Schnelle Leitung für Windows 2000

Als amerikanische Firma stellt Microsoft nicht immer die optimale Unterstützung für die Anbindung seiner Betriebssysteme an ISDN zur Verfügung. Durch die in Windows 2000 integrierte USB-Unterstützung sollen solche Schwierigkeiten aber nicht mehr so häufig auftauchen. Mit einem externen Terminaladapter haben wir uns dieser Problematik angenommen.

Von: Frank-Michael Schlede

Windows 2000 ist das Betriebssystem, das sich im professionellen Bereich zunehmend weiter verbreiten soll - so sieht es auf jeden Fall Microsoft. Aber gerade für den Einsatz in diesen Bereich ist eine breite Unterstützung ganz verschiedener Hardware und vor allen Dingen der entsprechenden Treiber zwingend notwendig. Leider scheint sich diese An- beziehungsweise Einsicht bei vielen Hardwareanbietern noch nicht durchgesetzt zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass für eine ganze Reihe von Druckern, Scannern oder ISDN-Karten beziehungsweise -Terminaladaptern keine oder nur eine mangelhafte Unterstützung durch Beta-Releases der entsprechenden Treiber existiert?

Die gleiche Situation trifft der Anwender auch bei Grafik- oder Soundkarten an, nur wird der Profianwender, der ja zumeist keine Spiele auf seinem Arbeitsplatzrechner installieren wird, hier häufig mit den von Microsoft mitgelieferten rudimentären Treibern des Windows-2000-Systems zurechtkommen. Hier scheint auch einer der Gründe zu finden zu sein, warum viele Hardwarehersteller meinen, sie könnten es sich sparen, spezielle Treiber für dieses Betriebssystem zu entwickeln und anzubieten. Sicher ist es richtig, dass Windows 2000 eine weitaus breitere Hardwarebasis unterstützt, als es das Vorgängersystem NT 4.0 tat. Trotzdem ist es beispielsweise für Anwender von Epson-Druckern sehr ärgerlich, wenn ein von Microsoft mitgelieferten Treiber nur einen Bruchteil der Konfigurationsmöglichkeiten anbietet, die dem Anwender unter Windows 98 angeboten werden.

Umso erfreulicher ist es da, wenn ein Hersteller ein neues Gerät ausdrücklich für Windows 2000 anbietet und auch die entsprechenden Treiber mitliefert. Uns stand ein externer ISDN-Terminaladapter der Firma D-Link zur Verfügung, der vom Anbieter unter der Bezeichnung "Dru-128TA" in einer als "Net Easy" bezeichneten Gerätefamilie vermarktet ist. Wer sich schon unter Windows NT mit der oft mangelhaften ISDN-Integration in Microsofts Server-Betriebssystemen "herumschlagen" durfte, wird das Auftauchen solcher Geräte ebenfalls begrüßen, zumal die Notwendigkeit der Unterstützung für Windows 2000 auch bei diesen Hardwareanbietern erst langsam erkannt wird.

Der Terminaladapter wird im laufenden Betrieb erkannt und die Konfiguration des Treibers kann beginnen.

Ganz offensichtlich scheint man bei D-Link mit diesem Gerät das untere Segment des Marktes zu adressieren: Dafür spricht nicht nur der moderate Preis von etwas mehr als 200 Mark, sondern auch das "poppige" an Apples I-Mac angelehnte Design des Terminaladapters. Da dieses Gerät es aber auch ermöglicht, mittels Multilink-PPP eine Übertragungsrate von 128 kBit/s zu erreichen, eignet es sich auch sehr gut für den Einsatz im SOHO-Bereich (Small Office/Home Office) oder bei einem Außendienstmitarbeiter.

Nach dem Auspacken hält man ein kleine, bunte Plastikbox in der Hand, die lediglich zwei Anschlüsse aufweist: einen, der zur ISDN-Verbindung führt und einen, der zum USB-Port (Universal Serial Bus) des PCs führt. Eine externe Stromversorgung benötigt der Dru-128TA nicht, denn er bekommt die Energie über den USB-Anschluss geliefert. Die Möglichkeit, Geräte mit geringer Stromaufnahme auf diese Art und Weise direkt mit Energie zu versorgen, gehört sicher zu den ganz besonderen Vorteilen der USB-Schnittstelle.

