Mega-Börsengang

Online-Händler Alibaba will Milliarden einsammeln

Der Amazon-Konkurrent Alibaba will den größten Börsengang der Geschichte auf die Beine stellen. Doch dafür muss noch einiges erledigt werden: Ab Montag wird auf sogenannten "Roadshows" die Werbetrommel für Investoren gerührt.

Aus dem Stand auf Augenhöhe mit Amazon: Der chinesische Internet-Händler Alibaba will bei seinem mit Spannung erwarteten Börsengang in New York mehr als 21 Milliarden Dollar einsammeln und so das größte Aktiendebüt aller Zeiten stemmen. Der am Freitag veröffentliche Börsenprospekt des Unternehmens skizziert ein Megaprojekt bislang ungeahnten Ausmaßes.

Doch damit der gigantische Plan gelingt, ist noch einiges zu tun. Alibaba-Gründer Jack Ma und sein Team stehen vor einer Mammutaufgabe. Sie müssen Investoren überzeugen, die zunächst in einer Preisspanne zwischen 60 und 66 Dollar angebotenen 320 Millionen Aktien zu kaufen.

Alibaba hat sich bei der US-Notierung für die traditionsreiche NYSE entschieden.
Alibaba hat sich bei der US-Notierung für die traditionsreiche NYSE entschieden.
Foto: Thomas Cloer (CC BY-SA 2.0)

Auf sogenannten "Roadshows" soll die Werbetrommel gerührt werden. Am Montag startet die Milliardenjagd in New York, wo die Alibaba-Papiere ab 19. September unter dem Kürzel BABA gelistet werden könnten.

Wie die "New York Times" berichtet, werden zwei Teams mit Alibaba-Führungskräften - Code-Name "Rot" und "Orange" - mit Beratern die USA abklappern. Danach sollen Europa, der Mittlere Osten und Asien an die Reihe kommen. 100 Treffen mit potenziellen Investoren in zehn Tagen seien geplant.

Damit alles glatt geht, baut Alibaba zudem auf die Unterstützung der Finanzbranche. Führende Investmentbanken werden dem Unternehmen beim Börsengang helfen. An vorderster Stelle steht dabei nach Informationen des "Wall Street Journal" Goldman Sachs.

Chinazentrale von Alibaba in Hangzhou
Chinazentrale von Alibaba in Hangzhou
Foto: Alibaba

Das einflussreiche New Yorker Geldhaus wurde demnach als sogenannter "Stabilization Agent" verpflichtet, dem bei der Ausgabe der Aktien eine Schlüsselrolle zukommt und dem höhere Einnahmen in Aussicht stehen als den anderen beteiligten Banken.

Auch die Deutsche Bank ist als Platzierungshelfer der Papiere mit von der Partie. Daneben hat Alibaba laut Börsenprospekt Credit Suisse, JPMorgan, Citigroup und Morgan Stanley als Partner verpflichtet.

Da zunächst nur ein kleiner Teil des Unternehmens an der Börse gelistet wird, bewertet sich Alibaba auf Basis der Preisspanne für seine Aktien insgesamt mit bis zu 163 Milliarden Dollar. Damit sieht sich der Konzern etwa gleichauf mit Wettbewerber Amazon und deutlich vor anderen Konkurrenten wie Ebay.

Jack Ma, Gründer und CEO von Alibaba, sind Kunden und Mitarbeiter wichtiger als Anleger und Shareholder Value.
Jack Ma, Gründer und CEO von Alibaba, sind Kunden und Mitarbeiter wichtiger als Anleger und Shareholder Value.
Foto: Alibaba

Ob die hohen Einstandspreise ein Vorteil sind, muss sich allerdings erst zeigen. So war zum Beispiel das Börsendebüt des Online-Netzwerks Facebook 2012 zum Debakel geworden, weil der Ausgabepreis der Aktien zu hoch angesetzt wurde.

Alibaba-Gründer Jack Ma macht zudem keinen Hehl daraus, dass Anleger bei ihm nicht an erster Stelle stehen. Schon Mitte des Jahres hatte er seine Mitarbeiter vor der "beispiellosen Rücksichtslosigkeit" der Finanzmärkte gewarnt und den Erhalt der Firmenkultur versprochen.

"Die Kunden kommen zuerst, die Mitarbeiter als zweite und dann die Aktionäre", hieß es in nun einem Brief, der am Freitag mit dem Börsenprospekt veröffentlicht wurde. Das sind normalerweise nicht die Aussagen, die finanzstarke Investoren gern hören wollen.

In der US-Aktienkultur ist eher das Prinzip des "Shareholder Value" gängig, das der Steigerung des Marktwerts im Interesse der Börsianer Priorität einräumt. Davon scheint der Alibaba-Gründer nicht viel zu halten.

Damit hat Ma allerdings etwas gemeinsam mit Jeff Bezos, dem Chef des großen Alibaba-Konkurrenten Amazon. Bezos verärgert Investoren regelmäßig, weil er mit hohen Investitionen in den Kundenservice die Marktanteile ausbaut, anstatt Ergebnisse und Aktienkurs zu pflegen. (dpa/wh)