Schlaffer Klassenprimus

Der aktuelle Testkandidat ist ein Fast-Ethernet-Switch mit Gigabit-Uplink. Der "Catalyst 2924 XL" stammt vom Marktschwergewicht Cisco und ist vor allem für die Vernetzung kleinerer und mittelgroßer Betriebe konzipiert. Er glänzt durch eine gute Ausstattung - aber wie sieht es mit der Leistung aus?

Von: H. Almus, R. Marzbanvishka, Ch. Hammerschmidt

Der Redaktion lag zum Test ein Gerät mit 24 Ethernet- beziehungsweise Autosensing-Fast-Ethernet-Ports vor. Ein Gigabit-Uplink war ebenfalls vorhanden. Intern sind die Ports zu drei Baugruppen von je acht Ports zusammengefaßt.

Für die Anbindung an schnelle Server oder Backbones verfügt der 2924 XL über einen Gigabit-Uplink. Als typisches SMB-Produkt (SMB = Small and Medium Business) wird dieser Switch hauptsächlich über Distributoren vertrieben; im Projektgeschäft ist er weniger häufig anzutreffen. Dies könnte man als einen Hinweis auf eine Positionierung unterhalb jenes Bereichs ansehen, in dem es auf Top-Leistung ankommt.

In den Betrieben der Zielgruppe steht meist kein speziell ausgebildeter Netzmanager für den Betrieb und Support des Netzwerks zur Verfügung. Statt dessen wird diese Aufgabe häufig von DV-Allroundern wahrgenommen, die gleichzeitig auch für die Wartung der PCs und Software im Unternehmen zuständig sind. Einfache Konfiguration, simple Aufrüstbarkeit und unproblematisches Handling sind für diese Zielgruppe daher wichtig. Der 2924 XL erfüllt diese Forderung insofern, als für Konfiguration und Management durchgängig ein Web-basierendes Interface zur Verfügung steht. Wachsen die Bedürfnisse des Anwenders, so wächst der 2924 XL mit: Der Switch läßt sich auf einfache Weise "stacken", wobei sich bis zu 16 dieser Geräte unter einer gemeinsamen IP-Adresse miteinander kombinieren lassen. Gegenüber "normalen" Stackable Switches weist der Catalyst 2924 XL eine interessante Eigenschaft auf: Der Zusammenschluß ist nicht an eine unmittelbare räumliche Nähe gebunden, sondern erfolgt über Gigabit- oder Fast-Ethernet-Kabel. Dabei unterliegt er hinsichtlich der Entfernung nur den in dieser Technik üblichen Beschränkungen. Der Administrator kann also mehrere über das ganze Haus verteilte Switches wie ein einziges Gerät ansprechen und verwalten.

Schwache Leistung: Bei 20 Ports unter Last blieb der Durchsatz weit vom Optimum entfernt.

Der Switch hat weitere Qualitäten, die ihn für die LAN-Telefonie interessant machen. So kann er die Datenströme nach "Class of Service" sortieren. Und er läßt sich per Software zur Nebenstellenanlage für IP-Telefonie (Software-PBX) im lokalen Netz aufrüsten.

Unsere Tests dienten indessen weniger dazu, die Intelligenz des Geräts auszuloten. Sie konzentrierten sich auf die schiere Muskelkraft - auf die Performanz im Layer 2. Zur Ermittlung des Durchsatzes, der Paketverluste und der Latenzzeiten griffen wir auf die in RFC 2544 beschriebenen Messungen zurück. Bei der Messung von Broadcast Forwarding, Many-to-One-Throughput, und Many-to-Many-Throughput bedienten wir uns der RFC 2285.

Die Durchsatzmessungen sind One-to-One-Tests, das heißt, ein Sendeport in unserem Testgenerator adressiert jeweils genau einen Empfängerport. Die Tests nach RFC 2455 wurden mit 100 MBit/s im Full-Duplex-Modus durchgeführt, wobei der Generator fest auf Full-Duplex eingestellt war; Autonegotiation und Flow Control waren ausgeschaltet. Jeder Meßdurchgang wurde mit verschiedenen Paketgrößen wiederholt. Pro Meßvorgang traktierten wir den Switch für exakt 20 Sekunden mit Daten.

Zunächst schleusten wir zehn parallele Datenströme durch den Switch: Von Port 1 nach Port 2, von Port 3 nach Port 4 und so weiter bis Port 19 nach Port 20. Die restlichen vier Ports 21 bis 24 blieben erst einmal unbeschaltet. Bei Paketgrößen von mehr als 64 Bytes trat dabei das Phänomen auf, daß die Ports 1, 9 und 17 als erste Ports der jeweiligen Baugruppe Datenverluste von 0,003 Prozent verursachten. Das ist zwar nicht viel, weil aber der Durchsatz definiert ist als die Datenrate, bei der eben gerade keine Verluste auftreten, ließ sich so die Messung nicht durchführen. Cisco zufolge ist dieses Verhalten durch die interne Switch-Architektur bedingt und hat in der Praxis keine spürbaren Auswirkungen. Dennoch ersetzten wir Port 1 durch Port 21, Port 9 durch Port 22 und Port 17 durch Port 23. Das beschriebene Phänomen verschwand daraufhin. Der Switch erreichte dann bei fast allen Paketgrößen den theoretisch maximal möglichen Durchsatz. Eine Ausnahme bildet die Paketgröße 64 Bytes, bei der Verluste von 1,97 Prozent auftraten - eine vernachlässigbare Größenordnung.