Zu den weiteren Punkten, die man bei dieser Art der Anschlusstechnik auf der "Haben-Seite" verbuchen kann, gehören die so genannten "Plug-and-Play"-Fähigkeiten und die deutlich höheren Datenraten bei der Übertragung im direkten Vergleich mit den bisherigen seriellen Verbindungen. Das von uns verwendete Windows-2000-Professional-System zeigte sich dann auch von seiner "besten Seite" und sofort, nachdem der Rechner mit dem Terminaladapter verbunden war, zeigt eine Meldung an, dass die entsprechende Hardware gefunden wurde und nun die Treiber installiert werden müssen (siehe auch Bild 1). An dieser Stelle tauchte dann ein Problem auf: Das System erkannte zwar sofort die Treiber auf der von D-Link mitgelieferten CD, doch versuchte es immer wieder, diese aus dem Verzeichnis der Windows-98-Treiber zu laden. Erwartungsgemäß verweigerte das Betriebssystem die Installation dieser Software.

Ein kurzer Blick auf die CD zeigte, dass auch ein entsprechendes Verzeichnis für Windows 2000 existiert. Aber auch der Versuch, die dort zu findenden Treiber manuell zu installieren, scheiterte. Nach einem kurzen Telefongespräch mit dem kompetenten Support bei D-Link wurde uns eine weitere Version dieser Software zugeschickt, die dann nach dem Entpacken auf der Festplatte ohne weitere Probleme installiert werden konnte. Ein kurzer Vergleich zwischen der Software auf der CD und der von D-Link direkt geschickten Programme zeigte allerdings keine Unterschiede, so dass der Eindruck entstand, die mitgelieferte CD wurde vor der Auslieferung nur unter Windows 98 richtig getestet. Diese Installation verlief nämlich völlig problemlos, wie ein kurzer Test mit der gleichen Hardware zeigte.

Nach der Installation der Treiber steht das Gerät über die Netzwerk- und DFÜ-Verbindungen unter Windows 2000 zur Verfügung. Ganz anders als bei Terminaladaptern, die über die serielle Schnittstelle mit dem PC verbunden sind, verläuft der Verbindungsaufbau hier sehr schnell ab. Dadurch entsteht häufig der Eindruck, dass man direkt in einem Netzwerk arbeitet und sich nicht über eine externe Verbindung mittels eines Providers im Internet bewegt. Natürlich hängt diese Zeit, die zum Einloggen benötigt wird, auch vom verwendeten Provider und dessen Ressourcen ab, doch ein ebenfalls am Testrechner betriebener Terminaladapter an der COM1-Schnittstelle brauchte bei allen Versuch deutlich länger, die Verbindung aufzubauen.

Das Verhalten dieses USB-Geräts ist insgesamt mehr mit dem einer internen ISDN-Karte zu vergleichen. Allerdings hat dieses Gerät gegenüber solchen Lösungen einen unbestreitbaren Vorteil: Durch die entsprechenden LEDs am Dru-128TA ist jede Aktivität, die über die Leitung geht, sofort festzustellen. Wer hat sich noch nicht beim Einsatz einer ISDN-Karte besorgt gefragt, ob die Verbindung nun wirklich abgebaut wurde, oder man immer noch eine kostenintensive Leitung zum Carrier offenhält?

Zu den weiteren Merkmalen, die dieses Gerät anbietet, zählen unter anderem eine optionale Telefoniefunktion, die allerdings nur mittels eines Kopfhörers möglich ist, die Unterstützung sowohl von 16-Bit- als auch von 32-Bit-CAPI-Treibern, von TAPI- und NDIS-WAN-Miniporttreibern und eine Multilink-PPP-Unterstützung, die eine Internet-Verbindung mit bis 128 kBit/s ermöglicht. Dieser gleichzeitige Gebrauch der beiden B-Kanäle muss natürlich auch vom Provider zur Verfügung gestellt werden. Gerade im Zeitalter der Flatrates kann sich dieses Feature aber als sehr nützliche Ergänzung erweisen.

In unserem fast achtwöchigen Praxistest, während dem der Ter-minaladapter auch "stundenlange" Sitzungen über sich ergehen lassen musste, hat sich dieses kleine, handliche Gerät sehr gut bewährt. Natürlich kann es mangels a/b-Schnittstelle keine ISDN-Anlage ersetzen, wer aber einen schnellen und vor allen Dingen auch unter Windows 2000 leicht und problem-los zu konfigurierenden ISDN-Zugang braucht, kann mit diesem Gerät kaum etwas falsch machen.