Mit IPv6 zum Echtzeit-Internet

Alle zwei Jahre treffen sich Netzwerkfachleute auf dem Symposium "Interworking" und diskutieren über Entwicklungstrends bei Netzen und Diensten. Die Hauptthemen der diesjährigen Veranstaltung waren unter anderem die Integration von Internet-Techniken in Mobil- und Festnetze, Ressourcen- und Verkehrsmanagement sowie neue Forschungsprojekte in Europa.

Von: Kai-Oliver Detken

Veranstaltungsort war die norwegische Stadt Bergen.

Neue Kommunikationsdienste lassen sich nur dann einführen, wenn das darunter liegende Netz und die Applikations- und Serviceplattformen dafür ausgelegt sind. Eine Schlüsselrolle spielen hier Techniken wie ATM, IP-Networking und "intelligente Netze" auf Basis von TMN, Corba und Java. Diese Themen standen denn auch im Mittelpunkt der Interworking 2000. Eine der Kernfragen war, wie sich das Zusammenspiel der diversen Systeme, Protokolle, Signalisierungsarten und Managementkonzepte sicherstellen lässt. Deren Interoperabilität ist die Voraussetzung dafür, durchgängige Dienste über große Entfernungen zu implementieren.

Das Programm des Symposiums setzte sich aus Grundsatzreden und Bird-of-a-Feather-Meetings der Internet Engineering Task Force zusammen, also den konstituierenden Sitzungen von IETF-Arbeitsgruppen. Außerdem wurden neue Projekte vorgestellt, die im Rahmen des "Information-Society-Technologies"-Rahmenprogrammes (IST) der Europäischen Union anliefen.

Die Sitzung eröffnete Horst Forster, Leiter des Bereichs "Computing, Communications and Networking" im IST-Programm. Er stellte die Strategie der EU bezüglich des neuen Rahmenwerks vor. Demnach stehen nicht mehr alleine Netzwerkfragen im Mittelpunkt der Forschung, sondern vielmehr Integration und Interoperabilität neuer Anwendungen im Bereich E-Commerce und E-Business.

Im Anschluss daran diskutierten Vertreter von Ericsson, Telenor und Alcatel über das "mobile Internet". Die Teilnehmer hinterfragten, ob Fest- und Mobilfunknetz zwangsläufig zusammenwachsen müssten. Sie wiesen darauf hin, dass gegenwärtig die Strukturen für "Mobile IP" fehlen; sie würden erst zusammen mit GPRS-Diensten (General Packet Radio Services) aufgebaut und schließlich in das "Universal Mobile Telecommunications System" (UMTS) münden.

Auch das Interworking mit dem Internet muss sich nach Ansicht der Experten ändern. So benötigt der Anwender künftig zwei IP-Adressen: eine für seinen mobilen Client und eine weitere für zu Hause ("Home Location"). Das ist aber mit der Version 4 von IP nicht in den Griff zu bekommen, weil diese Protokollversion nicht genügend IP-Adressen bereitstelle. Daher muss der Umstieg auf IPv6 beschleunigt werden. Zusammenfassend sahen die Diskussionsteilnehmer die Entwicklung im Mobilfunkbereich sehr positiv, vor allem deshalb, weil völlig neue Anwendungen möglich werden - nicht zuletzt wegen der höheren Datenraten, die UMTS bietet.