Per Handy auf die E-Business-Schiene

Klein und wendig statt groß und behäbig ist das Credo der neuen E-Conomy. Die ersten WAP-Applikationen zeigen, dass das mobile Informationsmanagement einen ernst zu nehmenden Faktor im aufkommenden Internet-Business darstellt.

Von: Konrad Buck

Drei Buchstaben werden zum Synonym für die Verknüpfung von Internet, Mobilität und Geschäft: WAP (Wireless Application Protocol). Der international anerkannte Standard für die Darstellung von Internet-Inhalten auf dem Handy verlagert das Geschäft mit dem WWW vom schwerfälligen Computer auf ein gewandtes Gerät, das sich schneller verbreitet als alle anderen elektronischen Geräte zuvor. Schon Ende 2000 werden Dataquest zufolge allein in Deutschland 27 Millionen Handys verkauft sein. Knapp 10 Prozent davon, also rund 2,7 Millionen, werden nach Einschätzungen der Analysten von Durlacher bis Jahresende WAP-fähig sein. Die Anzahl der derzeit in Umlauf befindlichen WAP-Handys von Nokia und Motorola schätzt der Durlacher-Analyst Frank Müller-Veerse auf etwa 50 000 bis 100 000 Geräte. Deren Benutzer sind eine interessante, weil zahlungskräftige und innovationsbereite Klientel. Und ihre Anzahl wird in den nächsten Monaten drastisch ansteigen.

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Die Fülle der mittlerweile angebotenen Dienste kann man anhand von vier Anwendungstypen analysieren. Am größten ist die Gruppe der Unternehmen, die damit ihren Vertrieb aufpolieren. "Mit WAP können insbesondere kleine Unternehmen schnell und preiswert ins E-Business einsteigen", berichtet Christian de la Haye. Der Inhaber des Viersener Dienstleisters Megabit Media bringt täglich neue Firmen ins mobile Internet. Und auch die Gruppen der Firmen, die mit WAP ihre Logistik unterstützen, die interne Kommunikation verbessern und der Informationsbeschaffung neue, effizientere Strukturen verpassen, bieten interessante Nutzungsbeispiele.

"WAPen" ist schick, aber mit den derzeit gängigen Handys und Übertragungsraten noch ziemlich umständlich und teuer. Das schreckt viele Nutzer ab. Darum liegt die Würze des WAP-Vertriebs in der Kürze. Je knapper und prägnanter, desto besser.

Thomas Schibich, der Chef eines Karosseriefachbetriebs aus Leipzig, nutzt seit Februar das Protokoll. Der Inhaber des Drei-Mann-Betriebs publiziert darüber einen Teil seiner Leistungen und seine Verbindungsdaten. Das reicht aus. Schibich: "Mit dem kleinen, aber feinen WAP-Auftritt möchte ich neue, jüngere, besser verdienende Kundenschichten ansprechen."

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Die beiden Betreiber eines Ladens für Secondhand-Brautmoden in Stäfa bei Zürich, Elisabeth Casal und Dominik Schweizer, waren das Warten auf Laufkundschaft und das Nutzen herkömmlicher Werbemethoden satt. Jetzt verkaufen die beiden gebrauchte "Träume in Weiss" inklusive Zubehör via Internet und WAP-Handy. Web-Profi Schweizer: "Die Internet-Technik spült uns zusätzliche Kunden in den Laden, oder?" Sie bieten derzeit 38 Brautkleider, Accessoires und die Kontaktadressen über Handy an.

Ioannis Chatziandreou, der Technikchef des Bochumer Ingenieurbüros für Bauschaden-Diagnose Hebo GmbH, liefert Informationen und erste Hilfe per WAP-Handy. Dort werden wichtige Tipps, mögliche Ursachen und nützliche Telefonnummern angegeben. Chatziandreou hat die Adresse seiner Site in mehreren Suchmaschinen angegeben. Unter den Stichworten "Bauschaden" oder "Wasserschaden" werden ratlose Architekten oder Bauingenieure fündig.

Seit der CeBIT dieses Jahres gibt es auch Teile der Schwacke-Liste im mobilen Internet. Der Anbieter von Automarktdaten, Fahrzeuganalysen und Softwarelösungen Eurotax Schwacke zählte bereits rund 17 000 Zugriffe auf die Site. Per WAP werden die Händlerein- und -verkaufswerte sowie der ursprüngliche Neupreis veröffentlicht.

Das bietet nach den Worten von Marketingleiterin Monika Neuberth eine erste Gesprächsgrundlage für die beiden Handelspartner. Die Maintaler verstehen sich als Dienstleister und wollen ihre Klientel daher auf möglichst allen derzeit verfügbaren Informationskanälen bedienen. Zwar sind die via WAP kostenlos bereitgestellten Angaben nur ein erster Richtwert, aber Neuberth will ganz bewusst jeden sich bietenden Kundenzugang nutzen. Somit ist das Handy auch ein Baustein für Kundenbetreuung und -bindung. Jetzt baut Schwacke ein komplettes Online-Portal rund um den Autokauf.

In Anwendungen wie der Warenverteilung wird WAP bereits tief gehender eingesetzt. Hier geht es nicht nur um die Darstellung von Informationen, sondern um die Unterstützung von Distributionsprozessen.