OpenWorld 2014

Produktoffensive: Was Oracle in der Pipeline hat

Vom 28. September an findet wieder Oracles fünftägige Hausmesse OpenWorld in San Francisco statt. Das Studium der umfangreichen Agenda mit insgesamt 1800 Sessions gibt Hinweise darauf, was Kunden, Partner und Wettbewerber vom weltweit zweitgrößten Softwarehaus erwarten können.

Keine Überraschung ist, dass die bereits im Juni 2013 herausgegebene Datenbankversion 12c erneut im Mittelpunkt stehen wird. Die meisten großen Oracle-Kunden haben bislang noch kein Upgrade vorgenommen. Sie warten auf die Erfahrungen der Early Adopters und hoffen, dass der Hersteller erst einmal mit entsprechenden Patches für Stabilität und Performance sorgt.

Auf der Hausmesse dürfte CEO Larry Ellison die Gelegenheit nutzen, kräftig für die neue In-Memory-Option der 12c-Datenbank zu werben. Eine Reihe von Sessions wird sich diesem Thema widmen.

Ein weiteres Kernfeature ist die Multitenancy-Fähigkeit, die es ermöglicht, viele Datenbanken innerhalb einer einzelnen Datenbank-Instanz zu betreiben. Kunden und Softwarehäuser könnten damit ihren System-Overhead einschränken, lautet die Botschaft des Herstellers. In San Francisco werden eine Menge Kunden zeigen, welche Erfahrungen sie mit der Multitenancy-Option gemacht haben.

Engineered Systems

Mit dem Kauf von Sun Microsystems ist Oracle 2010 ins Hardwaregeschäft eingestiegen und setzt nun alles daran, seine vorkonfigurierten Appliances "Exadata", "Exalogic" und "Exalytics" an den Kunden zu bringen. Diese teuren Engineered Systems lohnen sich für den Anbieter, weil Kunden gebunden, über die gesamte Wertschöpfungskette bedient und zudem zum Kauf von Softwarelizenzverträgen animiert werden können. Doch bislang hat sich das Unternehmen eher schwer getan, Anwender von Commodity Hardware davon zu überzeugen, dass sich die Investition in solche Appliances auszahlt. Die Agenda der OpenWorld zeigt, dass nun vor allem Erfahrungsberichte auf die Bühne gebracht werden sollen.

Larry Ellison CEO Oracle
Larry Ellison CEO Oracle
Foto: Oracle

Vermutlich wird auch "Oracle Virtual Compute" ein Thema - ein vorkonfiguriertes System, mit dem Anwender Private Clouds einrichten können. Mit dem vor wenigen Wochen angekündigten System folgt der Konzern Anbietern wie IBM ("PureSystems"), Hewlett-Packard ("Converged System") und Cisco ("Unified Computing System"). Die konvergente Infrastruktur enthält ein integriertes System, das in der Lage ist, virtualisierte Anwendungen zu betreiben und typische Cloud-Services zu bieten. Unterstützt werden die Betriebssysteme von Oracle (Solaris, Linux), andere Linux-Distributionen und Microsoft Windows.

Public Cloud

Auf der OpenWorld soll auch die Public Cloud eine herausragende Rolle spielen. Standen in den Vorjahren die Anwendungen (SaaS) im Vordergrund, dürfte in diesem Jahr das Hauptaugenmerk auf Infrastructure (IaaS) und Platform as a Service (PaaS) liegen. Im IaaS-Bereich gibt es bereits Storage-Services, während Compute und Messaging noch im Preview-Stadium sind. Im Paas-Umfeld bietet Oracle Datenbank, Web Logic Application Server und Datenbank-Backup-Services an. Services rund um Software-Entwicklung, Mobile Computing, Business Intelligence und Dokumente stehen vor der Veröffentlichung. Entsprechende Ankündigungen sind noch vor der OpenWorld zu erwarten, so dass auf der Hausmesse eher die strategische Gesamtsicht auf das Public-Cloud-Angebot thematisiert werden dürfte. (Oracles Cloud-Strategie)

Big Data

Oracle wird seine Vision eines homogenen Big-Data-Management-Systems vorstellen. Bestandteile sind die Datenbank 12c, die kommenden Features für die Big-Data-Appliance, NoSQL- Datenbanktechnik und - ganz neu - "Big Data SQL". Schon in der nächsten Woche dürften Details veröffentlicht werden, da Oracles Datenbankchef Andy Mendelsohn einen Webcast mit dem vielversprechenden Titel "Oracle Big Data Breakthrough: Connect all your data with SQL" angekündigt hat. Auf der Website heißt es ganz bescheiden, Mendelsohn werde "eine revolutionäre neue Lösung für die nahtlose Integration von Hadoop, NoSQL und der Oracle Datenbank enthüllen."

MySQL

Dass Oracle weiter auf die Open-Source-Datenbank setzt, unterstreicht Oracle auf der OpenWorld damit, dass mit Chief Corporate Architect Edward Screven und dem für MySQL zuständigen Vice President of Engineering Tomas Ulin gleich zwei Schwergewichte aus dem Management sprechen sollen. Vor der Übernahme von Sun Microsystems Anfang 2010 hatte Oracle europäischen Regulierungsbehörden auf fünf Jahre begrenzte Zugeständnisse im Zusammenhang mit MySQL gemacht, die deren Nutzer schützen sollten. Diese Frist läuft nun langsam aus, so dass Kunden herausfinden können, wie ernst Oracle es Oracle noch mit MySQL meint. Viele Freunde der Open-Source-Software haben sich allerdings längst dem Open-Source-Pendant MariaDB zugewandt.

Fusion Applications

Oracle hatte seine Business Software der nächsten Generation, "Fusion Applications", stets so positioniert, als könnten User der Produktwelten "E-Business Suite", Siebel, PeopleSoft und J.D. Edwards darauf jederzeit und der selbst gewählten Geschwindigkeit upgraden. Dieses pragmatische Deployment-Modell der "Koexistenz" wird Oracle auf der OpenWorld vermutlich wieder als besonders kundenfreundlich feiern. Oracle wird die hausinterne Installation bestehend aus Fusion ERP, Modulen der Human-Capital-Management-Lösung und der global eingesetzten E-Business Suite 12 präsentieren. (hal)