ein IP-Netz zugeordnet. Was die Verdrahtung anbelangt, haben wir die symmetrische Variante gewählt und 12 Fast-Ethernet-Ports und 4 Gigabit-Anschlüsse des 4007 eins zu eins mit den Buchsen des Messgeräts verbunden, also Port 1 des Switches mit dem ersten Ixia-Port, Port 2 mit dem zweiten und so weiter.