Motoren für die Metasprache

Ein XML-Server ist eine Anwendung, die eine andere mit Daten im XML-Format füttert. Ein XML-Tool stellt ein Hilfsmittel dar, das den Umgang mit der Metasprache erleichtert. Der weit gefächerte Markt an Produkten lässt eine weitere Präzisierung der Definitionen nicht mehr zu, aber immerhin wird Struktur ins Angebot gebracht.

Von: Dr. Johannes Wiele

Wer von einem "Datenbank-Server" spricht, hat normalerweise eine halbwegs genaue Vorstellung davon, auf was er sich bezieht: Auf eine Software, die Informationen strukturiert speichert und auf Anfragen hin wieder zu Tage fördert. Bei einem "XML-Server" kann von einer derart sicheren Definition keine Rede sein. Sicher ist nur, dass er in der Lage sein muss, Daten im Format der Metasprache zu verarbeiten, zu interpretieren und auf Anfrage zur Verfügung zu stellen. XML-Server werden also von ihrem Output und von ihren Verarbeitungsfähigkeiten her definiert, nicht von ihrer inneren Struktur. So kommt es, das Applikationen, die in anderen Bereichen vielleicht als Konverter oder Interfaces bezeichnet würden, unter Spezialisten mitunter widerspruchslos als "Server" gehandelt werden.

Kenner finden im Web bereits eine Unzahl von Tools.

Der Grund für die ungewöhnliche Terminologie ist, dass XML zugleich ein Dokumentenformat und eine Austauschbasis für die Datenverarbeitung darstellt. Dateien in der Metasprache enthalten Informationen und Anweisungen für ihre Darstellung und Auswertung zugleich, sodass sich die neue "Lingua Franca des Internets" vorzüglich für den Datenaustausch zwischen Anwendungen eignet. Um dieses Konzept herum hat sich eine neue Sichtweise von IT-Infrastrukturen entwickelt, die sich in der Konzeption von Webservices und Java-Plattformen spiegelt: Man denkt bevorzugt in selbstständig operierenden Diensten, die sich gegenseitig mit Daten beliefern und so frei wie möglich miteinander kombiniert werden können - gleich, ob nun Menschen oder Maschinen als Kommunikationspartner agieren. Der Blick "unter die Motorhaube" der einzelnen Module gilt dabei fast schon als unfein, solange man sich dem Thema nicht als Entwickler nähert. Eine besondere Klasse von XML-Servern sind jene, die mithilfe von Extensible Stylesheet Language Transformations (XSLT) einen XML-Datenstrom in einen anderen transformieren.

Ein interessanter Aspekt dabei ist, dass das XML-Format, das primär für die Verständigung zwischen Applikationen gedacht ist, aufgrund seiner Dokument-Struktur dem menschlichen Verständnis von bequem rezipierbarer Information viel näher kommt als beispielsweise die Tabellen traditioneller Datenbankstrukturen.