NVIDIA wettert gegen Kyro II

Dass NVIDIA wenig vom Kyro-II-Grafikchip der Konkurrenz hält, ist klar. In einem als NVIDIA Confidential bezeichneten Papier, das anscheinend OEMs und Händlern zugespielt wurde, zielt der Grafikchip-Hersteller unter dem Titel "Kyro2 - What you should know" allerdings weit unter die Gürtellinie.

Das Papier, das als PDF-Dokument inzwischen im Web die Runde macht, ist authentisch. NVIDIAs PR-Chef Brian Burke meinte in einem E-Mail an tecChannel.de: "Ja, leider kam das von NVIDIA. Es gibt einige Spekulationen darüber, wer es weitergegeben hat, aber darauf kommt es nicht. Worauf es ankommt - es ist ein NVIDIA-Dokument."

Was den 3D-Marktführer soweit getrieben hat, erklärt Burke so: "Wie Sie wissen, ist diese Präsentation, die im Internet die Runde macht, ein Tool, das für NVIDIAs Sales-Team erstellt wurde. Es wurde geschaffen, um bei der Positionierung unserer Produkte gegenüber dem Wettbewerb zu helfen und auch, um unser Verkaufsteam zu schulen und zu motivieren. Es war nie für die Öffentlichkeit gedacht."

Die hat aber nun einen deutlichen Einblick in NVIDIAs PR-Methoden bekommen. Bereits auf der CeBIT sah man mit dem vom März datierenden NVIDIA-Pamphlet einige Grafikkartenhersteller herumwedeln.

Schon auf Seite 2 des Papiers geht es richtig zur Sache. Unter der Überschrift "Kyro2 is old - very old" versucht NVIDIA darzulegen, dass es sich beim Kyro II in Wirklichkeit um einen leicht aufgemotzten Kyro-Chip handelt und damit um ein Design aus dem Jahr 1997. Dem Chipproduzenten SGS Thompson ist dem Papier zufolge auch nicht viel zuzutrauen, da es ihm fast gänzlich an Erfahrung mit komplexen Designs mangele.

"Very Old": NVIDIA zieht über den Kyro II her und verpasst auch gleich Guillemot noch eine Breitseite.

Bei Guillemot, immerhin auch Produzent von NVIDIA-Karten, wird man sich ebenfalls die Augen reiben. Guillemot "never made their own board before" heißt es. Um den Kyro II zum Laufen zu bringen, habe Guillemot deshalb das NVIDIA-Design gehacked. Genüsslich wird beschrieben, dass alle Guillemot-Karten von NVIDIA designed seien, mangels eigener Erfahrung von Guillemot, versteht sich.

"Hacker" Guillemot: Mangels Erfahrung musste der Boardhersteller das NVIDIA-Referenzdesign aufbohren, heißt es im Pamphlet.

Die fehlende T&L-Unterstützung des Kyro II wird im Papier seitenlang ausgebreitet. Außerdem sind Benchmarks mit Mercedes Benz Truck Racing (MBTR) anscheinend NVIDIAS liebstes Steckenpferd. Für den Fingerzeig auf vermeintliche Fehler des Kyro II mit MBTR wird ein Test von SharkyExtreme missbraucht. Dass es sich dabei um einen Test des nicht finalen Produkts handelte, wird geflissentlich verschwiegen.

Ungeprüft und fehlerhaft: Der Kyro II soll schreckliche Ergebnisse mit künftigen Spielen liefern, weiß die Konkurrenz anscheinend schon heute.

Übrigens scheint auch die GeForce 3 mit MBTR nicht richtig zu funktionieren, zumindest hat Anandtech beim GeForce3-Test unter "Cards and Incompatibilities" über Probleme mit MBTR berichtet und daraufhin auf den Benchmark verzichtet. tecChannel.de hat den Kyro II ebenfalls getestet, die seriösen Resultate finden Sie hier. (uba/nie)